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    Nachlese: Buchmesse Frankfurt/M. 2017

    Nachlese: Buchmesse Frankfurt/M. 2017

    »Politisch wie nie«

    Der VS konnte auf der 69. Frankfurter Buchmesse viele Kontakte vertiefen und auf dem gemeinsamen Stand mit dem PEN-Zentrum Deutschland und dem Deutschen Literaturfonds e.V. in Halle 4.1 auch zahlreiche Mitglieder, wie Uwe Timm, der seinen neuesten Roman vorstellte, begrüßen.

    Die Messeverwaltung zählte 286.425 Besucherinnen und Besucher bei der diesjährigen Frankfurter Buchmesse, das entspricht einem Zuwachs von 3 Prozent gegenüber dem Vorjahr. 7.300 Aussteller aus 102 Ländern nahmen in diesem Jahr teil. Insgesamt fanden in der Messewoche rund 4.000 Veranstaltungen statt. Die Messe war laut Messeverwaltung »politisch wie nie«. Mit dem Ehrengast Frankreich stand die europäische Verständigung im Fokus. Themen waren auch der Rechtsruck in den europäischen Ländern und die Entwicklung bei den digitalen Medien, die für Autorinnen und Autoren wie auch für Verlage neue Fragen aufwerfen.

    Auf Podien, ob im Selfpublisherbereich, bei Fragen der wirtschaftlichen Abhängigkeit oder großen Freiheit, oder auch bei rechtspolitischen Panels wie zum Leistungsschutzrecht und zur VG-Wort-Debatte, hat der VS darüber diskutiert, wie die Entwicklungen genutzt, aber auch in vernünftige – und für Schriftstellerinnen und Schriftsteller sowie eine vielfältige Gesellschaft notwendige – Bahnen gelenkt werden können. So war für die Arbeit des VS die Buchmesse effektiv und gewinnbringend.

    VS Fachgruppe Literatur der ver.di G. Loges Uwe Timm  – stellt seinen neuen Roman vor

    Wir trafen uns gemeinsam mit unserem Mitglied Gerlinde Schermer-Rauwolf, der Vizepräsidentin des EWC, mit zwei Autoren- und Autorinnenverbänden aus Norwegen, dem Ehrengast der übernächsten Buchmesse.

    Mit den Vorsitzenden und Präsidentinnen von Schriftstellerverbänden der Schweiz, Österreich, Frankreich, Spanien und Italien wurden schriftlich zukunftsweisende Papiere mit großem Medienecho verabschiedet (siehe folgende Berichte). Dieser Austausch mit europäischen Autorenverbänden, mit denen wir unsere politischen wie literarischen Autoren-Interessen teilen, konnte ebenso fachlich wie auch kulinarisch gepflegt werden – und vertiefte den Dialog mit unseren Verbandsmitgliedern.

    Am Sonntag (15. Oktober 2017) schloss die Messe für den VS mit zwei wichtigen und gut besuchten Podiumsdiskussionen beim Weltempfang, organisiert von LitProm und Auswärtigem Amt: »Die gesellschaftliche und politische Wirksamkeit von Literatur in Umbruchszeiten«, moderiert von Heiner Wittmann, sowie: »Im Lügennetz: Risiken und Nebenwirkungen der digitalen Wort-Märkte« mit dem Vorsitzendes des Deutschen Journalisten Verbands, Frank Überall, und dem Geschäftsführer des Deutschen Kulturrats, Olaf Zimmermann, moderiert von unserem Vorstandsmitglied und frisch gekürter BücherFrau des Jahres 2017, Nina George.

    Gabriele Loges

    • Der VS trifft zwei norwegische Autorenverbände

       In zwei Jahren ist Norwegen Gastland auf der Buchmesse Frankfurt. Am Mittwoch trafen die Bundesvorsitzende Eva Leipprand und EWC-Vizepräsidentin Gerlinde Schermer-Rauwolf zuerst die Vertreter der Sachbuchautorinnen und -autoren: The Norwegian Non-fiction Writers and Translators Association (NFF) / Norsk faglitterær forfatter-og oversetterforening..

       

      VS Fachgruppe Literatur der ver.di G. Loges Norwegische Verbände  – v.l.: Roar Svartberg, Gerlinde Schermer-Rauwolf, Präsident Tore Slaatta, Henrik H. Svensen, Eva Leipprand, Marta Breen, Sverre Gunnar Haga

      Das informative Treffen zeigte, dass die Autoren in Norwegen ganz unterschiedlich organisiert sind. So sind Sachbuch- und Belletristikautoren mit den jeweiligen Übersetzerinnen in verschiedenen Verbänden. Der Sachbuchverband hat rund 5.500 Mitglieder und erhält für diese die Vergütungen der Verwertungsgesellschaft, die den Autoren vor allem in Form von Stipendien zugute kommen. Spannend für uns war die Erkenntnis, dass das norwegische System auf der Solidargemeinschaft basiert und es daher in erster Linie um die Unterstützung der Autoren geht, nicht um nutzungsbezogene Ausschüttungen an die individuellen Autorinnen und Autoren.

      Die Digitalisierung beschäftigt die Norweger in gleicher Weise wie uns.

      Der Verband ist ein von der Politik wahrgenommener Teil der Gesellschaft und hat Mitsprache auch im Bereich Kultur und Erziehung. Es gibt in Norwegen keine Buchpreisbindung (aber eine Art »agreement«), die Autoren sehen es jedoch als großen Vorteil, dass es in Deutschland die Preisbindung gibt. Nonfiction wird in Norwegen anders honoriert als Fiction.

      Einig sind sich die Autorenverbände beider Länder, dass die Vielfalt der Kultur erhalten bleiben muss und dass bezüglich der Autoreninteressen europäische Lösungen angestrebt werden sollten, wobei die gewachsenen unterschiedlichen gesellschaftlichen Strukturen zu achten sind.

      VS Fachgruppe Literatur der ver.di G. Loges Norwegische Verbände  – v.l.: Eva Leipprand, Mette Møller, Gerlinde Schermer-Rauwolf, Präsidentin Heidi Marie Kriznik

      Im Bereich Belletristik trafen Eva Leipprand und Gerlinde Schermer-Rauwolf zwei Vertreterinnen des Verbands »The Norwegian Authors‘ Union / Den norske Forfatte«. Auch der norwegische Belletristik-Verband wird im Rahmen des Gastlandprogramms im Jahr 2019 auf der Buchmesse präsent sein. Die Buchpreisbindung war bei diesem Gespräch ebenso ein wichtiges Thema für die norwegischen Kolleginnen.

      Es wurde vereinbart, auf der Messe 2019 gemeinsame Veranstaltungen für eine breite Öffentlichkeit zu organisieren, bei denen Unterschiede und Gemeinsamkeiten sowohl in sozialpolitischer und kulturpolitischer Hinsicht als auch bei den Literaturen der beiden Länder aufgezeigt werden. Der Auftakt hierfür soll bereits im kommenden Jahr in Berlin gemacht werden.

      GL

    • Deutscher Selfpublisher Preis: Auszeichnung für das beste selbstveröffentlichte Buch

      Der Markt verändert sich, auch Selfpublisher sind Autoren und Autorinnen mit zunehmend qualitativ hochwertigen Büchern. Bis zu 200.000 deutschsprachige Veröffentlichungen erscheinen elektronisch pro Jahr ohne einen Verlag. Der Markt, so Florian Geuppert aus der Jury des Deutschen Selfpublishingpreises, sei enorm gewachsen.

      Zum ersten Mal wurde nun der Deutsche Selfpublishing-Preis für das beste selbstveröffentlichte Buch auf der Frankfurter Buchmesse 2017 verliehen.

      Für den DSPP17 wurden über 1.800 Titel aus den unterschiedlichsten Genres eingereicht. Die Fachjury, zu der neben Karla Paul (Edel Books), Jochen Wegener (ZEIT Online) oder Matthias Matting (Gründer des Selfpublishing Verbands) auch Nina George aus dem Bundesvorstand des VS gehört, zeichnete den Fantasy-Roman »Noras Welten: Durch den Nimbus« von Madeleine Puljic aus.

      VS Fachgruppe Literatur der ver.di G. Loges Preisübergabe  – Nina George und Robert Duchstein (Geschäftsführer der Buchhandlung Reuffel, Koblenz) hielten gemeinsam die Laudatio und nehmen die glückliche Preisträgerin Madeleine Puljic in ihre Mitte.

      Mit ihrem Trilogie-Auftakt »Noras Welten / Durch den Nimbus« über eine Bibliophobikerin auf der Suche nach Heilung ihrer Angst vor Büchern kann sich Puljic über ein Preisgeld von 10.000 Euro freuen.

      »Der Fantasyroman »Noras Welten / Durch den Nimbus« steht für eine überzeugende literarische Grundidee mit Pageturner-Dramaturgie, verfasst in einer sauberen und dichten Schreibe und eingebettet in eine wunderschöne grafische Innengestaltung. Abgerundet wird der Gesamteindruck vom charmanten digitalen Selbstmarketing der Autorin. Damit hat Madeleine Puljic für den folgenden Jahrgang des Deutschen Selfpublishing-Preises einen grandiosen Maßstab gesetzt«, erklärt die Schriftstellerin und VS-Bundesvorstandsmitglied Nina George im Namen der Fachjury und ergänzt: »Ich befürchte, ich bin schockverliebt. Liebe Madeleine: Schreiben Sie bitte schnell weiter, ich will mehr von Ihnen lesen!«

      Den Publikumspreis erhielt die Autorin Monika Pfundmeier für ihren Roman »Blutföhre«.

      Alle Bewertungen sowie die Leseproben zu den beiden Siegertiteln und den acht verbleibenden Shortlist-Nominierungen stehen weiterhin unter http://www.selfpublishing-preis.de/shortlist zur Verfügung.

      GL

    • Präsentation der Déclaration Europäischer Autoren- und Autorinnenverbände AAAE

      »Honorare, Transparenz, Buchpreisbindung«

      Den Forderungen der Autorinnen- und Autorenallianz (AAAE) an die Europäische Kommission und die Mitgliedsstaaten wurde mit einer öffentlichen Veranstaltung mit Pressegespräch am Stand Nachdruck verliehen.

      Die AAAE (Alliance of Authors Associations Europe) ist die Allianz europäischer Organisationen von Autorinnen und Autoren aus Deutschland, Frankreich, Italien und Spanien, gebildet aus Anlass der Frankfurter Buchmesse 2017. Neben dem VS gehören Das Syndikat aus Deutschland, die Verbände CPE, SDGL und SCAM aus Frankreich, FUIS aus Italien und ACE aus Spanien an.

      VS-Bundesvorstandsmitglied und Urheberrechtsbeauftragte Nina George nannte die gemeinsame Erklärung eine »kleine Sensation«. Mit Simone di Conzi (Aufsichtsrat der FUIS) und Pascal Ory (Neugewählter Präsident des CPE) las sie die vier gemeinsamen Kern-Forderungen vor. Die Europäische Kommission und ihre Mitgliedstaaten werden mit der Veröffentlichung aufgefordert:

      • Die Verbesserungen der buchbrancheninternen Verteilung des wirtschaftlichen Erfolges sicherzustellen. Dazu gehören etwa einen Vorschuss für jeden Autoren und Titel, für jede Veröffentlichungsart sowie eine Mindestbeteiligung von 10 Prozent des Nettoverkaufspreises für Hard-Cover-Erstausgaben, von mindestens 20 Prozent des Nettoverkaufserlöses je abgesetztem E-Book und von mindestens 25 Prozent der jeweiligen Nettoerlöse bei allen sonstigen digitalen Nutzungen.
      • Die vollständige Transparenz über Nutzungen, Erlöse und sonstigen Vorteile.
      • Eine stabile Gesetzgebung im Urheberrecht ohne weitere Ausnahmen und Schranken, insbesondere in Fragen des E-Lendings.
      • Den Schutz der Buchpreisbindung für gedruckte und digitalisierte Bücher.

      Die europäischen Verbände betonten: Schreiben ist ein Beruf und kein Hobby. Die soziale Absicherung muss ermöglicht werden.

      Die Déclaration soll ein Ausgangspunkt für Debatten auf europäischer Ebene sein und Signal an die Regierungen der Mitgliedsstaaten. Schriftstellerverbände Europas sind dazu aufgefordert, die Déclaration zu unterstützen.

      Unter Beifall stellte Hervé Romy fest: »Ohne Autorinnen und Autoren gibt es keine Bücher und ohne diese wäre die Kultur arm.«

      Am Messestand stießen die Vertreterinnen und Vertreter anschließend auf das Wohl des gemeinsamen Vorgehens an.

      GL

      VS Fachgruppe Literatur der ver.di G. Loges Präsentation der Déclaration  – v.l.: Hervé Romy, Vorsitzender der SCAM (Société Civile des Auteurs Multimedia), Nina George (VS), Pascal Ory (Präsident des CPE, Conseil Permanent des Écrivains), Eva Leipprand (Vorsitzende VS), Marie Sellier (Präsidentin der SDGL, Société des Gens de Lettres) und Simone di Conza (Federazione Unitaria Italiana Scrittori)


      Weitere Informationen:

    • Die große Freiheit des Schreibens oder Abhängigkeit von Netzmonopolen?

      Die Podiumsdiskussion zum Thema Veränderung in der Verlagslandschaft moderierte Tobias Kiwitt, der Sprecher des BVjA (Bundesverband junger Autoren und Autorinnen). Die sehr gut besuchte Veranstaltung hatte das »Netzwerk Autorenrechte« in Zusammenarbeit mit dem VS organisiert.

      VS Fachgruppe Literatur der ver.di G. Loges Disput: Selfpublishing  – Eva Leipprand, Bundesvorsitzende des VS, Jens J. Kramer, Sprecher des »Das SYNDIKAT«, Lena Falkenhagen, 2. Vorsitzende von PAN (Phantastik-Autoren-Netzwerk) und 2. Vorsitzende des VS Berlin.

      Mit »So einfach wie nie und doch …« eröffnete Tobias Kiwitt die Diskussion. Er wollte von den Experten wissen, inwieweit die derzeitige Entwicklung auf dem digitalen Buchmarkt – einschließlich der Selfpublisher – eine Chance ist oder eventuell für die Autorinnen und Autoren eben doch mehr Gefahr als Nutzen bedeutet. Eva Leipprand betonte, dass man sich im VS grundsätzlich erst einmal den Interessen der Autorinnen und Autoren verpflichtet sieht. Der Wegfall des Verlags als »Gatekeeper«, der die Verantwortung für die Veröffentlichung und Vermarktung hat, verändere die Situation: »Freiheit einerseits und Abhängigkeit von Monopolisten andererseits.« Letzteres sei nicht das, was sie sich für das Verhältnis von Autor und Leser vorstelle.

      »Mitglied im Syndikat kann nur werden, wer ein Buch – sei es analog oder/und digital – in einem kommerziellen Verlag herausgebracht hat«, so Jens Kramer. Bisher halte man an diesem Standard fest. Lena Falkenhagen plädierte für die seit Mitte des Jahres praktizierte Öffnung des PAN für Selfpublisher: »Gute Literatur kommt nicht nur gepresst zwischen zwei Buchdeckeln vor.« Auch Tobias Kiwitt fügte an, dass man für den Bundesverband junger Autoren noch keine Verlagsveröffentlichung brauche. Leipprand unterstrich, dass der VS als ein an die Gewerkschaft angegliederter Verband naturgemäß auf die Interessen der Autoren achtet. »Bislang hat der Verlag einen Teil der Risiken übernommen. Wenn nun der Autor ganz alleine dasteht, bedeutet das eine Neoliberalisierung des Buchmarkts, die so nicht gewollt sein kann.« Jens Kramer warf ein: »Leider haben viele keine Alternative und werden zwangsläufig zum Selfpublisher.«

      Doch der Monopolist mit dem »großen A« sei ja kein Wohltäter: »Was mich am meisten stört, ist die Verengung der Themen.« Die Gefahr, dass lediglich Mainstream veröffentlicht werde, sei groß. Lena Falkenhagen sieht im Selbstpublishing beim »großen A« auch eine große Chance: »Selfpublishing wird bleiben, weil die Leute schreiben können, was sie wollen – im Positiven wie Negativen.« Auch Leipprand erwartet eher eine Entwicklung hin zum Mainstream und betont: »Wir Schriftsteller prägen mit unseren Narrativen die Gesellschaft, das sollte nicht Monopolisten überlassen bleiben.« Die völlige Abhängigkeit von einem Unternehmen hält Kiwitt für sehr bedenklich. Falkenhagen störte sich vor allem an der zu geringen Gewinnbeteiligung. Kramer betonte, das Kulturgut Buch müsse geschützt bleiben.

      Ein Autor aus dem Publikum vermisste den Mittelweg. Er sei Selfpublisher und sehe die Freiheit des Autors bei traditionellen Verlagen nicht. Leipprand sieht durchaus die Chancen des digitalen Publizierens, befürchtet jedoch einen Preisverfall. »Das bedeutet eine kulturelle Veränderung.« Jens Kramer lobte die Verlage, »die mit Leidenschaft Bücher machen« und Leipprand verlangte Regulierung für die wuchernden Freiräume zum Wohl der Gesellschaft.

      Einig war sich das Plenum, dass alle Autoren – ob in Verlagen oder als Selfpublisher – auch im Bereich e-Lending an einem Strang ziehen müssen, um ihren Anteil am Markt zu sichern. Tobias Kiwitt riet allen Schreibenden, sich die Verträge genau anzuschauen und dafür Sorge zu tragen, dass man sich nicht »auf ewig« bindet, sondern aus diesen Verträgen bei Bedarf wieder herauskommt und riet den Zuhörern: »Entwickelt einen kritischen Geist.«

      GL

    • Kalter Kaffee oder Hot Shit – Brauchen Buchverlage ein eigenes Leistungsschutzrecht?

      Podiumsdiskussion

      Die Veranstaltung der DFV Mediengruppe in Kooperation mit dem VS und der Verlagsgruppe RandomHouse diskutierte auf der Frankfurter Buchmesse 2017 kontrovers und lebhaft zum Thema »Leistungsschutzrecht für Buchverleger«. Da der Bundesgerichtshof mit seiner VG-Wort-Entscheidung die pauschale Verlegerbeteiligung aufgehoben hat, ist eine neue Situation entstanden. Aber kann ein »Leistungsschutzrecht für Buchverlage«, oft auch »Verlegerrecht« genannt, die richtige Antwort auf die derzeitige Aufhebung der pauschalen Verlegerbeteiligung sein?
        

      VS Fachgruppe Literatur der ver.di G. Loges Disput: Leistungsschutzrecht  – Rechtsanwalt Nils Rauer, Jakob Meiner (Meiner-Verlag), Nina George (VS Bundesvorstandsmitglied und Verwaltungsratsmitglied der VG Wort), Moderatorin Katharina Winter (Justiziarin S. Fischer Verlag), Reiner Dresen (Justiziar Random House), Torsten Kutschke (Chefredakteur »Kommunikation & Recht«)


      Verlage partizipieren seit dem Urteil des Bundesgerichtshofes nicht mehr ohne weiteres an der Ausschüttung der VG-Wort; nur wenn Autorinnen und Autoren nachträglich das Recht dazu einräumen, was jüngst immerhin über 26.000 Autorinnen und Autoren getan haben. Jedoch fordert die VG Wort für die Jahre bis 2012 insgesamt 87,5 Millionen von Verlagen zurück, die nur unter Vorbehalt gezahlt wurden. Für viele Verlage eine schwierige Situation, einige vermelden bereits Insolvenz, andere versuchen, die Beträge zu stunden – doch der Großteil ist bereits gezahlt, die Ausschüttungen werden bis spätestens bis Ende des Jahres 2017 erwartet.

      Reiner Dresen, Chef-Justiziar bei Random House, zeigt sich verärgert über das Urteil und die derzeitigen Debatten über ein Verlegerrecht: »Es ging immer ohne ein Leistungsschutzrecht, wir haben keines und haben auch keines gewollt oder gebraucht.« Er sei selbstverständlich davon ausgegangen, dass Verlage berechtigt sind. Nachvollziehbar: ohne deren Leistung gäbe es kein zu vervielfältigendes Buch. Auch machte der Gesetzgeber bereits 2008 deutlich, dass die Verlegerbeteiligung in der VG Wort rechtens und gewünscht sei. Jetzt sei aber klar, dass die Verleger ein eigenes Recht versäumt hätten und nun ein eigenes Leistungsschutzrecht bräuchten, so Dresen. Der Verleger Jakob Meiner unterstützt Dresens Position: »Die unabhängigen Verlage sind durch das VG-Wort-Urteil erheblich getroffen.« Für den Verleger ist die Leistung eines Verlages deutlich, ob aber ein LSR jedoch die bessere Lösung sei, sieht Meiner kritisch.

      Nina George sieht das Problem von außen, auch vom Gesetzgeber, an die Autoren und Verleger herangetragen: »Die VG-Wort-Debatte ist eine Stellvertreterdebatte – sie hat den Unmut zu Tage gefördert, der nichts mit der VG Wort zu tun hat, sondern mit der individuellen Unzufriedenheit von Autorinnen und Autoren mit ihren Geschäftspartnern.« Es sei wie in einer langjährigen Ehe zwischen Autor und Verlag. Sie funktioniert grundsätzlich, dennoch heiße es nun: »Schatz, wir müssen dringend reden!« Honorare, Kommunikation, künstlerisches Zusammenwirken: nicht jeder Autor sei zufrieden mit seinem Verlag, und das äußere sich nun oft in hitzigen Debatten, ob Verlage überhaupt etwas an der Vervielfältigungspauschale »verdienten«. Auch wenn es viele gute Partnerschaften gäbe, so dürfe man über die Mängel in der Beziehung und die prekären Einkommensverhältnisse von Autoren nicht hinweg sehen. Ein Leistungsschutzrecht würde für die Schriftstellerin George nur Sinn machen, wenn gleichzeitig im Binnenverhältnis einiges neu verhandelt würde, wie etwa der Normvertrag und seine Honorarklauseln, oder die Beteiligungsformate bei der digitalen Verwertung. Gleichzeitig betont sie, dass die gemeinsame Rechteauswertung in der VG Wort zum Konsens verpflichte und auch für die Zukunft stabilisiere. Ein eigenes Leistungsschutzrecht in einer reinen Verleger-VG würden den Kuchen nicht vergrößern, und es Gegnern der Privatkopienpauschale, wie den Geräteherstellern, Bibliotheken oder Hochschulen, leichter machen, die Etats an die VG Wort zu minimieren und damit mittelbar Autorinnen und Autoren zu schaden.

      Rechtsanwalt Rauer bekräftigt: »Der Zuschnitt des Rechts darf die Autoren und Verlage nicht weiter auseinanderreden. Die Frage ist aber: Brauche ich ein eigenes Leistungsschutzrecht oder reicht das, was sich zurzeit an die Verwertungsgesellschaft richtet?« Rechtsanwalt Rauer plädiert für eine gemeinsame Lösung zwischen Autoren und Verlagen. Justiziar Dresen bleibt in der Debatte bei seiner Forderung nach einem eigenen Leistungsschutzrecht.

      Für Nina George wäre das der Beginn einer Spaltung zwischen Autorin/Autor und Verlag – und die wäre ihrer Meinung nach, bei allen bilateralen Spannungen, nicht hilfreich, um auf der Ebene der Politik und Wirtschaftlichkeit gegen Internet-Monopole und digitale Intermediäre zu bestehen. »Nach innen hin dringende Probleme wie Honorare, Laufzeiten und transparente Auswertung der Nutzungen klären, nach außen gemeinsame Interessen vertreten«, heißt Georges Credo.

      GL

    • Glückwunsch: VS-Vorstandsmitglied Nina George zur BücherFrau des Jahres 2017 gekürt

      VS Fachgruppe Literatur der ver.di G. Loges BücherFrau 2017

      Seit 1996 ehren die BücherFrauen (www.buecherfrauen.de) eine Frau als BücherFrau des Jahres. Der Preis würdigt Frauen innerhalb der Buchbranche mit einem herausragenden Engagement für Frauen. In diesem Jahr erhielt die Schriftstellerin, Aktivistin und VS-Vorstandsmitglied Nina George (44) den Preis. Wir gratulieren!

      Jana Stahl, Zweite Vorsitzende der Bücherfrauen begrüßte die Ausgezeichnete und viele Kolleginnen und Kollegen der Buchbranche, die zur »Leseinsel der Unabhängigen Verlage« von Halle 4 zum Gratulieren gekommen waren.

      Regula Venske, Präsidentin des PEN-Zentrums Deutschland, hielt eine unterhaltsam-literarische Laudatio, die Georges Stärken und ihren Einsatz für Kolleginnen und Kollegen aufzählten. Darin wurde George zur Romanheldin und ist als solche vernetzt, erfolgreich und sympathisch. Die fiktive Agentin rät der Autorin Venske ab: »Die Frau ist zu gut, um wahr zu sein. Die können wir nicht verkaufen.«

      Der minutenlange Beifall machte allerdings deutlich, dass das Publikum die »Heldin“ und ihre Geschichte jederzeit erwerben würde …«.

      Nina George schloss in ihrer Dankesrede mit der Aufforderung an Buchbranche und Autorinnen wie Autoren: »Werden Sie präzise!« Gerne schließen wir uns ihren Sätzen an: »Sparen Sie nichts und niemanden in Ihrer Literatur, in der Vermittlung von Literaturinhalten, aus; hüten Sie sich davor, bequem zu werden. Ihr Auftrag als Büchermenschen lautet nicht: Verkaufe so viel wie möglich und riskiere dabei so wenig wie nötig. Ihr Auftrag lautet: Erzähle Geschichten. Erzähle von der Welt. Von der ganzen Welt. Das Bekenntnis zur Diversität ist das Gegengift zur Angst vor dem Anderen; die genaue Wiedergabe, Rezeption und Vermittlung einer vielfältigen Welt das wesentlichste Instrument gegen Anti-Pluralismus, Rechtspopulismus, Misogynie und Xenophobie. Diversität ist das dringendste gesellschaftliche Konzept, das wir derzeit benötigen.«

      GL

      Laudatio und Dankesrede können auch als pdf-Dateien hier nachgelesen werden. 

    • »Charta der gerechten Vertragsbedingungen«

      »Charta der gerechten Vertragsbedingungen für Autorinnen/Autoren und Literarische Übersetzerinnen/Übersetzer« am 13. Oktober 2017 auf der Buchmesse verabschiedet

      Eva Leipprand (Bundesvorsitzende des VS, nicht auf dem Foto), Nicole Pfister Fetz (Geschäftsführerin, AdS Autorinnen und Autoren der Schweiz, rechts), Jacqueline Aerne (Präsidentin des AdS) und Gerhard Ruiss (Geschäftsführer IG Autoren Autorinnen, Österreich, im Foto links) sowie Tobias Kiwitt (BVjA, Bundesverband junger Autoren, nicht auf dem Foto) und weitere Mitglieder des VS standen bei der Verabschiedung der Charta der gerechten Vertragsbedingungen für Gespräche zur Verfügung.
        

      VS Fachgruppe Literatur der ver.di G. Loges Charta gerechter Verträge  – Pressegespräch


      Bei der Verabschiedung und Präsentation am Stand in der Halle 4.1 auf der Frankfurter Buchmesse 2017 machten die Autorenverbände aus der Schweiz (AdS mit rund 1.000 Mitgliedern), Österreich (IG Autorinnen und Autoren mit rund 3.900 Mitgliedern) und Deutschland (VS mit rund 3.500 Mitgliedern) noch einmal deutlich, wie wichtig ihnen für ihre Autorinnen und Autoren »Grundregeln« sind.

      Alle, die veröffentlichen, sollen wissen, was »gerechte Bedingungen« bedeuten. Sie können sich an der verabschiedeten Charta orientieren. Bestehende Norm- oder Musterverträge sollen dadurch nicht untergraben werden.

      Jacqueline Aerne betont: »In der deutschsprachigen Schweiz gab es bislang keinen Autorenvertrag, deshalb ist für uns das Interesse daran besonders groß. Wir haben keinen Normvertrag, keine Buchpreisbindung, für uns ist es ein erster Schritt in Richtung Mustervertrag.»

      In Österreich, so Gerhard Ruiss, gibt es den Mustervertrag, aber der Wunsch ist, alle am Markt dazu verpflichten, Mindeststandards einzuhalten.

      Eva Leipprand ist überzeugt, dass für den VS die 10 Punkte trotz Normvertrag von Bedeutung sind: »Bei der derzeitigen Goldgräberstimmung auf dem Buchmarkt in Zeiten der Digitalisierung kann die Charta Orientierung geben. Wir haben einfach die Sorge, dass Autoren zu wenig am selbst geschaffenen Produkt teilhaben.«

      Verlage, da sind sich alle einig, werden nicht als Gegner gesehen, sondern als Partner. Die Rechtssicherheit für alle steht dabei im Vordergrund. Es bestehe auch die Gefahr, so Eva Leipprand, dass die »Umsonstkultur« Schule mache. Aerne ergänzt: »Es geht um Haupt- und Nebenrechte, die alle nicht geregelt sind.« Gerade auch bei den Verwertungsgesellschaften sei es wichtig, so Ruiss, dass die Vertragsempfehlungen bekannt sind: »Wir müssen zur Bewusstseinsbildung beitragen!«

      Alle betonen die Notwendigkeit des Austauschs der Verbände untereinander, um das Buch als Kulturgut zu stärken. Der Blick über die Grenze könne helfen, eigene Positionen zu definieren und zu festigen, außerdem seien gemeinsame Ziele international und nicht mehr nur national zu verfolgen. Man wolle sich weiterhin auf europäischer Ebene gemeinsam stark machen, so Nicole Pfister Fetz. Gerhard Ruiss sieht im »gemeinsamen Papier« einen »Leitfaden für die EU-Politiker«.

      Weitere Informationen
      in der VS-Medieninformation vom 13. Oktober 2017 sowie
      auf der VS-Internetseite zur Charta gerechter Vertragsbedingungen.

    Buchmesse Frankfurt/M. 2017

    VS Fachgruppe Literatur der ver.di
    Foto/Grafik: G. Loges

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    Nina George zur BücherFrau des Jahres 2017 gekürt

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