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    Jutta Heinrich-Rosemann

    Jutta Heinrich-Rosemann

    Der Hamburger Landesverband des VS – Verband deutscher Schriftstellerinnen und Schriftsteller in ver.di – trauert um sein Mitglied Jutta Heinrich-Rosemann (4. April 1937 – 23. Juli 2021)

    Am 23. Juli 2021 ist die Schriftstellerin Jutta Heinrich für alle überraschend gestorben. Ihre große Familie, ihre Lebens- und Weggefährtinnen/-gefährten, Schriftstellerkolleginnen/Kollegen, der Vorstand des Hamburger VS und des Literaturzentrums Hamburg, ihre schreibbegeisterten Schülerinnen und Schüler und Teilnehmerinnen/Teilnehmer ihrer Literaturkurse und viele andere Menschen, die Jutta Heinrich bei ihren Lesungen und mobilen Salons begegnet sind, trauern sehr darum, dass sie unsere Welt schon jetzt verlassen musste.

    Die Trauer ist eine eisige und einsame Qual, weil wir uns als Trauernde nicht der Zukunft zuwenden können, in der der geliebte Mensch fehlt, so wenig wie wir uns an die Vergangenheit halten können, die zu schmerzlich von ihm erfüllt ist.

    Eva Illouz

    Jutta Heinrich studierte Sozialpädagogik, Literaturwissenschaft und Germanistik. Seit 1975 war sie freie Schriftstellerin. Geboren in Berlin, lebte sie seit vielen Jahren in Hamburg und im Wendland. Sie veröffentlichte Romane, Theatertexte, Kurzprosa, Essays und schrieb zahlreiche Beiträge für den Rundfunk. Ihre Arbeiten wurden mit Stipendien und Preisen ausgezeichnet.
    1999 erfolgte ihre Wahl in den P.E.N.

    Seit 2000 nahm sie vorwiegend Lehrtätigkeiten wahr, u.a. Gastprofessur für Szenisches Schreiben an der Universität der Künste Berlin und Leiterin eines interkulturellen Theaterprojekts in Augsburg. Im Jahr der Künste (2009) initiierte sie das Langzeitprojekt LIT. Junge Köpfe in Form von Literaturworkshops an verschiedenen Hamburger Schulen. Hiermit lehrte sie »Jungen und Mädchen in allen Teilen der Stadt die Schönheit der Literatur und die Kraft der Worte.« (Senator Dr. Carsten Brosda). Für ihre künstlerischen und kulturellen Verdienste um Hamburg wurde Jutta Heinrich 2017 vom Hamburger Senat mit der Senator-Biermann-Ratjen-Medaille ausgezeichnet.

    Bei S. Fischer wurden 2016 drei herausragende Bücher von Jutta Heinrich wieder aufgelegt: ihr erster furioser Roman Das Geschlecht der Gedanken, die Kurzgeschichten Alles ist Körper und Mit meinem Mörder Zeit bin ich allein. Bei ihrem Debüt atmeten einige Rezensenten und Rezensentinnen auf: Endlich keine Leidensliteratur, sondern »Rache des Opfers« (DIE ZEIT), ein Buch über »Tote Seelen« (DER SPIEGEL), mehrfach übersetzt, zuletzt in Japan. »Eines der aufregendsten, poetischsten und genauesten Bücher über die Wechselwirkung von Unterdrückung und Gewalt.« (Prof. Dr. Renate Möhrmann, KLG, 10/06). Hans Sahl nannte sie einen »weiblichen Dylan Thomas«. Ihr Roman Unheimliche Reise wurde als ein »Meisterwerk zum Zeitgeschehen« (LiteratourNord) hervorgehoben.

    Bei all ihrem vielfältigen Schaffen ist auch die Verbindung zum Hamburger VS nie abgebrochen und wir haben so manche Veranstaltung gemeinsam bestritten. Liebe Jutta, wir werden dich vermissen!

    Dr. Reimer Boy Eilers
    Landesvorsitzender VS Hamburg

    Jutta Heinrich-Rosemann

    VS Fachgruppe Literatur der ver.di Hamburg
    © S. Gabriel