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    Ausdauer ist besser

    Ausdauer ist besser

    VS-Mitgliederversammlung Brandenburg: Ergebnisse machen Mut

    »Courage ist gut, aber Ausdauer ist besser«, schrieb Fontane im Stechlin. Dass ein Zitat von ihm als Begrüßung zur Jahresversammlung des brandenburgischen VS Mitte November passte, erfreute Carmen Winter sehr. Wobei, und das unterstrich die VS-Vorsitzende nachdrücklich, es sowohl Ausdauer als auch Courage vieler Mitstreiterinnen und Mitstreiter – vor allem sei Ulrike Liedtke genannt – zu verdanken ist, dass der Landtag 2017 einen Beschluss zur Förderung der Literatur gefasst hat.

    Es dauerte weitere zwei Jahre, bis ein Literaturrat aus der Taufe gehoben werden konnte. Dem Rat, dem literarische Gesellschaften, Museen, Vereine und Einzelpersonen angehören, wird es Anliegen sein, Autorinnen und Autoren, Veranstalter sowie literarische Projekte im Lande zu unterstützen und zu fördern.

    Die zweite gute Ausdauer-Nachricht: Mit Hilfe von ver.di und dem Ministerium für Wissenschaft, Forschung und Kultur in Potsdam konnte eine veritable Anthologie herausgegeben werden. Sie trägt den Titel »Zwischen Kiefern und Kasernen«. Am Anfang stand die Frage, was Autoren von heute zum Thema Fontane zu sagen haben, welche Reflexe sie aus seinen Werken erlesen und erspüren. Den Herausgebern Klaus und Matthias Körner ist eine Anthologie gelungen, die vielgestaltig daherkommt und kurzweiliges Lesevergnügen bietet.

    Zur erfolgreichen Arbeit des Verbandes gehören die seit 2016 in Blossin stattfindenden Treffen brandenburgischer und Berliner Kollegen. Diese dienen sowohl dem gegenseitigen Kennenlernen als auch dem Erfahrungsaustausch. Das Programm für den März 2020 ist fast fertig: Es steht unter anderem ein Besuch des Sender- und Funktechnikmuseum Königs Wusterhausen und ein Vortrag über Günter Eich auf dem Plan. Natürlich gibt es auch eine öffentliche Lesung.

    VS Fachgruppe Literatur der ver.di Brandenburg Uta Jacob Über Jules Verne und anderes  – Carmen Winter diskutiert mit Andreas Fehrmann .

    Trotz dieser Erfolge sind weiterhin Ausdauer und Courage gefordert. Im neuen Koalitionsvertrag der Potsdamer Regierung kommen die Worte Schriftsteller und Literatur nicht vor; die Kunst nur als Adjektiv in Zusammensetzung mit Intelligenz: künstliche Intelligenz. Ein Schelm, wer Arges dabei denkt. Es wird auch fürderhin ein weites Feld sein, die nicht vor Kunstaffinität strotzende Landesregierung samt dem Landtag von der Nützlichkeit und der Notwendigkeit der Künste aller Sparten zu überzeugen. Dabei könnte es so einfach sein.

    Traditionell findet im Anschluss an die Mitgliederversammlung eine Lesung statt. Dabei wird an nicht mehr unter uns weilende Autorinnen und Autoren erinnert. In diesem Jahr wäre Helmut Routschek, besser bekannt als Alexander Kröger, fünfundachtzig Jahre alt geworden. Dies nahmen die Kollegen zum Anlass, aus seinen Werken vorzutragen. Die Lesung in der Stadt- und Regionalbibliothek Cottbus erwies sich als Heimspiel, der Raum konnte die Besucher kaum fassen. Die Gäste hörten einen Text aus dem Hauptwerk des Autors, der wissenschaftlich-phantastischen Literatur, einen weiteren aus dem Umfeld seiner Tätigkeit als Markscheider in der Braunkohle sowie einige Anekdoten aus dem »Sudelfaß«, seiner von der «Firma« angelegten Akte.
    Auf wunderbare Art weiteten die Stücke, die Jaspar Libuda auf dem Kontrabass spielte, die Einsicht und die Aussicht.
    Mit Andreas Fehrmann, einem Freund und Kollegen, sprach Carmen Winter unter anderem über die gemeinsame Begeisterung für Jules Verne.

    Wer mit Fonty einsteigt, sollte ihm auch das letzte Wort lassen: Die Ergebnisse der Arbeit der letzten Jahre machen Mut, und so werden es die Schriftsteller auch künftig »rechts und links und in der Mitte versuchen«.

    Thomas Bruhn

    Aus SPRACHROHR 4/2019

    Fachbereich Medien, Kunst und Industrie Berlin-Brandenburg
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