Nachrichten

    Bestürzung über das Verhalten des WDR-Intendanten

    Bestürzung über das Verhalten des WDR-Intendanten

    Schreiben des Bundesvorstandes des VS vom 3. Januar 2020 an den Rundfunkrat des WDR


    Sehr geehrte Damen und Herren,

    der Verband deutscher Schriftstellerinnen und Schriftsteller ist die größte gewerkschaftliche Organisation von Autorinnen und Autoren in Deutschland. Er vertritt die Interessen seiner Mitglieder in vielfältiger Hinsicht. Die Freiheit des Wortes, eine klare ablehnende Haltung gegen Hass und Hetze gehören integral zu dieser Vertretung.

    Wir sind bestürzt über das Verhalten des WDR-Intendanten und designierten ARD-Vorsitzenden, Tom Buhrow, im Zusammenhang mit der Ausstrahlung des vom Kinderchor des WDR gesungenen Liedes »Meine Oma ist eine Umweltsau« und den Reaktionen darauf und bitten den Rundfunkrat, sich vom Zurückweichen des Intendanten vor rechtsextremer Agitation zu distanzieren. Der Schutz der Pressefreiheit und Kunstfreiheit, zu der auch Satire und Spott gehören, ist für unsere demokratische Gesellschaft wichtiger und wiegt schwerer als die Empörung rechtsgesinnter gesellschaftlicher Kreise.

    Nach unserer Auffassung hat Tom Buhrow mit der Löschung des Videos aus der Mediathek und seiner Entschuldigung die Brandmauer gegen rechtsradikale Agitation eingerissen. Sein Verhalten erweckt den Eindruck, als könne die Politik und eine lautstarke politische Minderheit Einfluss auf das Programm unserer öffentlich-rechtlichen Rundfunk- und Fernsehanstalten nehmen. Die Situation ist auch durch das Interview Buhrows im Mittagsmagazin von WDR 2 nicht zufriedenstellend geklärt worden.

    Wir entnehmen der Frankfurter Rundschau vom 30. Dezember, online-Ausgabe, dass Tom Buhrow geäußert habe »Satire habe ihren Platz und sei dazu da, Mächtige aufs Korn zu nehmen, aber nicht, um eine Generation pauschal vor den Kopf zu stoßen und die Gefühle von Menschen zu verletzen.« Buhrow habe allerdings auch kritisiert »... dass von einigen die Diskussion instrumentalisiert werde und Mitarbeiter des Senders Morddrohungen erhielten. Das zeige, dass etwas im Land „richtig krank“ sei. Alle müssten zu einer gesellschaftlichen Veränderung beitragen«.

    Die Krankheit war bekannt. Von einem Intendanten eines öffentlich-rechtlichen Senders erwarten wir, dass er und sein Haus in den letzten vier oder fünf Jahren eine Strategie im Umgang mit Shitstorms und rechtsradikaler Agitation entwickelt hat und vorhersieht, welches Verhalten zu welchen Reaktionen führt. Und wir erwarten auch, dass er sich vor seine Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter stellt, statt sie, wie jetzt geschehen, persönlichen Angriffen bis hin zu Morddrohungen auszusetzen, indem er sich öffentlich vom eigenen Programm distanziert.

    Es ist leider nicht das erste Mal, das der WDR unter der Intendanz von Tom Buhrow rechtsradikalen Kräften nachgibt. Schon im August 2018 hatte der Sender in der Mediathek den in der Live-Sendung noch auftretenden Carlo Graf Bülow aus der Konserve geschnitten, weil dieser mit einem »Barista, Barista Antifaschista«-T-Shirt auftrat.

    Wir sind irritiert. Deshalb hoffen wir auf klar abgrenzende Worte des Rundfunkrats gegen das Verhalten des Intendanten.

    Hochachtungsvoll

    gez. Leander Sukov
    Stellvertretender Bundesvorsitzender für den Bundesvorstand

    Der Brief des VS ...

    VS Fachgruppe Litreratur der ver.di
    © VS

    ... vom 3. Januar 2020
    kann als pdf-Datei hier geladen: