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    VS Brandenburg: Halbzeit

    VS Brandenburg: Halbzeit

    von Thomas Bruhn

    Das Beste an den meisten Texten, die wir auf unserer Lesereise vortrugen, ist,
    dass sie nichts damit zu tun haben, weil sie davor entstanden sind.

    VS Fachgruppe Literatur der ver.di Brandenburg VS Lesereise  – v.l.n.r.: Wenzel Benn, Thomas Bruhn, Carmen Winter und Jana Franke

    Welche Lesereise? Der Verband Brandenburgischer Schriftstellerinnen und Schriftsteller in ver.di feierte im März seinen dreißigsten Geburtstag. Was schenken sich Autoren zu einem runden Geburtstag? Ein Buch. Und weil wir aus Kindertagen wissen, dass selbstgebastelte Geschenke die sind, die am sichersten ins Herz treffen, schrieben die Kollegen sich das Buch gleich selbst. Das Motto lautete: Dreißig Jahre – dreißig Autoren – dreißig Zeilen. Es würden kurze Texte sein, es sollte ein schmaler Band werden, einer, den man getrost in der Jackentasche beherbergen kann, um ihn gelegentlich hervorzuholen, darin zu lesen, daraus vorzulesen oder zu zitieren oder um die wunderbaren Grafiken zu betrachten, die befreundete Künstler beisteuerten.

    Lange bevor das Buch Ende Mai auf dem Gabentisch lag, hatten wir uns vorgenommen, über Land zu reisen, und überall dort zu lesen, wo uns wer sein Ohr lieh.

    Nun reicht es nicht zu wollen, man muss auch können. Das dachte sich, als schrittweise Lockerungsübungen für Kunst und Kultur verordnet wurden, auch Frau Grütters. Sie rief den Neustart Kultur ins Leben und stattete das Programm finanziell großzügig aus. Unser Antrag wurde positiv beschieden, mit einem Mal passte alles, wir konnten loslegen.

    Zur Premiere des Buches im Kleistmuseum in Frankfurt (Oder) – nach über einem Jahr Bühnenabstinenz – tröpfelte so manches Tränchen der Rührung, ein Vorgang, der sich auf mancher Veranstaltung wiederholte. Von den geplanten einundzwanzig Lesungen ist die Hälfte absolviert und eine Zwischenbilanz bietet sich an: Jede einzelne Lesung offenbarte, wie sehr wir uns vermisst hatten. Wir – Leser und Schriftsteller – fehlten uns, so wie alle Künstler ihrem Publikum fehlten, so wie jedem Künstler das Publikum fehlte. Es klingt, als beträfe das nur jene, die auf den Brettern, die das Geld bedeuten, stehen. Ich behaupte, dass selbst ein Maler in seinem Atelier gespürt hat, dass seine Bilder in Ausstellungen und Galerien, die Blicke der Besucher entbehrten.

    Der vollständige Bericht

    von Thomas Bruhn kann auf der Internetseite der ver.di Berlin/Brandenburg gelesen werden.

     

    Hier ist herrlich arbeiten

    Begegnungen mit Schriftstellerinnen und Schriftstellern aus Brandenburg
    Herausgegeben von Rita König, Klaus Körner und Carmen Winter
    ca. 120 Seiten, 18 Euro
    Verlag für Berlin-Brandenburg, Mai 2021
    ISBN: 978-3-96982-007-0