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    Hier ist freudig feiern

    Hier ist freudig feiern

    30 Jahre VS Brandenburg – Geburtstagsfeier am 29. Juli 2021 in Potsdam

    VS Fachgruppe Literatur der ver.di Brandenburg HBN Carmen Winter  – begrüßt die Teilnehmerinnen und Teilnehmer im Seminaris-Hotel in Potsdam.
    VS Fachgruppe Literatur der ver.di Brandenburg HBN Prof. Ulrike Liedtke,  – Präsidentin des Landtages Brandenburg, gratuliert dem VS zum Jubiläum und zu seiner erfolgreichen Arbeit.

    Mit »Manha de Carnaval« (Karnevalsmorgen), einem für den brasilianischen Filmklassiker »Orfeu Negro« von Luiz Bonfa und Antonio Maria komponierter Bossa Nova eröffneten Reglindis Rauca und Christian Pross heiter-stimmungsvoll die Geburtstagsfeier des VS Brandenburg am 29. Juli 2021 im »Seminaris-Hotel« in Potsdam.

    Eigentlich hätte die Feier schon im März des Jahres stattfinden sollen, denn am 31. März 1991 hatten 48 Teilnehmende auf einer Versammlung in Potsdam den brandenburgischen Landesverband des VS begründet. Carmen Winter, die amtierende Landesvorsitzende, freute sich, die Mitglieder des Verbandes, sowie ehemalige Vorsitzende und Gäste begrüßen zu können. Anwesend waren der 1991 gewählte 1. Vorsitzende, Dietrich Hohmann, sowie seine Nachfolgerin Ingrid Protze.

    Die Landtagespräsidentin Prof. Ulrike Liedtke gratulierte dem VS zum Geburtstag und lobte seine erfolgreiche Arbeit. Ein weiteres Grußwort für ver.di sprach Susanne Stumpenhusen, die jahrelang mit großer Freude gemeinsam mit anderen in der Jury des Literaturpreises zusammengearbeitet hatte.

    VS Fachgruppe Literatur der ver.di Brandenburg HBN Till Sailer  – berichtet aus der Gründungsphase des VS.

    Till Sailer, der erste Stellvertretende Vorsitzende des VS Brandenburg, erinnerte an die schwierigen Anfänge des Landesverbandes nach 1990. Damals gab es die ersten gemeinsamen Treffen Brandenburger Autorinnen und Autoren. Die Gründung eines selbständigen Landesverbandes, innerhalb des DDR-Verbandes wurde vereinbart. Im Herbst 1990 warben Mitglieder des VS (Verband deutscher Schriftsteller in der IG Medien) auch bei den Autorinnen und Autoren Brandenburgs um ihren Beitritt; annähernd 70 wurden Einzelmitglied. Deutlich wurde dann, dass im Einigungsvertrag für die neu gebildeten Bundesländer die soziale Frage der Autorinnen und Autoren »ausgespart geblieben war«. Die VG Wort schaffte mit einem Sonderfonds erste Abhilfe. 

    Über einen weitergehenden, grundlegenden Schritt berichtete Till Sailer: »Einen wesentlichen Vorstoß unternahm die IG Medien auf ihrem Gewerkschaftstag vom Oktober 1990 in Stuttgart. Uwe Friesel, als VS-Vorsitzender, brachte dort einen Initiativantrag zur Abstimmung, der mit großer Mehrheit von den Delegierten angenommen wurde. Der Antrag »Zur Verbesserung der Lage selbstständiger Künstlerinnen/Künstler und Publizistinnen/Publizisten auf dem Gebiet der ehemaligen DDR« forderte vom Gesetzgeber »die Schaffung von Voraussetzungen dafür, daß selbständige Künstlerinnen oder Künstler und Publizistinnen oder Publizisten Leistungen aus dem Recht der Arbeitsförderung beziehen können.« Er forderte »zumindest für einen Übergangszeitraum von fünf Jahren die Einbeziehung der selbständigen Künstler in die Arbeitslosenversicherung« und »Anerkennung der vor dem 1.Juli 1990 liegenden Zeiten sozialversicherungspflichtiger selbständiger Tätigkeit auf den Gebieten Kunst und Publizistik zur Erfüllung der Anspruchsvoraussetzungen des Arbeitsförderungsgesetzes.« Aus diesem Initiativantrag entstand eine Gesetzesvorlage und nach dem mühevollen Gang durch die Instanzen wurde tatsächlich im Juni 1991 das »Gesetzt zur Änderung arbeitsförderungsrechtlicher und anderer sozialrechtlicher Vorschriften« vom Bundestag verabschiedet.«

    VS Fachgruppe Literatur der ver.di Brandenburg HBN Carmen Winter  – Vorsitzende des VS Brandenburg

    Wie entscheidend auch heute noch der Einsatz nicht nur für politische Fragen, sondern auch für weitere sozialrechtliche Belange ist, verdeutlichte Carmen Winter in ihrer Rede. Zur Geburtstagsfeier eingeladen war auch die Kulturministerin des Landes Brandenburg, Dr. Manja Schüle. Leider war sie kurzfristig verhindert und konnte nicht teilnehmen. Der Ministerpräsident des Landes, Dietmar Woike, hatte der Vorsitzenden in einem Brief sehr herzlich zum Jubiläum des Verbandes gratuliert und die erfolgreiche Arbeit des Landesverbandes nachdrücklich anerkannt. Die jüngste Anthologie des Landesverbandes »Hier ist herrlich arbeiten« hat er als »eine Liebeserklärung an Brandenburg« bezeichnet und hob hervor: »Und wenn ich an all die märkischen Dichterinnen und Dichter aus Vergangenheit und Gegenwart denke, dann kann ich nur sagen: Es sind besondere, beeindruckende und berührende Gedichte, Romane, Erzählungen, die aus diesem „herrlich arbeiten" entstanden sind und immer wieder entstehen.«

    Jedoch, zu tun ist in der Zukunft noch einiges. Viel leistet hier der Brandenburgische Literaturrat, bei dessen Geschäftsstelle die Vorsitzende sich nachdrücklich bedankte. Aber auch er selbst bedarf weiterer Förderung und einer erweiterten finanziellen Unterstützung.

    Hier einige dringende für die Zukunft anstehende Themen und Wünsche:

    • eine Weiterführung der Stipendienprogramme auch nach Corona wie 2021;
    • ein Literaturhaus als Ort der Begegnung für Autorinnen und Autoren untereinander und mit ihren Leserinnen und Lesern, mit einem Arbeitsort (Schreiberwohnung) und mit Platz für ein Archiv für die Nachlässe Brandenburger Autorinnen und Autoren sowie Raum für Fortbildungen; 
    • eine Wiederbelebung des Umwelt-Literaturpreises des Landes Brandenburg. Gerade jetzt wäre ein solcher Preis ein wichtiges Signal; 
    • alle Bibliotheken sollten so ausgestattet werden, dass sie Lesungen mit Brandenburger Autorinnen oder Autoren finanzieren können; 
    • mehr regionale Kulturkonferenzen wie die in Beeskow, um die Vernetzung mit anderen Kunstsparten (z.B. Theater) zu unterstützen; 
    • Finanzierung von interdisziplinärer Arbeit, z.B.: Honorare auch für Musikerinnen oder Musiker, wenn Autorinnen/Autoren und Musikerinnen/Musiker mit gemeinsamen Programmen (Lesekonzerte) auftreten; 
    • die Wiederherstellung der Quotenregelung bei den Wiepersdorfer Stipendien. In Wiepersdorf müssen Autorinnen und Autoren aus dem Land Brandenburg regelmäßig arbeiten können! 

    Ein besonderes Kapitel ist die Präsenz und Vertretung der Schriftstellerinnen und Schriftsteller in den Medien. Hier braucht es wieder einen Platz im rbb-Rundfunkrat Berlin-Brandenburg oder eine andere Möglichkeit, auf das Programm Einfluss zu nehmen, in dem viel zu selten relevante Literatur aus Brandenburg eine Rolle spielt. Kein Wunder, dass die Anwesenden allen Wünschen mit freudigem Beifall zustimmten. 

    Bevor es zum genussvoll-gemütlichen Teil und persönlichen Gesprächen überging, trugen Reglindis Rauca und Christian Pross noch mit weiteren musikalischen Beiträgen, zu denen auch jüdische Lieder wie ein vertontes Gedicht von Abraham Sutzkever gehörten, zur gelungenen Geburtstagsfeier bei.

    Heinrich Bleicher