Veranstaltungen

    2017: Literatur und Politik

    26.05.2017, 12:00 – 28.05.2017, 13:0014109 Berlin, Koblanckstr. 10, BBZ

    2017: Literatur und Politik

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    Reich der Notwendigkeit – Reich der Freiheit

    Arbeitswelten in Literatur und Kunst | Tagung in der Reihe »Literatur und Politik«, 26. – 28. Mai 2017 im ver.di Bildungs- und Begegnungszentrum »Clara Sahlberg«, Berlin

    Arbeitswelten in Literatur und Kunst

    Zum Thema

    Arbeit wurde in einem Wörterbuch um 1800 beschrieben als Anstrengung und Mühe, Last und Verausgabung, auch Abnutzung und bisweilen Qual, die zur Arbeit im Haus und auf dem Feld, in den Werkstätten, Bergwerken und Fabriken, beim Bau von Häusern, Straßen und Eisenbahnen gehörten.

    Immer stand dem »Reich der Notwendigkeit« auch die Sehnsucht nach dem »Reich der Freiheit« gegenüber, das nur auf der Basis der materiellen Produktion aufblühen könne, d.h. es galt den Traum zu verwirklichen, so würdig und wirksam wie möglich zu arbeiten und jenseits der materiellen Produktion viel Zeit für autonome, selbstbestimmte Erfüllung individueller Bedürfnisse zu finden.

    In Kunst und Literatur, im Theater und in der Musik wurde Arbeit in vielfältiger Weise thematisiert. Wie die Arbeit selbst sich im Laufe der Geschichte veränderte, fand auch die Verarbeitung in den verschiedenen Sparten der Kunst und Literatur spezifische Ausdrucksformen.

    In der bildenden Kunst sei an berühmte Maler wie z.B. Corot, Menzel, van Gogh, Léger und Munch erinnert.

    In der Literatur finden wir u.a. im 19. und Anfang des 20. Jahrhunderts viele Erzählungen und auch Autobiografien von Arbeiterinnen/Arbeitern, die sich mit ihren Arbeits- und Lebensbedingungen auseinandersetzen, z.B. A. Popp oder F. Rehbein. In den Werken des literarischen Naturalismus, z. B. bei G. Hauptmann oder E. Zola, wird die (Arbeits-)Wirklichkeit möglichst genau, naturgetreu abgebildet. Es kam zu Zusammenschlüssen von Schriftstellerinnen/Schriftstellern, die sich dem Thema Arbeitswelt in unterschiedlicher Form widmeten. Die Arbeiterkorrespondentenbewegung und der Bund proletarisch revolutionärer Schriftsteller sind als Formen der proletarisch-revolutionären Literaturbewegung der Weimarer Zeit zu nennen. In diese Zeit gehören auch das Theater E. Piscators und das proletarische Straßentheater.

    In der DDR beschritt man unter dem Motto »Greif zur Feder, Kumpel« seit dem Ende der 50er Jahre den »Bitterfelder Weg«. Und in der Bundesrepublik formierte sich nach der Dortmunder »Gruppe 61« im Jahre 1961 der Werkkreis »Literatur der Arbeitswelt« im Jahr 1970.

    Mit dem gesellschaftlich-politischen Wandel und den Veränderungen der Arbeitsbedingungen im Betrieb und im Dienstleistungsbereich hat sich auch die Beschreibung bzw. Aufnahme der Arbeitswelt in der Literatur verändert. Dies zeigen beispielsweise der fünfteilige Roman-Zyklus »Das Büro« (Originaltitel: Het Bureau) von Johannes Jacobus (Han) Voskuil oder der Roman das »Möbelhaus« von Robert Kirsch. Inzwischen wird auch das Thema Digitalisierung und Arbeitswelt – »Arbeit 2.0«, »Industrie 4.0« – literarisch bearbeitet. Es steht die Frage nach dem Wert der Arbeit in der digitalen Welt. Die digitalen Techniken eröffnen für jede/jeden die Möglichkeit, an jedem Ort zu jeder Zeit arbeiten zu können. Dies verändert nachdrücklich das Verhältnis von Arbeit(szeit) und Freizeit, führt zu einer zunehmenden Entgrenzung von Arbeit und Privatleben und lässt gleichermaßen den Blick richten auf die Entfremdung von Arbeit und Freizeit.

    Diese und weitere Facetten der Arbeitswelt wollen wir in den Focus gewerkschaftlicher, literarischer und künstlerischer Betrachtung nehmen.

    Freitag, 28. Mai 2017

    14.00 Uhr
    Begrüßung
    Michael Walter, ver.di Bildungs- und Begegnungszentrum

    14:15 Uhr
    Vortrag
    »Die digitale Treppe – Wie die Digitalisierung unsere Arbeit verändert und wie wir damit umgehen.«
    Lothar Schröder, Mitglied des ver.di-Bundesvorstands und Leiter des Fachbereichs Telekommunikation und Informationstechnologie

    16.15 Uhr
    Vortrag
    Sinnvolles Tun oder notwendiges Übel – Berufssituationen in der deutschen Malerei
    Prof. Dr. Jost Hermand, Universitäten Madison/Wisconsin und Berlin

    19.00
    Kurzvorstellung der Workshops am Sonnabend

    19:30 Uhr
    Podiumsgespräch »Literatur und Arbeitswelt«
    Mit Erasmus Schöfer, Literat und Mitbegründer des »Werkkreis Literatur der Arbeitswelt«,
    Gerd Puls, Schriftsteller und
    Marianne Schmidt, Schriftstellerin (angefragt)
    Moderation: Heinrich Bleicher-Nagelsmann

    Sonnabend, 27. Mai 2017

    9.00 Uhr
    Referat und Diskussion
    Lehrjahre sind keine Herrenjahre – klingt nicht nur komisch, sondern ist völlig überholt!
    Isabell Senff, Mitglied der Geschäftsführung des Bundesjugendvorstandes von ver.di

    11:00 Uhr
    Workshops

    Workshop 1
    Elfriede Brüning und der »Bund proletarisch- revolutionärer Schriftsteller«
    Sabine Kebir, Schriftstellerin, Berlin

    Workshop 2
    Der Konflikt. Elisabeth Badinters Thesen zum neuen Mutterbild
    Claudia Wörmann-Adam, Mitglied des ver.di-Gewerkschaftsrats, Köln

    Workshop 3
    Der Mensch und die Arbeit in der neuesten polnischen Prosa
    Prof. Dr. Graz̀yna Barbara Szewczyk, Katowice

    14:30 Uhr
    Workshops

    Workshop 4
    »Greif zur Feder Kumpel« – der Bitterfelder Weg
    Marianne Schmidt, Schriftstellerin, Kleinmachnow
    Vor dem Fabriktor – Der Werkkreis Literatur der Arbeitswelt im kulturellen, politischen und literarischen Kontext der 1970er und 1980er Jahre
    Gerd Puls, Schriftsteller, Kamen

    Workshop 5
    Arbeitswelt und Frauenemanzipation in der DDR, dargestellt in dem Roman »Die sieben Affären der Dona Juanita« von Eberhard Panitz
    Heidi Beutin, freie Wissenschaftspublizistin, Stormarn
    Schreiben für eine bessere Welt. Der literarische Utopismus der  George Sand
    Dr. Heiner Wittmann, Lehrbeauftragter der Universität Stuttgart

    Workshop 6
    Eine erste, unüberbietbar eindringliche Schilderung der Arbeitswelt in der europäischen Dichtung – Emile Zola, »Germinal« (1885)
    Dr. phil. habil. Wolfgang Beutin, Universität Bremen
    »Das Buch als Beute« – aus der Arbeitswelt bei Amazon
    Heinrich Bleicher-Nagelsmann, ver.di-Bereichsleiter Kunst und Kultur, Berlin

    Workshop 7
    Über die Arbeit im staatlichen Amte in Robert Musils Roman »Mann ohne Eigenschaften«
    Dr. Johann Dvořa̒k, Universitätsdozent, Wien
    Franz Kafka (1883-1924) und die Entfremdung in der Arbeitswelt
    Olaf Walther, Publizist, Hamburg

    19.30 Uhr
    »Ja, Zuckererbsen für jedermann!«
    Lieder und Texte aus Arbeitswelten – Eine literarisch-musikalische Reflexion
    Anna Haentjens, Gesang/Rezitation
    Ulrich Stolpmann, Klavier

    Sonntag, 28. Mai 2017

    Referat und Diskussion
    Identität in der Virtualität – Einblicke in neue Arbeitswelten und Industrie 4.0
    Welf Schröter, Publizist und Verleger, Mössingen-Talheim 

    Referat und Diskussion
    Gespräch über die Untiefen der Arbeitswelten
    Günter Wallraff, Schriftsteller und Journalist, Köln

    Ausblick und Abschied
    Michael Walter, ver.di Bildungs- und Begegnungszentrum

      

    Faltblatt zur Tagung

    VS Fachgruppe Literatur der ver.di
    Foto/Grafik: Akbar Behkalam

    Eine Veranstaltung
    der Gewerkschaft ver.di, des Bildungs- und Begegnungszentrum »Clara Sahlberg«, der GewerkschaftsPolitische Bildung gemeinnützige GmbH, des ver.di-Bundesfachbereichs Medien, Kunst und Industrie, des ver.di-Landesbezirk Nord, des Verbands deutscher Schriftstellerinnen und Schriftsteller (VS), Bundesvorstand, des Thalheimer Verlags und von CLARA e.V.,
    in Kooperation mit dem Germanistischen Institut an der Schlesischen Universität Katowice

    Termin
         26. Mai 2017 (14.00 Uhr)
         bis 28. Mai 2017 (13.30 Uhr)

    Ort
         ver.di Bildungs- und
         Begegnungszentrum »Clara Sahlberg«
         14109 Berlin, Koblanckstraße 10
         Tel.: 030/806713-0, Fax.: -56
         e-Mail: bst.berlin@verdi.de

    Anmeldung
    Mit Postkarte, per Fax oder e-Mail an: Bildungs- und Begegnungszentrum »Clara Sahlberg«

    Kosten:
    80 Euro / 63 Euro (mit/ohne
    Übernachtung) inkl. MwSt.
    Sozialrabatt von 25 Prozent auf Anfrage
    Teilnehmende, die nicht Mitglied der ver.di sind, zahlen einen Zuschlag von 100 Euro.
    ver.di übernimmt die Reisekosten ihrer Mitglieder gemäß der gültigen Reisekostenregelung (0,20 Euro pro Straßen-Entfernungskilometer der einfachen Wegstrecke, max. 135 Euro)

    Das Faltblatt
    mit weiteren Informationen zum Ablauf und
    das Anmeldeformular
    zur Tagung kann als pdf-Datei hier geladen werden.

    Hier zur online-Anmeldung