Nachrichten

    Reinhard Kaiser wurde 70

    Reinhard Kaiser wurde 70

    VS Fachgruppe Literatur der ver.di Hessen dontworry/wikimedia Reinhard Kaiser  – 2009

    Ein Forscher von Sprachen und Epochen, besonders der NS-Zeit

    Geboren wurde er am 7. März 1950 in Viersen. Er studierte Germanistik, Romanistik, Sozialwissenschaften und Philosophie und arbeitete als Übersetzer und Lektor für verschiedene Verlage. Er hat zahlreiche Autorinnen und Autoren aus dem Englischen und zuletzt auch aus dem Französischen übersetzt: Georges Duby, Sylvia Plath, Robert K. Merton, Nancy Mitford, Lee Strasberg, Neil Postman, Irene Dische, Susan Sontag, Sybille Bedford, Isaiah Berlin, Richard Sennett, Michel Serres, Anne Tyler, John Polidori und andere. Im Galiani Verlag Berlin erschien 2017 Kaisers Übersetzung des Romans von Rétif de la Bretonne »Monsieur Nicolas« mit dem Titel »Monsieur Nicolas oder das enthüllte Menschenherz«.

    Kaisers schriftstellerische Werke basieren meistens auf historischen Stoffen, die er gründlich recherchiert.
    In »Der glückliche Kunsträuber« (2016) über den Kunstexperten Dominique-Vivant Baron Denon (1802-1815), den Napoleon zum Direktor des Louvre ernannte, greift Kaiser wieder auf authentische Quellen zurück, vor allem auf Denons (350) Briefe an seine venezianische Geliebte Isabella Marin.
    In dem Buch von Elena Balzamo / Reinhard Kaiser »Warum der Schnee weiß ist. Märchenhafte Welterklärungen« (2005) werden die originellsten Antworten auf viele Fragen des Alltags gesammelt.
    Die »Unerhörte Rettung« (2004) erzählt von dem jüdischen Komponisten Edwin Geist, der Ende 1942 im litauischen Kaunas ermordet wurde, und von seiner Frau Lyda, die Anfang 1943 Selbstmord beging.
    »Dies Kind soll leben« (2000), das zusammen mit Margarete Holzmann verfasst wurde, enthält die Aufzeichnungen der Helene Holzman (1941-1944), Malerin, Buchhändlerin und Lehrerin. Gleich nach dem Ende des Krieges schrieb sie die Gräueltaten auf, die sie im litauischen Kaunas erlebt und erlitten hatte.
    Die Titelheldin des Romans »Eos Gelüst« (1997) ist niemand Geringeres als eine auf Erden wandelnde Göttin, die sich in einen Mann verliebt. Auch da sind Kaisers Kenntnisse der griechischen Mythologie unentbehrlich.
    »Königskinder – eine wahre Liebe« (1996) hat einen realen Hintergrund, den Kaiser anhand des Briefwechsels zwischen der gebürtigen Schwedin, Ingeborg Magnusson und dem deutschen Geologen Rudolf Kaufmann in seiner Gefangenschaft vor dem zweiten Weltkrieg rekonstruiert. Für dieses Buch erhielt er 1997 den Deutschen Jugendliteraturpreis.

    Weitere Auszeichnungen sind u. a.: 1992 der Dormagener Federkiel, 1993 der Heinrich Maria Ledig-Rowohlt-Preis, 2000 der Geschwister-Scholl-Preis, 2003 der Niederrheinische Literaturpreis. Für seine Neuübertragung des »Der abenteuerliche Simplicissimus« erhielt Kaiser 2009 einen Sonderpreis zum Grimmelshausen-Preis, 2011 den Brüder-Grimm-Preis der Stadt Hanau.

    Forschung und Dokumentation stehen immer im Mittelpunkt von Reinhard Kaisers Literatur, die insbesondere das entsetzliche Thema des Holocausts von allen Seiten beleuchtet. Seine Mitgliedschaft bei uns im VS, im PEN und im Verband deutschsprachiger Übersetzer literarischer und wissenschaftlicher Werke spricht weiterhin für sein soziales und politisches Engagement und seine Verwurzelung in der Analyse der deutschen und der Weltgeschichte.

    Der Bundesvorstand des Verbands der deutschen Schriftstellerinnen und Schriftsteller (VS in ver.di) gratuliert Reinhard Kaiser sehr herzlich zu seinem Geburtstag und schließt die besten Wünschen für weitere Werke und weitere wohlverdiente Erfolge an.