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    Gerechtigkeit, Meinungsfreiheit und Toleranz

    Gerechtigkeit, Meinungsfreiheit und Toleranz

    Mit dem Tod von Josef Reding am 10. Januar 2020 verlieren das Ruhrgebiet und Nordrhein-Westfalen einen der bedeutendsten Schriftsteller. Für viele Menschen war er ein Vorbild, nicht nur für Autoren und Autorinnen.

    VS Fachgruppe Literatur der ver.di NRW privat Josef Reding

    Josef Reding wurde am 20. März 1929 in Castrop-Rauxel geboren. Nach dem Abitur und einigen Jahren als Betonarbeiter studierte er Germanistik, Anglistik, Psychologie und Kunstgeschichte in Deutschland und in den USA. Seine schriftstellerische Karriere begann mit dem Verfassen von Kurzgeschichten.

    Seit seinem USA-Aufenthalt in den 50er Jahren wurde sein Werk stark geprägt von der klassischen amerikanischen Short Story. Für ihn waren das Fingerübungen, aus denen sich eine souveräne Beherrschung des Metiers entwickelte. In einer großen Zahl von Texten setzte er sich von einem christlichen Standpunkt aus mit sozialen Fragen auseinander. Mit dieser Einstellung verfasste er Kinderbücher, Hörspiele, Kurzgeschichten, Erzählungen, Gedichte, Portraits, Satiren und auch Reportagen und Drehbücher.

    Seine Texte waren auf den Adressaten zugeschrieben, sie wendeten sich vornehmlich an junge Menschen. Ihnen wollte er die Situation seiner Klientel nahe bringen, denn seine stets wache Sensibilität ließ ihn schnell Ungerechtigkeiten in seinem Blickfeld erfassen. Er schrieb und sprach für alle, die ihre Probleme und Ängste selbst nicht auszudrücken in der Lage waren, die Ausgegrenzten, Hungernden, Aussätzigen, Unterdrückten, Fliehenden und schlecht behandelten Minderheiten.

    Schreibimpulse empfing Josef Reding aus seiner heimatlichen Region, dem seit seiner Kindheit vertrauten Ruhrgebiet ebenso wie von vielen Reisen in fremden Ländern, der sogenannten »Dritten Welt«. Seine literarische Arbeit wurde mit vielen Preisen und Auszeichnungen gewürdigt.

    Josef Reding war Gründungsmitglied der Dortmunder »Gruppe 61«. Als einer der ersten gehörte er unserem Verband an und war von 1971 bis 1978 der Vorsitzende in Nordrhein-Westfalen; außerdem war er von 1976 bis 1980 Mitglied des Bundesvorstandes.

    Wie kaum jemand sonst kannte er sich aus im Literaturbetrieb. Nicht wenige Kolleginnen und Kollegen verdanken Josef Reding aufmunternde Briefe und Gespräche, geduldiges Zuhören, Kontakte zu literarischen Institutionen, Hilfen in jeder Form. Er benutzte oft die heute vielbeschworenen Worte Gerechtigkeit, Meinungsfreiheit und Toleranz. Er hat sie auf seine Weise mit Leben gefüllt.

    Volker W. Degener