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    Eine Stimme für Europa

    Eine Stimme für Europa

    Literaturpreise der Europäischen Union an Ioana Pârvulescu
    Sonderpreis »Cultural Heritage« an Lidija Dimkovska

    Berlin/Wien, 7. November 2018: 36 Geschichten von Autorinnen und Autoren aus 26 Ländern gingen ins Rennen um den Literaturpreis der Europäischen Union. Zum 10-jährigen Jubiläum des EUPL wählte eine professionelle Jury, der Bundesvorstandsmitglied Nina George für Deutschland angehörte, die beste Kurzgeschichte: »A Voice« der rumänischen Autorin Ioana Pârvulescu. Die Preisverleihung fand am Abend des 6. November 2018 im Wiener Belvedere Palace unter der Schirmherrschaft des Europäischen Parlaments und des Gastgebers Gernot Blümel, österreichischer Bundesminister für EU, Kunst, Kultur und Medien statt.

    »A Voice« von Ioana Pârvulescu (Rumänien) ist der ehemaligen Radio Free Europe-Radiomoderatorin und Journalistin Monica Lovinescu gewidmet. Die rumänische Schriftstellerin, Journalistin und Literaturkritikerin wurde während der kommunistischen Diktatur in Rumänien Radiomoderatorin bei Radio Free Europe von 1964 bis 1992 zu einer Ikone – und vor allem zu einer Stimme! – des Widerstands gegen das Regime.

    Pârvulescu beschreibt auf zwei Zeitebenen einerseits die Flucht Lovinescus, ihre Verfolgung in Paris, und blättert gleichsam Vergangenheit und Gegenwart des unfreien, und dann des freien Europas auf. Eine fiktionale Begegnung einer Grenzsoldatin mit jener »Stimme«, die ihr in ihrer Jugend die Hoffnung auf Grenzenlosigkeit erhielt, wird durch den realen Hintergrund des Lebens und Wirkens von Monica Lovinescu ergreifend und berührend.

    »A Voice« war das letzte Werk, das Pârvulescu ihrer Mutter vor deren Tod vorlas.
    Pârvulescu widmete den Gewinn Monica Lovinescu, der Stimme der Hoffnung.

    Neben der Auszeichnung für die beste europäische Kurzeschichte
    wurde der Sonderpreis »Cultural Heritage« ausgelobt, er ging an die mazedonische Schriftstellerin und Lyrikerin Lidija Dimkovska für ihr Werk »When I left Karl Liebknecht«. Den Publikumspreis erlangte Jelena Lengold (Serbien) mit »Jasmine and Death«, den Preis der Europäischen Parlamentsabgeordneten teilten sich die Luxemburger Autoren Jean Back mit »European Clouds« und Gast Groeber mit »Current weather warning: predominantly heavy fog«.

    Alle Gewinnergeschichten
    sowie die der Nominierten Ioana Pârvulescu mit »A Voice«, »The Saviour of the World« von Adam Foulds (United Kingdom), »A European Story« von Meelis Friedenthal (Estland), »Jasmine and death« von Jelena Lengold (Serbien), »Greatness Will Have its Due« von Andrej Nikolaidis (Montenegro) sowie »This is my body« von Isabelle Wéry (Belgien) können hier gelesen werden.

    zur Pressemeldung (englisch, pdf-Datei, 168 KB)

    Die europäische Jury ...

    ... bestand aus Maria-João Costa (Portugal), Nina George (Deutschland), Juancho Pons (Spanien), Cathy Rentzenbrink (Vereinigte Königreiche), Marnix Verplancke (Flandern) sowie Liana Sakelliou (Griechenland).

    Jurymitglied Nina George,
    Mitglied des Bundesvorstandes des VS:

    »Es ist erstaunlich, dass wir trotz unterschiedlichster Herkunft, Sozialisation und Sprache dieselben Kriterien und Anforderungen an Literatur besitzen«, so Nina George über die umfängliche Juryarbeit: »Neben Handwerk, Sprache und Dramaturgie gibt es darüber hinaus etwas, das schwer in Kategorien zu fassen ist und gleichzeitig das, was Literatur so lebensnotwendig macht. Eine Wirkung, die sowohl intellektuell als auch emotional ist, die über Landesgrenzen und Denkgrenzen hinaus eine gemeinsame Sehnsucht, einen gemeinsamen Konsens, eine gemeinsame Wertewelt trifft.

    Für mich persönlich repräsentierte diese Juryarbeit durch und durch das, was Europa im positivsten Sinne ausmacht: Kunst, Kultur, Kulinarik, Freundschaft, Intellektualität, Wahrhaftigkeit, Neugier, Debattenfähigkeit, Wachheit und den Willen, nicht mit Angst in die Zukunft zu gehen.«