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    Sensible Lesart

    Sensible Lesart

    Glückwunsch! Till Sailer zum 75. Geburtstag

    VS Fachgruppe Literatur Brandenburg Ch.v.Polentz | transitfoto.de Till Sailer

    Ihn interessiert das Außergewöhnliche eines Menschen. Er, dessen musikalische und literarische Begabungen früh gefördert wurden, studierte Musik, war Rundfunkredakteur, Hörspielautor, Absolvent des Literaturinstituts Leipzig und wurde schließlich Schriftsteller.

    Lebenswege berühmter Komponisten und Dichter machte er, zunächst im Hörspiel, in Erzählungen und Romanen für junge Leser, später auch für Erwachsene nacherlebbar. Historische Figuren wie Händel, Bach, Mozart, Chopin und andere werden in seiner sensiblen Lesart zu sinnlich-widersprüchlichen Menschen.

    Das Grundthema ist hochaktuell: Wie lebt ein Künstler in einer Gesellschaft, die nicht immer auf seine Begabung vorbereitet ist, in der Mächtige und Gegenspieler die Kunst für sich instrumentalisieren? Eine sich jederzeit stellende emanzipatorische Frage. Sailer schaut auf zwei Systeme zurück. Die DDR setzte enge ideologische Maßstäbe. Die Bundesrepublik hingegen beengt mit wirtschaftlichen Zwängen.

    Anfang der 1990er Jahre beteiligte er sich an der Geschichtskommission, die, vom VS ins Leben gerufen, die unterschiedlichen Erfahrungen von Schriftstellern in Ost und West aufarbeitete. 1993 veröffentlichte er eine Studie zur Situation der Brandenburger Schriftsteller nach der Wende.

    Till Sailer war seit 1981 Mitglied des Schriftstellerverbandes der DDR, seit 1990 im VS aktiv. Gewerkschaftsarbeit, sagt er, sei etwas, das man im Blut habe oder eben nicht. Er hat es. Er war von 1997 bis 2001 Mitglied im Bundesvorstand und arbeitet seither im Vorstand des Brandenburger VS für die Stärkung des literarischen Lebens. Er pflegt Vernetzungen, so zum Lübecker Autorenkreis. Ein Produkt dieser Zusammenarbeit ist die Anthologie »Grenzfälle«. In ihr findet sich auch eine autobiografische Erzählung Sailers – ein spannender Einblick in sein derzeitiges Projekt. Daneben ist er Mitgestalter der Veranstaltungsreihe »Wider das Vergessen«, in der des Wirkens brandenburgischer Schriftsteller gedacht wird.

    Erzählt Sailer von seinem Leben, dann würdigt er zugleich Menschen, die ihm halfen. Er nennt Freunde wie Dieter Lattmann und Richard Pietraß und erinnert sich mit Wärme an Louis Fürnberg.

    Am 21. April wurde Till Sailer 75 Jahre alt. Neben den biografischen Texten schrieb er Hörspiele, Radio-Texte, Filmszenarien und wurde mit Preisen geehrt. Zuletzt erschien 2016 im Trafo-Verlag »So groß die Last – Zwölf Kapitel Paul Gerhardt«, ein Roman.

    Alles Gute, lieber Till Sailer.

    JANA WEINERT

    Aus: SPRACHROHR 3/2017