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    Horst Bosetzky ist gestorben

    Horst Bosetzky ist gestorben

    Der Verband deutscher Schriftstellerinnen und Schriftsteller Berlin trauert um Horst Bosetzky.

    VS Fachgruppe Literatur der ver.di Berlin wikimedia Horst Bosetzky


    -ky, wie ihn viele nur nannten, war Mai 2000 bis Juni 2014 Vorsitzender des VS Berlin. Er feierte im Februar 2018 noch seinen 80. Geburtstag. Als Kind aus Neukölln blieb er sein Leben lang Berlin nicht nur literarisch treu.

    Horst Bosetzky begann während des Studiums Kriminalgeschichten zu schreiben und veröffentlichte insgesamt über fünfzig Bücher. Mit seinen Werken prägte er den Begriff des Sozio-Krimis. Er verfasste zahlreiche Hörspiele und Drehbücher; einige seiner Kriminalromane wurden verfilmt. Von 1973 bis 2000 hielt er eine Professur für Soziologie an der Fachhochschule für Verwaltung und Rechtspflege der Stadt Berlin.

    -ky engagierte sich nicht nur im VS. Er war Mitbegründer des »Syndikats«, der Vereinigung deutscher Krimi-Autorinnen und Autoren, in dessen Vorstand er zehn Jahre saß. Er gehörte zu den Gründungsmitgliedern des bundesweiten Autorenkreises Historischer Roman Quo Vadis.

    Neben dem Glauser Ehrenpreis und dem ver.di Literatur-Ehrenpreis erhielt er unter anderem das Bundesverdienstkreuz für seine Verdienste um die Literatur und die Autorinnen/Autoren. Der Vorstand des VS Berlin, vertreten durch die ehemalige Vorsitzende Astrid Vehstedt, ernannte Horst Bosetzky auf dem Neujahrsempfang 2018 zum Ehrenvorsitzenden.

    Die Lücke, die der Verlust von Horst Bosetzky reißt, ist groß.

    Der Vorstand des VS Berlin spricht den Angehörigen sein tief empfundenes Mitgefühl aus.


    Gedanken von Astrid Vehstedt

    Mit großer Betroffenheit lese ich diese traurige Nachricht und möchte hier Auszüge meiner Rede anlässlich seiner Ernennung zum Ehrenvorsitzenden des VS Berlin in Auszügen und leichter Abwandlung wiedergeben:

    »Wie von unsichtbaren Geistern gepeitscht gehen die Sonnenpferde der Zeit mit unseres Schicksals leichtem Wagen durch; und uns bleibt nichts, als, mutig gefasst, die Zügel festzuhalten und bald rechts bald links, vom Steine hier vom Sturze da, die Räder wegzulenken. Wohin es geht wer weiß es, erinnert er sich doch kaum, woher er kam.«
    Johann Wolfgang von Goethe, Egmont 

    Horst Bosetzky hat unseren Verband vierzehn Jahre durch Höhen und Tiefen geleitet und der Literatur wie auch der Soziologie entscheidende Impulse gegeben.

    Er setzte sich wiederholt und intensiv mit dem Thema »Macht« in Organisationen auseinander und prägte den Begriff des »Don-Corleone-Prinzips« (Eine Hand wäscht die andere, in meiner Interpretation: »Eine Krähe wäscht die andere…«). Seine Dissertation »Grundzüge der Soziologie in der Industrieverwaltung« ist nach wie vor ein Standardwerk und im Buchhandel erhältlich.

    Horst Bosetzky war auch ein Pionier in der Entwicklung des modernen Kriminalromans und verband ihn mit soziologischen Themen und Fragestellungen. Durch diese Verbindung hob er sein inhaltliches und literarisches Niveau an und führte ihn aus der Schmuddelecke des Groschenromans heraus. Wolfgang Petersen hat einen seiner Kriminalromane verfilmt (»Einer von uns beiden«) mit Jürgen Prochnow und Klaus Schwarzkopf in den Hauptrollen.

    Darüber hinaus waren Berlin und das pralle Leben der Großstadt, sei es nun der Fußball oder der Öffentliche Nahverkehr immer wieder Thema seiner Romane und Erzählungen.

    -ky war Mitbegründer des Syndikats und hat unvergessliche Berlin-Krimis geschrieben. Als Kriegs- und Nachkriegskind gehörte er noch einer Generation an, die extrem gefährdet war und in Trümmern aufwuchs. Auch deshalb mag Literatur für ihn etwas Existenzielles gehabt haben.

    Gleichermaßen gehörte er aber auch eine Generation ab, die für Aufbruch und Neugestaltung stand.

    Lieber -ky:
    Du wirst uns als zugewandter, überaus kollegialer und humorvoller Mensch in Erinnerung bleiben, der die unter Künstlern und Literatinnen/Literaten eher seltene Eigenschaft hatte, sich selbst nicht in den Vordergrund zu spielen. Wir werden Dich sehr vermissen, Deine unermüdliche Freundlichkeit auch in Phasen, in denen es Dir nicht gut ging und wir werden Dein Andenken wahren.

    Astrid Vehstedt
    18. September 2018

    Ehrenvorsitzender des VS Berlin

    VS Fachgruppe Literatur der ver.di Berlin
    Foto/Grafik: A. Köhn

    Übergabe der Urkunde
    zum Neujahrsempfang 2018 des VS Berlin