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    Blossin – digital und analog

    Blossin – digital und analog

    Berlin-Brandenburger Treffen des VS
    im März 2019 mit Textwerkstatt und Drachenboot

    Das Treffen Berliner und Brandenburger Schriftstellerinnen und Schriftsteller in Blossin, absichtsvoll auf das Wochenende vor der Leipziger Buchmesse gelegt, näherte sich dem Thema: »Wie das Digitale die Arbeitswelt des Autors verändert«. Der Berliner Vorstand, der diesmal verantwortlich für die Inhalte zeichnete, traf mit dieser Wahl in Schwarze – es gab so viele Anfragen, dass erstmals nicht alle Wünsche auf Teilnahme berücksichtigt werden konnten.

    Zwei Neuerungen gab es: Eine öffentliche Lesung und eine Textwerkstatt. Die Lesung war nicht gut besucht, was daran gelegen haben mag, dass am Vortag eine große Veranstaltung zu Fontane in Königs Wusterhausen stattfand, und es schwierig ist, an zwei Tagen Publikum zu locken. Die Lesenden und die Leiterin der Bibliothek aber waren sich einig, die Lesung als ersten Schritt zu werten und im nächsten Jahr einen neuen Anlauf zu wagen.

    VS Fachgruppe Literatur der ver.di Berlin/Brandenburg Hennig Kreitel Werkstatt und Gespräche drinnen und draußen  – Blossiner Schriftstellertreffen wird Tradition

    Die Textwerkstatt wird einen festen Platz im Programm finden. Für viele Autorinnen und Autoren, die einsam am Schreitisch bosseln, ist das fachgerechte Sprechen über Texte eine Prüfung, Inspiration und Bereicherung des Schreibprozesses zugleich. Die Sicht von außen erweist sich als hilfreich.

    Weder war es Zufall noch geplant, dass sich Blossin nahtlos an die Diskussionen und Beschlüsse des Bundeskongresses in Aschaffenburg im Februar anschloss, das Thema liegt nun einmal in der Luft, und die rasante technische Entwicklung verlangt nach ständiger Qualifikation, Neuorientierung und Auseinandersetzung.

    Lena Falkenhagen und Cally Stronk führten durch das Programm und moderierten die Diskussionsrunden. Zwei Schwerpunkte zeichneten sich ab:
    Erstens die Frage, was künstliche Intelligenz ist, was sie kann und wo ihre Grenzen sind. In dieses Thema führte Dr. Isabella Hermann von der Berlin-Brandenburgischen Akademie der Wissenschaften ein.
    Zweitens wurden die Möglichkeiten des digitalen Publizierens im Netz erörtert. Nicole Boske, Programmleiterin von Carlsen Impress, eines digitalen Imprints, verglich die Möglichkeiten des literarischen Publizierens: die herkömmliche Arbeit mit einem Verlag und die Wege der digitalen Veröffentlichung im Netz.

    Ein Resümee ist schwierig, zu viel ist in Bewegung und in rascher Entwicklung. Eines aber scheint man sagen zu können: Ängste, die wegen des Einsatzes künstlicher Intelligenz zum Schreiben von Geschichten bestehen, scheinen unberechtigt. Zur Zeit ist keine Software in Sicht, die menschliche Intelligenz ersetzen kann. Es ist egal, ob man Texte in Tontafeln ritzt, mit der Feder auf Papier schreibt oder in eine Tastatur tippt – entscheidend bleibt der Verstand, der die Hand führt.

    Weiterhin: Das Publizieren ohne Verlag eröffnet Chancen, ist aber auch voller Fallen. Letztlich läuft es darauf hinaus, dass Autoren entscheiden müssen, wie weit sie Einfluss auf das fertige Produkt nehmen wollen. Wer auf die Kompetenz eines Kollektivs bauen möchte, ist bei einem traditionellen Verlag richtig, wer alle Fäden selbst in der Hand behalten will, sollte auf einer seriösen e-book-Plattform veröffentlichen.

    Gänzlich aus der digitalen in die analoge Realität zurückgeworfen wurden die Kollegen, als es pünktlich zum Paddeln im Drachenboot zu regnen begann. Nun hoffen wir, dass uns das Wetter im nächsten Jahr gewogen sein wird.
    Es ist nicht zu fürchten, dass wir 2020 das Wetter mit künstlicher Intelligenz werden bestimmen können.

    THOMAS BRUHN