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    Olav Münzberg

    Olav Münzberg

    Wir trauern um Olav Münzberg,
    der am 21. April 2020 in Berlin verstarb.

    Von 1989 bis 1993 war er Vorsitzender des VS Berlin. In seine Amtszeit fielen der Mauerfall und die Vereinigung des Berliner VS Ost und West. Eine große Herausforderung.

    Prof. Dr. Olav Münzberg war Kulturwissenschaftler, Kunsthistoriker, Lyriker, Erzähler, Dramaturg, Essayist und Verleger.

    VS Fachgruppe Literatur der ver.di Berlin Transform Schauspielschule Olav Münzberg  – 2006

    1938 in Gleiwitz geboren und aufgewachsen in Unterfranken, lebte er seit 1962 in Berlin (West). Die frühen Kindheitserfahrungen von Flucht und Vertreibung mündeten später in seinem Dialog mit Polen und Osteuropa, der wiederum in Polen gewürdigt wurde, zuletzt in einer Sonderbeilage des »Kurier Szczecinski« vom November 2018.

    Olav Münzberg studierte zunächst Rechtswissenschaft (1. und 2. juristisches Staatsexamen) und später Religions-, Philosophie-, Kunstwissenschaft und Germanistik an der Freien Universität Berlin (FU). Von 1969 bis 1970 war er Assistent am Philosophischen Seminar und Tutor an der Philosophischen Fakultät. Er promovierte 1972 im Fachbereich Philosophie und Sozialwissenschaften der Freien Universität Berlin (FU). Von 1972 bis 1977 war er wissenschaftlicher Assistent am Institut für Religionswissenschaften. Von 1980-1985 Gastprofessor an der Hochschule der Künste (HdK) Berlin. 1991 Ernennung zum Honorarprofessor für das Fach »Kunst und Kulturwissenschaften« an der Hochschule der Künste Berlin (HdK), später Universität der Künste (UdK).

    Seit 1984 freiberuflicher Schriftsteller, Kunst- und Kulturwissenschaftler, war er von 1985 bis1989 Vorsitzender der »Neuen Gesellschaft für Literatur Berlin« (NGL), zugleich delegierter Vertreter des VS in der NGL bis er, wie eingangs schon erwähnt, zum VS-Vorsitzenden gewählt wurde. Mit der NGL organisierte er u.a. die »Berliner Autorentage« für VS Mitglieder und gleichermaßen für Autorinnen und Autoren, die nicht dem VS angehörten. Er war auch Mitglied des Kuratoriums und später des Vorstandes des Literaturhauses Berlin, dessen Mitbegründer er war.

    Von 1974 bis 1992 arbeitete er bei der Kulturzeitschrift »Ästhetik und Kommunikation«, die für ihn einen besonders wichtigen Teil seines Schaffens darstellte. Von 1996 bis 2000 arbeitete er als Redakteur bei »WIR«, der polnisch-deutschen Literaturzeitschrift und schrieb auch für die »Frankfurter Hefte«.

    Als Vorsitzender der Internationalen Theater Werkstatt Berlin (ITW) leitete er seit 2002 gemeinsam mit Prof. Janina Szarek die TRANSform Schauspielschule, später dann die deutsch-polnische Bühne Teatr Studio »Tadeusz-Rózewicz-Bühne-Berlin« am Salzufer.

    Olav Münzberg war ein umfassend gebildeter und aktiver Mensch, und seine Publikationsliste umfasst mehrere Seiten. Hier seien nur einige, wenige genannt: Rezeptivität und Spontaneität: Die Frage nach dem ästhetischen Subjekt – Kant, Schiller, Hegel, Benjamin, Brecht, Heidegger und Adorno, Frankfurt 1974; Jose Clemente Orozco 1883-1949, Berlin 1981; Im Jahre 2 des Heisei – Gefühle über eine lang zurückliegende Reise in Japan – Gedichte – Epigramme – Haikus, Berlin 2013.

    Für die künstlerische Tätigkeit wurden Teatr Studio am Salzufer »Tadeusz Rozewicz Bühne« und seine Leitung mit mehreren Preisen ausgezeichnet. Für seine engagierte Kulturtätigkeit für das Bezirk Charlottenburg wurde Professor Münzberg auch mit der Bürgermedaille geehrt.

    Für seine umfassende Tätigkeit und für seine Verdienste für den VS sei an ihn gedacht und ihm von Herzen gedankt.

    Astrid Vehstedt
    Vorsitzende des VS Berlin 2014-2018