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    SR reduziert sein Literaturprogramm

    SR reduziert sein Literaturprogramm

    VS Fachgruppe Literatur der ver.di Saarland screenshot VS Saarland  – Internetseite

    Der Saarländische Rundfunk hat Mitte September in einer kleinen Programmreform auf SR 2 KulturRadio sein Literaturangebot wesentlich gekürzt. Die bisher dienstagabends ausgestrahlte Sendung Literatur im Gespräch (1 Stunde Wort) gibt es nicht mehr. Sie wurde mit der Bücherlese (Kurzbeiträge, bisher mittwochsabends) zusammengeführt zur Sendung Literatur im Gespräch und Literatur im Gespräch -- Das Magazin. Am Mittwochabend ab 19:15 laufen also die Kurzbeiträge im wöchentlichen Wechsel mit dreiviertelstündigen Literatursendungen. Die Kurzbeiträge werden auch den Weg in vor- und nachmittägliche Magazine finden. An Feiertagen soll es gelegentliche Sondersendungen von bis zu 1 Stunde Länge mit literarischem Inhalt geben. Die Sendung Fortsetzung folgt bleibt unverändert erhalten. Das Streaming-Angebot auf der Website des SR wird erweitert.

    Was Bücherlese und Literatur im Gespräch angeht, bedeutet die Reform einen Rückgang der literarischen Sendezeit um ca. ein Drittel.

    Der Verband deutscher Schriftsteller missbilligt die Kürzung der Literatursendungen entschieden. Der Schaden für die Literatur überwiegt bei Weitem die Vorteile. Die SR2-Programmreform reiht sich fatal ein in den bundesweit erkennbaren Trend, das Wort aus den Kulturwellen der öffentlich-rechtlichen Hörfunksender weiter zu verdrängen (siehe z. B. die derzeitige Diskussion um HR2).

    Wellenchefin und Leiterin der Programmgruppe Künstlerisches Wort hoffen, mit der Programmreform die Wahrnehmung für Literatur beim Publikum zu verbessern. Das eigentliche künstlerische Wort kommt aber auf der Welle immer weniger vor. Gerade Primärliteratur in der Sendung Literatur im Gespräch wird stark beschnitten.

    Nachdem 2003 und 2017 das Hörspiel auf eine Schwundform reduziert wurde, trifft es jetzt die Literatur.

    Der SR ist schon lange eigentlich Musiksender mit einem im Vergleich zu den anderen öffentlich-rechtlichen Anstalten sehr geringen Wortanteil. Zum Kulturauftrag gehört aber das kulturelle Wort. Auf den anderen Wellen und im Fernsehen findet die Literatur ohnehin kaum statt. Mit der Kürzung der Literatursendungen auf SR2 vernachlässigt der SR nicht nur seinen Kulturauftrag, er arbeitet an seiner Selbstauflösung. Denn ohne die Darstellung und Reflexion der regionalen Kultur ist er überflüssig. Gerade dort könnte er kompetent sein, dort könnten seine Stärken liegen, seine »Alleinstellungsmerkmale«.

    Der Verband deutscher Schriftsteller Saar fordert Intendanz, Programmdirektion und Wellenleitung auf, die schleichende Entwortung auf der Kulturwelle zu stoppen, den Literaturanteil auf SR2 nicht zu reduzieren, sondern mindestens beizubehalten, besser noch: zu erweitern und zu verbessern. Nur so kann der SR seinen Kulturauftrag ernst nehmen.