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    Ende der Privatheit.

    10.03.2017, 18:0063739 Aschaffenburg, Treibgasse 26, Martinusforum

    Ende der Privatheit.

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    Brauchen wir eine neue Reformation?

    VS Fachgruppe Literatur der ver.di Lutherjahr 2017

    Eine Diskussionsveranstaltung des VS im Lutherjahr 2017

    Die Reformation von 1517 ist undenkbar ohne die Medienrevolution des Buchdrucks. Sie hat Gesellschaft und Kultur fundamental verändert und das Individuum aus den Dogmen der Kirche befreit.

    Heute ist es die Digitalisierung, die auf Gesellschaft und Kultur einwirkt, auf Sprache und Bilder, auf unsere Haltung zur Welt. Wird sie das Ende der Privatheit bringen, hat das Individuum ausgedient?

    Musikalischer Beginn
    Ein feste Burg ist unser Gott (Bearbeitung für Live Elektronik )
    Udo Agnesens

    Grußworte
    Dr. Ursula Silber, Rektorin Martinshaus
    Burkhard Fleckenstein, Stadt Augsburg

    Einführung
    Eva Leipprand, VS-Vorsitzende

    Impuls
    Susanna Wolf M.A.
    (Digitale) Grundrechte stiften und erhalten:
    Vom Wertcharakter der Privatheit in liberalen Demokratien

    Zwischenspiel
    Nun komm der Heiden Heiland*
    Ignaz Friedman, Bearbeitung des Choralvorspiels von J. S. Bach

    Podiumsdiskussion
    Andreas Heidtmann, Schriftsteller
    Dr. Werner Meixner, Informatiker an der TU München,  
    Ulrike Schäfer, Schriftstellerin (Würzburg)
    Susanna Wolf M.A.
    Moderation
    Eva Leipprand, VS Vorsitzende

    Musikalischer Abschluss

    Eine Diskussion
          am 10. März 2017 um 18:00 Uhr
          im Martinusforum
          63739 Aschaffenburg, Treibgasse 26


    Die Teinehmerinnen/Teilnehmer an der Diskussion

    VS Fachgruppe Literatur der ver.di DvK Die Disputanten  – Aschaffenburg
    • Zusammenfassung der Debatte

      VS Fachgruppe Literatur der ver.di k+k Auf dem Podium  – v.l.: Dr. Werner Meixner, Susanne Wolf, Eva Leipprand, Andreas Heidtmann, Ulrike Schäfer

      Privat muss privat bleiben
      Der VS diskutiert über Digitalisierung und Späherei

      Eine Zusammenfassung der Diskussion ist in der Zeitschrift kunstundkultur 3/2017 erschienen:

      Zum nächsten Schriftstellerkongress wird der VS nach Aschaffenburg einladen, denn die Stadt will dieses Vorhaben großzügig unterstützen. Gastfreundlich zeigten sich das Kulturamt und das Martinushaus bereits am 10. März, als sie der AG Kunst+Kultur der ver.di – initiiert vom VS – ein Willkommen boten für die Diskussionsveranstaltung »Ende der Privatheit. Brauchen wir eine neue Reformation?« Die Veranstaltung fand darüber hinaus auch in Kooperation mit der Petra-Kelly-Stiftung statt.

      Unstrittig war das Thema dieser Veranstaltung nicht, weil einige Autorinnen und Autoren im Bezug auf Luthers Thesenanschlag vor 500 Jahren, die Erfindung des Buchdrucks 67 Jahre zuvor und die zwiespältige Rolle der Reformators in der Gesellschaft ahistorische Verknüpfungen und Verbindungen zur Gegenwart sowie sprachliche Unschärfen kritisierten. Die vielstimmigen Beiträge auf der Mitgliederliste des Schriftstellerverbands zeigen jedoch, wie der gesamte Themenkomplex die Autoren beschäftigt. Ohne weiter darauf einzugehen, tat das der Diskussionsveranstaltung im Martinus-Forum, zu der etwa 70 Besucherinnen und Besucher gekommen waren, qualitativ keinen Abbruch. Und der Aschaffenburger Kulturamtsleiter Burkhard Fleckenstein reklamierte sogar gleich zwei »Aufbruchsituationen« für seine Stadt: 1517, als Luthers Thesen in einem Brief auch Aschaffenburg erreichten sowie 1817, als das aufklärerische Wirken des Klerikers, Politikers, Bildungsreformators und Universitätsgründers Karl Theodor von Dahlberg (geb. 1744) endete. Seine Ausführungen tendierten im Tenor mehr zur revolutionären Situation.

      Die Reformation von 1517 ist undenkbar ohne die Medienrevolution des Buchdrucks. Sie hat Gesellschaft und Kultur fundamental verändert und das Individuum aus den Dogmen der Kirche befreit. Heute ist es die Digitalisierung, die auf die Gesellschaft und die Kultur einwirkt, auf Sprache und Bilder, auf unsere Haltung zur Welt. Wird sie das Ende der Privatheit bringen, hat das Individuum ausgedient?

      Die VS-Vorsitzende Eva Leipprand wies in ihrer Einführung darauf hin, wie sehr sich die Zeiten ähnelten: »Wir leben in einer Umbruchszeit«, einer wie im 16. Jahrhundert. Ihre Einschätzung hätte auch auf die Metternich-Jahre gemünzt sein können, als die Universitäten, ja das gesamte Geistleben unter furchtbarem Druck litten. Schreibende, so Leipprand, stünden heute vor einer »besonders drängenden Frage«: Denn sie schafften »Bilder und Symbole« für die gesellschaftliche Auseinandersetzung. »Was bedeutet die Digitalisierung für sie? Schrankenlose Möglichkeiten bei der Verbreitung ihrer Werke? Angst vor Überwachung und Anpassung?« Daran knüpfte Susanna Wolf in ihrem Impulsreferat mit dem Titel an: »(Digitale) Grundrechte stiften und erhalten: Vom Wertcharakter der Privatheit in liberalen Demokratien«. Sie strich die Angst vor Überwachung heraus – ein Risiko für die Pluralität. Es würde ein Konformitätsdruck erzeugt, also eine Verhaltensänderung. Zu fragen sei, was die Privatheit, ein Ideal der Französischen Revolution, heute wert ist und damit verbunden Würde, freie Entfaltung und das Recht auf Rückzug in die individuelle Privatsphäre. Susanna Wolf umriss die Ziele der Charta der digitalen Grundrechte der EU, an der Netzwerkaktivisten, Schriftsteller, Journalisten, Bürgerrechtler, Politiker und Wissenschaftler bis zum Dezember 2016 gearbeitet hätten – kein verfassungsgebender Text, sondern ein Diskussionspapier zu den Grundrechten in den europäischen Gesellschaften. Leider nicht zur Sprache brachte sie die kritischen Stimmen zu diesem Text bzw. einige der Argumente, etwa dass es sich um eine Initiative nur aus Deutschland handele, dass sie auf einen Umbruch der Medienwirtschaft ziele oder zu viele »Gummiparagraphen« enthalte. So hätten sich eher maschinenstürmerhafte Diskussionsbeiträge und Schlagworte vermeiden lassen wie: Der Wirtschaft die Kabel EU-weit wegnehmen, denn sie dürften keinen Zugriff darauf haben. Oder: Datenschutz statt Breitband.

      Denn die Probleme der Digitalisierung haben ethischen Charakter – das war die Kernaussage der Diskussionsbeiträge, vor allem des von Ulrike Schäfer, der Würzburger Schriftstellerin. Sie formulierte ihr Unwohlsein mit einem Eingeständnis und einer Fragestellung: »Den Zweispalt zwischen Bürgerin und Nutzerin kenne ich gut, er verläuft mitten durch mich hindurch. Ich schlingere und arbeite mit Verdrängung. Nur dass die Verdrängung brüchig ist. Und dass die Frage vielfältig wiederkehrt. Nicht nur: Was machen andere mit meinen Daten? Sondern auch: Was mache ich mit den Daten anderer?« Ausgehend von Erfahrungen mit der Digitalisierungs-Aktion im Jahr 2013 und der Charta von 2016 plädierte sie für einen breiten und umfassenden Widerstand »gegen staatliche und wirtschaftliche Ausspähung«, unter Vermeidung von Polemik und Häme untereinander. Und parallel dazu ein Streit um Lösungen der Frage: »Wie wollen wir die digitale Zukunft gestalten?«

      Der Schriftsteller Andreas Heidtmann, der in Leipzig lebt und dort die Plattform »Poetenladen« gründete, die heute als ein literarischer Buchverlag funktioniert, ist weitaus optimistischer. Er vertraut seinen Erfahrungen, auch den Büchern in »ansprechender Aufmachung«: Schriftstellerinnen und Schriftsteller »ohne Buch droht es früher oder später, im digitalen Nirwana zu verschwinden«. Die neuen Medien böten Dialogmöglichkeiten. Eine Demokratie sei im Gange. »Die Idee des Künstlerindividuums verblasst, und die Differenz zwischen Schreibenden und Lesenden verringert sich.« Wie eine Ergänzung wirkten Susanna Wolfs Ausführungen: Der Prozess sei nur mit Bildung und Transparenz zu steuern; Datenschutz müsse ein Schulfach werden. Eindringlich empfahl sie den Schriftstellern, die Charta der digitalen Grundrechte der EU zu unterstützen. So könnten wir unsere individuelle Privatheit retten, wurde in der anschließenden Diskussion zum Ausdruck gebracht, ebenso mehrfach die Rolle der Banken und IT-Konzerne kritisiert.

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    • Eva Leipprand: Einführung in die Debatte

      VS Fachgruppe Literatur der ver.di K. Lipa Eva Leipprand

      Wir leben in aufgewühlten Zeiten. Nichts ist mehr sicher, die bisherige Ordnung scheint sich aufzulösen, Ansichten werden von unten nach oben gekehrt, am schlimmsten ist die  Ahnung, selbst in einer Filterbubble zu leben und ein falsches Bild von der Welt zu haben. Wir leben in einer Umbruchszeit. Die Weltbevölkerung wächst, rückt näher zusammen mit allen ihren Konflikten, die Globalisierung zeigt ihre finsteren Seiten, der Klimawandel wird immer drängender; ganz wesentlich und mit allem verknüpft aber ist der technologische Wandel, die Digitalisierung. Eine Medienrevolution, die die Grundlagen unserer Kultur erschüttert.

      Eine Umbruchszeit wie im 16. Jahrhundert. So könnten sich die Menschen damals auch gefühlt haben – da war eine große Unsicherheit, die Erde auf einmal keine Scheibe mehr, sondern eine Kugel, wo ist da Oben und Unten, wo Himmel und Hölle? Die Türkengefahr aus dem Osten, Teuerung und Zinswucher, seltsame Zeichen am Himmel, und dann kommt da noch einer, der mit seinen Thesen das allgemeine Priestertum verkündet und in oft rüpelhafter Sprache und durch nichts zu beeindrucken sämtliche Rangordnungen aufhebt. Und dazu das neue Medium, der Buchdruck, der seine Ideen in Windeseile verbreitet und unkontrollierbar macht.

      Der Vergleich beider Epochen ist auf jeden Fall naheliegend und hilfreich. Denn auf die eine Zeit können wir schon zurückschauen (und aus dem Abstand anders urteilen als die Zeitgenossen – sie als Teil einer Entwicklung sehen), während wir in der anderen mitten drin stecken und nicht wissen können, was daraus wird. Dass jeder nun lesen konnte, auf Deutsch eigenständigen Zugang zur Bibel hatte, empfinden wir aus heutiger Sicht als eine gute Entwicklung, sie trug zur Befreiung des Individuums aus den Dogmen der Kirche bei. Über die Aufklärung bis heute blieb die Idee des Individuums eine wesentliche Orientierungsgröße. Jetzt aber scheint das Individuum bedroht und mit ihm die Vorstellung der Privatheit. Marc Zuckerberg schreitet über die Bühne und ruft unter dem Beifall des Publikums: privacy is over, und im gleichen Atemzug: we’re going to make the world a better place. Passt das überhaupt zusammen? Das ist unsere Frage heute Abend. Bringt das Ende der Privatheit eine bessere Welt? Ist nicht die große Euphorie aus den Anfängen des Internets spätestens seit Snowden und Trump großen Ängsten gewichen, dass wir beherrscht werden und nicht mehr beherrschen?

      Für Schriftstellerinnen und Schriftsteller ist dies eine besonders drängende Frage. Ihre Kreativität ist individuell. Sie sind die Leute, die Narrative herstellen – die Dinge in Bedeutungszusammenhänge bringen, die Welt erklären, jeder auf seine Weise in großer Vielfalt; die Bilder und Symbole schaffen für den Diskurs in der Gesellschaft. Was bedeutet die Digitalisierung für sie? Schrankenlose Möglichkeiten bei der Verbreitung ihrer Werke? Angst vor Überwachung und Anpassung? Ändert sich etwas an ihrem Schreiben, an ihrem Verhältnis zum Leser, zum Markt, was ist ihre Rolle in dieser Zeit?

    • Susanne Wolf: Wir sind keine Datensätze!

      VS Fachgruppe Literatur der ver.di privat Susanne Wolf

      Eine Reformation der Grundrechte für die digitale Sphäre

      Reformation und Digitalisierung – eine Verbindung, die näher liegt, als es zunächst erscheinen mag. Blicken wir zurück: Flugblätter, Karikaturen, Luthers Bibelübersetzung prägen die Reformationszeit. Für damalige Verhältnisse verbreiten sich Standpunkte und Wissen rasend schnell – undenkbar, ohne den Buchdruck. Gutenbergs Erfindung legt den medialen Grundstein für die evangelisch-lutherische Kirche.[1] Auch heute, im digitalen Zeitalter, empfinden wir den Zugang zu unzähligen Informationen weltweit als bahnbrechend. Dass wir im Alltag miteinander vernetzt sind, uns unabhängig von Zeit und Ort mitteilen und kontaktieren können, Wissen und Informationen hypermedial versenden und empfangen, ist tatsächlich Teil unserer Lebenswelt geworden. Der Buchdruck mit beweglichen Lettern und das Internet – beide Phänomene sind mediale Meilensteine. Und obwohl ein halbes Jahrtausend menschlicher Möglichkeiten aktiven Ausgestaltens zwischen beiden liegen, ist der jeweilige Sprung – von der oralen zur typographischen sowie von der analogen zur digitalen Kultur – in seiner kulturtechnischen Konsequenz kein grundsätzlich anderer. Individuelle Teilhabe und Teilnahme, öffentliche Kritik an sogenannten Eliten, Demokratisierung von Bildungsangeboten und politischem Diskurs – all diese Buzzwords lassen sich unschwer sowohl in Verbindung mit der Utopie des Internets der 1990er Jahre nennen, als auch mit dem Buchdruck, insbesondere in seiner Bedeutung für die Reformation.

      Beim Blick auf die Reformation als Medienereignis stellt Johanna Haberer, Professorin für Christliche Publizistik, fest: »Wir finden erst 500 Jahre später im letzten Jahrzehnt des vergangenen Jahrhunderts mit der Verbreitung des ‚world wide web‘ einen ähnlichen medialen Quantensprung hin zu einer Individualisierung der Kommunikation, hin zu einem Selbstermächtigungsschub für die Aneignung von modernen Kulturtechniken und hin zu einer Entzauberung bislang unbestrittener Autoritäten.« [2] In diesem Zusammenhang liegt natürlich auf der Hand, dass die genannten demokratisierenden Aspekte Optionen darstellen, die Mitglieder einer Gesellschaft immer erst für sich beanspruchen und ergreifen müssen. Implizit lässt sich das auch aus den desillusionierten Ausführungen zur »Digitalen Kränkung des Menschen« des Netzaktivisten Sascha Lobo schließen, die im Kontext der Snowden-Enthüllungen entstanden: »Mit dem Netz hatte sich der bisher vielfältigste, zugänglichste Möglichkeitsraum aufgetan, stets schwang die Utopie einer besseren Welt mit. Daran hat sich wenig geändert – technisch. Die fast vollständige Durchdringung der digitalen Sphäre durch Spähapparate aber hat den famosen Jahrtausendmarkt der Möglichkeiten in ein Spielfeld von Gnaden der NSA verwandelt.« [3] Inwieweit ist demnach eine Reformation der Grundrechte für die digitale Sphäre [4] notwendig und möglich, um ein demokratisches Miteinander basierend auf Freiheit, Gleichheit und Solidarität auch für das Netzzeitalter wiederherzustellen und zu erhalten?

      Vorangestellt sei, dass nicht nur das geheimdienstliche Profiling die Perspektive auf das Internet als freiheitlichen Raum der offenen Information und Diskussion in ihr Gegenteil verkehrt. Für die ökonomische Sphäre trägt Big Data massiv dazu bei, den Blick auf den Menschen als nützliches und auszunutzendes Daten-Konglomerat zu schärfen. Big Data »nicht mehr [als] Mittel zum Zweck, sondern [.] [als] eigenständiger Geschäftszweck« [5] des 21. Jahrhunderts bedeutet, allein durch proaktives, mitunter aggressives Sammeln, Analysieren, Auswerten, Zusammenführen und Weiterverkaufen von Datensätzen Gewinn zu erzielen und zu steigern. Nicht eine bestimmte Information steht hier im Fokus, sondern jede Information gilt es, profitabel zu verwerten. »Die Daten werden dort erfasst, wo sie entstehen und dorthin transportiert, wo sie benötigt werden. [.] [W]ir speichern den ganzen Heuhaufen und suchen dann nach der Nadel« [6], erklärt Cornel Brücher bezeichnend, wenn er die »verdatete« Kundin [7] als Management-Herausforderung umreißt.

      Klargestellt werden muss an dieser Stelle, dass das Nutzerinnen-Profil keinesfalls gleichbedeutend mit der damit verbundenen Person ist, sondern als bloße Wahrscheinlichkeitseinschätzung über dieselben entsteht: Algorithmische Auswertung konstruieren aus gespeicherten Informationen einen vermeintlichen Daten-Klon, mit dem sie die Nutzerin katalogisieren und in ihrer Komplexität zwangsläufig reduzieren. Über diese Reduktion auf ein typisiertes Profil zum Zweck der Gewinnerzielung findet sich der Mensch in einem Betrachtetsein als bloßes Datenobjekt wieder, was seiner Würde nicht gerecht wird. [8]

      Wenn Daten darüber hinaus geschäftsmodellgemäß kursieren, ist für die betroffene Person intransparent, welche ihrer Informationen wo und wie lange gespeichert vorliegen. Die Auswirkungen der über sie erstellten, digitalen Profile auf ihr reales Leben kann sie nicht einsehen, geschweige denn absehen. Da selbstbestimmtes Verhalten nur dann möglich ist, wenn Handlungskonsequenzen grundsätzlich einschätzbar bleiben, bedroht Big Data ein freiheitliches Zusammenleben souveräner Bürgerinnen.

      Das sei in einem vereinfachten Beispiel zum Scoring gezeigt. Scoring bezeichnet die algorithmische Berechnung eines Wahrscheinlichkeitswerts über die Bonität einer Person. In einer solchen Auswertung entscheidet der Datensatz, der über sie vorliegt, beispielsweise darüber, ob sie eine Wohnung mieten oder einen Handyvertrag abschließen kann. Dass dieser Datensatz existiert, aus welchen einzelnen Informationen er sich zusammensetzt und wie genau die personenbezogenen Daten angefallen sind, ist für die betroffene Person aufgrund der Intransparenz und Komplexität von Big Data kaum ersichtlich. Wenn ein Algorithmus beispielsweise mitunter die Information über den Wohnsitz in einem bestimmten Stadtviertel zur Kategorie ‚nicht kreditwürdig‘ zählt, ist die betroffene Person nach diesem Beispiel in ihrer Entscheidung, wie sie kommunizieren oder wo sie leben möchte, massiv eingeschränkt. Wenn sie außerdem gewusst hätte, dass die Angabe dieser Daten in einem früheren Kontext, beispielsweise einer Onlinebestellung, sie zukünftig in dieser Art beeinträchtigen würde, hätte sie sich vermutlich dagegen entschieden. [9] Dass die tatsächliche finanzielle Situation eines Menschen nun nicht von einem Durchschnittswert abhängig ist, der für seine Nachbarschaft vorliegt (und dabei ebenfalls nicht korrekt sein muss), »weiß« der Algorithmus nicht. Er zeigt Wahrscheinlichkeiten an, die fatale reale Konsequenzen haben können, werden sie fälschlicherweise als Wirklichkeiten angenommen.

      Scoring allein auf Basis von Adressdaten wäre nach der neuen EU-Datenschutzgrundverordnung ab 2018 auch in Deutschland nicht mehr explizit verboten. [10] Es liegt damit – und selbstverständlich nicht nur für dieses Beispiel – in gesamtgesellschaftlicher Verantwortung, die Bundesregierung in die Pflicht zu nehmen, sich mit Blick auf die Verordnung gemäß ihrer Ausgestaltungsmöglichkeiten als EU-Mitgliedstaat dafür einzusetzen, das bisherige Datenschutzniveau zu halten und auch auf andere (Mitglied-)Staaten in diesem Zusammenhang positiv einzuwirken. Ziel bleiben muss ein liberaldemokratisches Miteinander, in dem Bürgerinnen als selbstbestimmte Individuen und nicht als Spielbälle algorithmischer Auswertungen auftreten.

      Dass das Internet indes keinen Halt vor nationalen Grenzen macht, ist bekannt. Aus diesem Grund ist es unabdingbar, umfassendem Grundrechtsschutz im Netz auf internationalem Parkett einzufordern. Einen Schritt in diese Richtung auf EU-Ebene macht die Initiative für eine »Charta der digitalen Grundrechte der Europäischen Union« [11], kurz: Digitalcharta. Ende des letzten Jahres veröffentlicht die »Gruppe von Bürgerinnen und Bürgern« [12] unter dem Dach der ZEIT-Stiftung einen Entwurf von 23 Artikeln, um die öffentliche Debatte über eine digitale Dimension der Grundrechte voranzutreiben. Die Autorinnen der Charta rufen dezidiert dazu auf, ihren Entwurf der Beta-Version mitzugestalten und ermöglichen über die zugehörige Webpage, jeden Artikel zu kommentieren, zu ergänzen oder einen Alternativvorschlag zur Diskussion zu stellen. Darüber hinaus besteht die Option, bisher nicht berücksichtige Aspekte in Form von zusätzlichen Artikeln vorzuschlagen. Damit die Digitalcharta nicht als reine Online-Initiative fungiert, erreicht sie den öffentlichen Diskurs außerdem über ganzseitige Anzeigen in verschiedenen Printmedien [13] und eine Vorstellung vor dem LIBE-Ausschuss des EU-Parlaments [14] im Dezember 2016, sowie eine gemeinsame Diskussion mit Besucherinnen der re:publica 2017. [15] In Abstimmung mit dem Diskurs im Netz gilt es auch hier, den thematischen Rahmen, den die Artikel vorgeben, inhaltlich zu präzisieren.

      Skizziert sind – unter anderem auf Basis der Charta der Grundrechte (GRCh) wie auf den Datenschutzstandards der Europäischen Union – neben vorangestellten Überlegungen zu digitalen Dimensionen von Würde, Freiheit und Gleichheit (Art. 1-3) Fragen zu Netzneutralität (Art. 16), dem Recht auf Verschlüsselung (Art. 12) oder auf einen digitalen Neuanfang (Art. 18). In puncto Datenschutz (Art. 11) legt die Digitalcharta aktuell fest, dass personenbezogene Daten nur nach ausdrücklicher Einwilligung und für transparent festgelegte Zwecke erhoben werden dürfen, nennt unabhängige Stellen, die den Prozess der Datenverarbeitung kontrollieren und betont die Grundsätze von privacy by design [16] und privacy by default [17]. Ein intransparentes und schier regelloses Big-Data-Konzept mit seinen Ausläufern des Profiling und Scoring, wie wir es derzeit erleben, ließe sich vor dem Hintergrund einer solchen Charta eindämmen.

      Den Weg dorthin ebnen kann nur eine Debatte mit lebhafter zivilgesellschaftlicher Partizipation, bei der es nicht um die Frage geht, ob eine digitale Dimension der Grundrechte existiert, sondern welche Rolle dem einzelnen Staat bei der Ausgestaltung dieser Dimension zukommt [18] und welche Formen der internationalen Zusammenarbeit notwendig sind, um das Internet nicht als rechtlose Sphäre überwachungsstaatlicher und raubtierkapitalistischer Methoden, sondern als inspirierende Freiraum vielseitiger Kommunikationsmöglichkeiten mit demokratischem Zugang zu unzähligen Wissens- und Informationsquellen zu gestalten. Um einen »digitalen Totalitarismus« [19] abzuwenden, müssen sich Bürgerinnen in der Verantwortung fühlen, für ihre Rechte einzutreten. Menschenrechte und Demokratie sind »gleichursprünglich« [20], wie es der Philosoph Jürgen Habermas nahelegt: »Sie stehen im Verhältnis wechselseitiger Voraussetzung: Menschenrechte ermöglichen den demokratischen Prozess, ohne den sie ihrerseits nicht positiviert – und im Rahmen des grundrechtlich konstituierten Verfassungsstaates – konkretisiert werden können.» [21] Grundrechte erhalten sich also nicht allein dadurch, dass sie ein Mal schriftlich festgehalten sind, sondern dadurch, dass sie im dynamischen Geschichtsverlauf immer wieder neu ausgehandelt und eingefordert werden.

      Selbst wenn die Digitalisierung als eingangs zitierter »Quantensprung« uns derzeit schier zu überspringen scheint, muss uns klar sein, »dass sich neue Medien keinesfalls von selbst durchsetzen, etwa kraft ihrer technischen Funktionalität. Die Versprechungen der Medien und ihrer Funktionen unterliegen immer schon einem kulturellen Auswahlprozess, in dem auch diskursiv verhandelt wird, was Erfolg verspricht.« [22] Einen Reformprozess der digitalen Sphäre treiben wir selbst voran, können ihn nach den Regeln der Demokratie regulieren und ausgestalten – und sollten damit beginnen.

      Anmerkungen

      • [1] Vgl. Haberer, Johanna: Distribution – Partizipation – Individualisierung. Grundsätzliche Beobachtung zum Mediengeschehen des 16. Jahrhunderts in der Perspektive moderner Medienentwicklung. In: Dies./Hamm, Berndt: Medialität, Unmittelbarkeit, Präsenz. Die Nähe des Heils im Verständnis der Reformation. Tübingen 2012, S. 1-10.
      • [2] Ebd., S. 3.
      • [3] Lobo, Sascha: Abschied von der Utopie. Die digitale Kränkung des Menschen. Online unter: http://www.faz.net/aktuell/feuilleton/debatten/abschied-von-der-utopie-die-digitale-kraenkung-des-me... (Stand: März 2017)
      • [4] Gemeint ist in diesem Kontext die Wiederherstellung eines umfassenden Grundrechtsschutz – und damit eben auch im Kontext aller Online-Aktivitäten.
      • [5] Robrecht, Bettina: EU-Datenschutzgrundverordnung: Transparenzgewinn oder Information-Overkill. Edewecht 2015, S. 67.
      • [6] Brücher, Cornel: Rethink Big Data. Heidelberg/München u.a. 2013, S. 21.
      • [7] Zur besseren Lesbarkeit wird in diesem Text nur die weibliche Form verwendet. Die männliche Form ist selbstverständlich immer mit eingeschlossen.
      • [8] Menschenwürde sei hier ganz kantisch verstanden, als „[d]as Princip: handle in Beziehung auf ein jedes vernünftige Wesen (auf dich selbst und andere) so, daß es in deiner Maxime zugleich als Zweck an sich selbst gelte“, wonach ein Instrumentalisieren von Mitmenschen – und damit deren Behandlung ausschließlich als Mittel, um bestimmte Ziele zu erreichen – ausgeschlossen ist. Kant, Immanuel: Grundlegung zur Metaphysik der Sitten. In: Königlich Preußische Akademie der Wissenschaften (Hg.): Kants Werke. Band IV. Berlin 1903, S. 406-463, hier: S. 437f. Zur Darstellung kann Menschenwürde realgesellschaftlich kommen, wenn sich Menschen als Gleiche unter Gleichen wechselseitig anerkennen, wodurch jede Person die Möglichkeit zur Selbstentfaltung erhält. Gelebte wechselseitige Anerkennung sei damit verstanden als Medium, das die Idee der Menschenwürde zum Ausdruck bringen kann. Vgl. Habermas, Jürgen: Die Zukunft der menschlichen Natur. Auf dem Weg zu einer liberalen Eugenik? Frankfurt a. M. 2001, S. 105; Bielefeldt, Heiner: Bielefeldt, Heiner: Philosophie der Menschenrechte. Grundlagen eines weltweiten Freiheitsethos. Darmstadt 1998, S. 67.
      • [9] Das Gefälle, das sich hier auftut, lässt sich als kognitive und voluntative Asymmetrie bezeichnen. Vgl. Roessler, Beate: Der Wert des Privaten. S. 26 f. Online unter: http://90.146.8.18/de/festival2007/topics/d_roessler_lang.pdf (Stand: März 2017)
      • [10] Da personenbezogene Daten mittlerweile tatsächlich eine Währung sind, mit der gehandelt wird, hat sich der Datenschutz dem Verbraucherschutz angenähert. Vgl. Verbraucherzentrale Bundesverband e. V.: Öffnungsklauseln ausschöpfen, nationale Spielräume nutzen. Erhalt des deutschen Datenschutzniveaus vor dem Hintergrund der Datenschutzgrundverordnung. vzbv-Papier vom 02. Mai 2016; Verbraucherzentrale Bundesverband e.V.: Scoring: Rückschritte beim Datenschutz verhindern. Online unter: http://www.vzbv.de/pressemitteilung/scoring-rueckschritt-beim-datenschutz-verhindern
      • [11] Online unter: https://digitalcharta.eu/ (Stand: März 2017)
      • [12] Initiatorinnen und Unterstützerinnen der Charta sind in den Bereichen (Netz-)Politik, Journalismus, Wissenschaft und Kultur tätig und gelistet unter: https://digitalcharta.eu/intiatorinnen-und-initiatoren/ (Stand: März 2017)
      • [13} U.a. DIE ZEIT, Süddeutsche Zeitung, WELT, Tagesspiegel, Handelsblatt.
      • [14] Committee on Civil Liberties, Justice and Home Affairs: Meeting 05/12/2016 (PM). Livemitschnitt online unter: http://www.europarl.europa.eu/news/en/news-room/20161130IPR53934/committeeon-civil-liberties-justice... (Stand: März 2017)
      • [15] https://digitalcharta.eu/republica2017/ (Stand: Mai 2017)
      • [16] Digitale Anwendungen müssen so programmiert sein, dass sie die Daten ihrer Nutzerinnen proaktiv schützen und diese nur dann erheben, wenn es für die Nutzung erforderlich ist. Für die Nutzung eines sozialen Netzwerks zur Kommunikation mit Freunden und Bekannten ist es beispielsweise nicht erforderlich, zu erfassen und zu analysieren, welche anderen Homepages eine Nutzerin aufruft, während sie im sozialen Netzwerk eingeloggt ist.
      • [17] Die Standardeinstellungen von digitalen Anwendungen müssen zunächst nicht-öffentlich sein und können erst aktiv durch die Nutzerin sukzessive nach außen geöffnet werden, beispielsweise so, dass ihr Profil nur dann für Suchmaschinen auffindbar ist, wenn sie das wünscht und aktiv einstellt.
      • [18] Vgl. Hoffmann, Christian u.a.: Die digitale Dimension der Grundrechte. Das Grundgesetz im digitalen Zeitalter. Baden-Baden 2015, S. 217; Schliesky, Utz u.a.: Schutzpflichten und Drittwirkung im Internet. Das Grundgesetz im digitalen Zeitalter. Baden-Baden 2014, S. 184.
      • [19] Schulz, Martin: Freiheit, Gleichheit, Datenschutz. Warum wir eine Charta der digitalen Grundrechte brauchen. In: DIE ZEIT vom 26.11.2015, S. 6.
      • [20] Habermas, Jürgen: Das Konzept der Menschenwürde und die realistische Utopie der Menschenrechte. In: Deutsche Zeitschrift für Philosophie 2010, Heft 3, S. 342-357, hier: S. 350, Fn. 20.
      • [21] Ebd.[22] Bickenbach, Matthias: Medienevolution – Begriff oder Metapher? Überlegungen zur Form der Mediengeschichte. In: Crivellari, Fabio/Kirchmann, Kay u.a. (Hg.): Die Medien der Geschichte. Historizität und Medialität in interdisziplinärer Perspektive. Konstanz 2004, S. 109-136, hier: S. 120
    • Andreas Heidtmann: Literatur und Digitalisierung – eine begriffliche Annäherung

      VS Fachgruppe Literatur der ver.di privat Andreas Heidtmann

      Kurzfassung

      1. Dynamik

      Der Weg des Buches zum Leitmedium vollzog sich über Jahrhunderte, vor zwei Jahrzehnten dagegen war das e-Book unbekannt und die digitale Welt kaum entdeckt. Anstelle von Entwicklungen treten Brüche – innerhalb von Jahren, nicht Jahrhunderten, werden wir mit neuen medialen Möglichkeiten und grundlegenden Wandlungen konfrontiert. Immer rascher wird vom Nutzer ein neuer technischer Kenntnisstand erwartet.

      Angesichts dieser Dynamik fehlt es an Phasen, die neuen Techniken und ihren Nutzen zu reflektieren. Wichtig wären adäquate gesellschaftliche, psychologische, philosophische, ökonomische Betrachtungen, die uns als Nutzer emanzipieren und der Politik Handlungsgrundlagen bieten. Doch wir scheinen überrollt von Innovationen, die so rasant sind, dass das, was wir heute zu wissen glauben, morgen durch Verlautbarungen aus dem Silicon Valley überholt ist. Technik und Erfahrung sind entkoppelt. Die Zukunft hat immer schon begonnen. Das Synchronisationsproblem von technischer Entwicklung und individuellem Mitvollzug zwingt uns gegenüber der digitalen Technik in die Dauerdefensive.

      2. Partizipation

      Die neuen Medien bieten uns die Möglichkeit des Dialogs. Die horizontale Kommunikation ersetzt die vertikale. Euphorien, die in der Frühphase des Internets aufkamen, beruhten auf der Hoffnung, den Monolog der alten Medien zu durchbrechen. Der Rezipient sollte nicht mehr nur Rezipient sein, sondern am Text, am Kunstwerk, mitwirken, wobei diese Partizipation allerdings häufig nur im Auswählen per Link oder im Verfassen von Kommentaren bestand.

      Mit dem rapiden Wachstum des Netzes ist das einstige Privileg des Veröffentlichens zu einer Option für alle geworden. Eine Demokratisierung vollzieht sich. Statt in der Rezipientenrolle zu verharren, kann jeder seine Gedanken ohne Umschweife publizieren. Sei es in Form von Tagebüchern, Urlaubsberichten, politischen Statements, Gedichten oder literarischen Versuchen. Nur wenige Schreibende werden eine nennenswerte Leserschaft finden, aber in jedem Fall wird die der professionellen Autoren kleiner. Die Idee des Künstlerindividuums verblasst und die Differenz zwischen Schreibenden und Lesenden verringert sich. Ähnliche Tendenzen finden sich bei Youtubern, die ihre Filme unabhängig von der Filmindustrie aufnehmen und zuweilen große Popularität erlangen.

      3. Seite

      Obwohl das Pferd in der Regel nicht mehr als Arbeitstier dient, zählen wir die Leistung von Kraftfahrzeugen in Pferdestärken. Vergleichbares erleben wir mit dem Begriff der Seite. Im digitalen Raum existiert sie nicht, dennoch behelfen wir uns mit ihr. Gliedern die digitale Welt. Manchmal wird sogar das Umblättern simuliert.

      Während unsere heutige Literatur sich im Wesentlichen mit der Verbreitung des Buches entfaltete, wirkte dessen Format auf viele Genres zurück. Wer einen narrativen Text schreibt und auf Seite 150 angelangt ist, darf davon ausgehen, dass ein Roman entsteht. Die Mehrzahl der Gedichte lassen sich auf einer Buchseite wiedergeben. Wir haben schreibend das Maß der Seite verinnerlicht. Das Buch selbst ist in Umfang, Gliederung und Haptik bestens auf die geistigen Prozesse und kognitiven Fähigkeiten des Menschen abgestimmt.

      Wenn wir dagegen die Möglichkeiten des Internets ernst nehmen, müssten wir als Schreibende Webraum und Webzeit losgelöst vom Verfahren der Paginierung sehen und zu konstituierenden Elementen von Formen werden lassen, die nicht mehr als gefügter Roman oder Gedichtband in Erscheinung treten. Es wäre naiv zu glauben, das neue Medium böte Buchinhalten nur eine neue Folie. Als reines Werbe- und Informationsmedium kann es dem klassischen Text weiterhin dienen wie dem digitalen. Ein Blogger wird aber nicht in Seiten denken, sondern in Posts, Links, Tweets und Threads.

      4. Community

      Nach der Jahrtausendwende einen literarischen Verlag zu gründen, darf, zumindest wirtschaftlich, als heikles Unterfangen gelten. Lange Zeit war das Buch nicht nur wesentliche Informationsquelle, sondern Symbol des Bildungsbürgertums, Zeichen vom Aufgeklärtheit und Kunstverständnis, sogar Statussymbol. Nicht nur die digitale Verfügbarkeit von Informationen mindert heute die Bedeutung des Buches, auch die Leserschaft selbst zerstreut sich, da die Menge an Unterhaltungsangeboten stetig wächst. Dass es dennoch gelang um 2005 einen literarischen Independent-Verlag zu etablieren, ist wesentlich dem Netz zu verdanken. Kein anderes Medium hätte es ermöglicht, innerhalb von ein bis zwei Jahren eine Community zu schaffen, zu der in der Hochphase mehr als tausend Autoren und Zehntausende tägliche Besucher gehörten.

      Der Poetenladen war zunächst also nichts als ein virtueller Laden mit frei zugänglichen Texten. Das Nonprofit-Projekt gab jungen Autoren die Möglichkeiten, in einem angemessenen Rahmen über ihre Arbeit zu informieren und Texte vorzustellen. Die Plattform florierte, als herkömmliche Verlage begannen, literarische Programme auszudünnen und Lyrik auszusortieren. Bald meldeten sich auch etablierte Schriftsteller. Gerhard Zwerenz gelang der grandiose Wurf einer politischen Biographie, die über fünf Jahre Montag für Montag in Folge erschien und gedruckt 5.000 Seiten umfasst. Gäbe es sie gedruckt.

      Angesichts der wachsenden Vielfalt und Bekanntheit im Netz lag es irgendwann nahe, sich auch der Buchproduktion zuzuwenden. Anders als virtuelle Texte schienen Bücher zumindest theoretisch verkäuflich. So entstanden neben dem Literaturmagazin poet Anthologien und erste Einzelbände mit Lyrik, Erzählungen und Romanen. Mehr und mehr entwickelte sich die Plattform zu einem literarischen Buchverlag, der wesentlich von der gewachsenen Community profitierte. Dabei überraschte die Einschätzung vieler junger Schreibender, dass man erst, wenn man sein gedrucktes Buch in den Händen halte, ein Autor sei.

      5. Signierstunde oder Diversifikation

      »Was wird aus der Signierstunde des Autors«, fragt Burkhard Spinnen besorgt.* Ich möchte meinen: Nicht alle neuen Kulturtechniken führen zur Abschaffung älterer. Immer noch gehen Menschen ins Theater, obwohl es seit mehr als hundert Jahren den Film gibt, und immer noch gehen Menschen ins Kino, obwohl es seit mehr als einem halben Jahrhundert Fernsehgeräte gibt. Die Fotografie wiederum löste die Portraitmalerei ab und trug indirekt dazu bei, dass die Malerei, vom Zweckhaften befreit, ein gewaltiges Potenzial entfaltete.

      Auch das Buch wird neben der digitalen Vielfalt Bestand haben, aber große Anteile verlieren. So droht anspruchvoller Literatur, die nicht die Deckungsauflagen erzielt, das Aus. Manche Kulturinstitutionen haben das Problem erkannt. So führt beispielsweise die Kulturstiftung Sachsen in Kooperation mit dem poetenladen das Projekt Reihe Neue Lyrik durch. Hier erscheinen Gedichtbände in ansprechender Aufmachung mit garantiertem Honorar und professionellem Lektorat, Bücher, die ohne Förderung am Markt keine Chance mehr hätten. Und die natürlich signiert werden können.

      6. Data loss

      Nicht allen Autoren ist vielleicht bewusst, dass sich digitale Texte zwar leicht verbreiten lassen, aber eine verschwindend geringe Haltbarkeit haben. Mühelos können wir in einem fünfzig Jahre alten Buch blättern. Mit der digitalen Technik geraten wir in den Sog der Beschleunigungsökonomie: Hard- und Software, Scripte und Formate ändern sich permanent. Was sich heute gut im Netz macht, sieht in zehn Jahren hoffnungslos veraltet aus oder wird – ohne regelmäßige Updates – nicht einmal mehr abrufbar sein.

      Meine verlegerische Netzerfahrung ist die einer Sisyphosarbeit aus dauerndem Aktualisieren, Sichern, Schadensbegrenzungen nach Hackerangriffen. Wie entspannend dagegen die Handhabung eines Buches. Niemand muss fürchten, dass er, wenn er einen Roman aus dem Jahr 1984 aufschlägt, leere Seiten vorfindet. Anders bei digitalen Speichern: Nicht nur die Formate veraltern, Stichwort Diskette, die Daten selbst verflüchtigen sich physikalisch. Die Konsequenz: Der Autor ohne Buch droht früher oder später im digitalen Nirwana zu verschwinden.

      * Burkard Spinnen: Das Buch. Schöffling & Co, 2016

    • Dr. Werner Meixner: Abwehr des Angriffs auf die Privatheit

      VS Fachgruppe Literatur der ver.di privat Dr. Werner Meixner

      Kurzfassung

      Wenn wir nach den Ursachen der Zerstörung von Grundwerten unserer Gesellschaft im Sinne von »Ende der Privatheit« und »Auflösung des Individuums« fragen, dann fragen wir in Wahrheit nach den treibenden politischen Kräften eines Angriffs auf die verfassungsrechtlich verbrieften Grundlagen unseres Staates.

      Ich nenne die auf der Digitalen Revolution basierende politisch-ökonomische Revolution die Neo-digitale Revolution. Die Bezeichnung neo-digital folgt einem Narrativ, das die Begirffe neoliberal und digital zusammenführt.

      Wir können nun die zurDiskussion gestellten Fragen im Sinne einer Unterscheidung des technischen bzw.
      politisch-ökonomischen Wirkungskomplexes folgendermaßen neu formulieren:

      • Welche Akteure, Institutionen oder Mächte sind im Begriff, unser im Grundgesetz unseres Staates garantiertes Wertesystem, insbesondere die Privatsphäre der Bürger anzugreifen und zu beseitigen, d. h., wer sind die Initiatoren und Akteure der neo-digitalen Revolution und welcher ideologische »Mainstream« steckt dahinter?
      • Welche Rolle spielt dabei die Digitale Revolution?
      • Wie können wir diese Angriffe abwehren und unsere Grundwerte durch eine Neue Reformation als eine Renaissance nachhaltig verteidigen und warum spielt dabei der Schutz der Privatheit des Individuums eine herausragende Rolle?

      1.

      Die neo-digitale Revolution ist eine vielschichtige geistige, politisch-ökonomische Revolution, deren Wurzeln in den libertären oder neoliberalen Ideologien der amerikanischen Ökonomie zu suchen sind, wesentlich unterstützt durch die RAND Corporation der Vereinigten Staaten. Sie soll den Menschen in den »homo oeconomicus« transformieren, und sozusagen zum Mitglied einer Informationsgesellschaft machen.

      Die Initiatoren der Revolution muss man in den Zentren weniger Großkonzerne der IT-Wirtschaft suchen, aber auch in den militärischen Komplexen und Sicherheitsbehörden der USA und einzelner weiterer Staaten, der Motor ist die mit ungeheuren Finanzmitteln ausgestattete Investorenschaft.

      2.

      Das Fernziel der RAND Corporation, nämlich die technokratische Steuerung aller Aspekte der Gesellschaft unter einer Welt-Regierung, wäre ohne totale Digitalisierung in der heute sich abzeichnenden Form nicht erreichbar. Die »Digitalisierung« in der heutigen Form ist geprägt durch Geräte und Programme für beschleunigten, multimedialen Informationsaustausch, Verarbeitung von Daten und automatisierter Steuerung, als da sind: Smartphone, Internet, Suchdienste, statistische Auswertung großer Datenmengen, und kybernetische Steuerung durch Automaten. Verstanden als Prozess ist die Digitalisierung eine technische Entwicklung, andererseits ist sie auch eine Strategie.

      Die Strategie kennt zwei Ausprägungen: Digitale Darstellung und Automatisierung. Beide Ausprägungen dieser heutigen Strategie beinhalten schwerwiegende Fehleinschätzungen.

      3.

      Die neo-digitale Revolution zielt auf die Usurpation unseres Landes in allen Lebensbereichen. Eine erfolgreiche Abwehr dieses Angriffes muss zuallererst alle Kräfte auf ein zentrales Thema konzentrieren. Und dieses Thema ist die vollständige Wiederherstellung unserer individuellen Freiheit, Identität und Entfaltungsmöglichkeit in unserer Privatsphäre, und der Schutz der Kommunikations- und Verkehrswege jeglicher Art vor Einflussnahme durch monopolistische Konzerne oder imperialistische Staaten. Die Verhinderung des Diebstahls privater Daten trifft den Gegner an seiner empfindlichsten Stelle. Es ist der einzige Punkt, den die breite Bevölkerung direkt beeinflussen kann.

      Harold Pinter hatte kurz vor seinem Tod Worte gefunden, die in ergreifender Weise ausdrücken, welche Verpflichtung uns allen zufällt:»Ich glaube, dass den existierenden, kolossalen Widrigkeiten zum Trotz die unerschrockene, unbeirrbare, heftige intellektuelle Entschlossenheit, als Bürger die wirkliche Wahrheit unseres Lebens und unserer Gesellschaften zu bestimmen, eine ausschlaggebende Verpflichtung darstellt, die uns allen zufällt. Sie ist in der Tat zwingend notwendig. Wenn sich diese Entschlossenheit nicht in unserer politischen Vision verkörpert, bleiben wir bar jeder Hoffnung, das wiederherzustellen, was wir schon fast verloren haben – die Würde des Menschen.«

      Die uns in dieser Diskussion gestellte Frage lautet, ob wir eine » Neue Reformation« brauchen. Die Frage beantworte ich für mich mit einem eindeutigen Ja. Wir brauchen eine Neue Reformation als Besinnung und Verpflichtung auf die gemeinsamen Werte unserer Verfassung wie auch die gemeinsamen europäischen Werte. Im Unterschied zur ersten Reformation vor 500 Jahren ist die Neue Reformation nicht gegen eine Kirche gerichtet, sondern sie sollte die Unterstützung von beiden Kirchen erhalten, da diese zu den wenigen starken Institutionen gehören, die den europäischen Werten nahestehen.

      Die politische Aufgabe einer Neuen Reformation ist das couragierte offene Eintreten für die Grundwerte unserer Verfassung und der Kampf gegen ihre neoliberale Umdeutung oder Aushebelung. Freiheit verlangt die Anstrengung, sie nicht zu verlieren. Die Idee einer Neuen Reformation hätte Zukunft.

      Literaturhinweis:
      Zum
      Thema Ökonomie, Geschichte, Gesellschaft und Migration siehe Bibliotherapie Bücherliste des Internisten, Psychosomatikers und Psychotherapeuten Dr. Volker Kleine-Tebbe der Rehaklinik im Breisgau: http://fortis-freiburg.eu/wp-content/uploads/2017/02/Bibliotherapie-19.1.2017.pdf

      Der vollständige Beitrag von Dr. Werner Meixner kann als pdf-Datei hier geladen werden.

    • Ulrike Schäfer: Schreiben und Netz

      VS Fachgruppe Literatur der ver.di privat Ulrike Schäfer

      Anfang der 2000er – ich arbeitete noch Vollzeit in der IT-Branche und war viel unterwegs – schloss ich mich einer Internetgruppe an, in der geschrieben und Textkritik geübt wurde. Ich befand mich unter Gleichgesinnten, die nichts mit meinem übrigen Leben zu tun hatten. Die Kombination aus Interessengleichheit einerseits und Diskretion andererseits tat meinem Schreiben gut. Es war noch zu schützen, eigentlich ein Geheimnis, verlangte aber zugleich nach Austausch.

      Diskretion, Schutz: scheinbar abwegige Begriffe spätestens seit den Snowden-Enthüllungen. Dennoch real. Und Teil des Problems: Auf der Oberfläche der Nutzung stellen sich die Dinge oft vollkommen anders dar, als sie an der Basis sind. Beide Ebenen sind wirklich, die eine bewusst erlebt, die andere – findet statt.

      15 Jahre später sind das Netz und meine Existenz als Autorin vielfältig miteinander verknüpft. Was aus meiner Erfahrung – als technik-affine Autorin literarischer, »klassisch« publizierter Texte, also in einem Verlag und mit deutlichem Schwerpunkt auf der Print-Auflage – immer wieder als wesentlich heraussticht, ist zweierlei: zielgerichtet und niederschwellig. Zielgerichtet: Ich kann im Netz mit spezifischen Interessengruppen in Kontakt treten, die ich in meinem begrenzten regionalen Umfeld nicht oder nicht in dieser Vielfalt vorfinde. Niederschwellig: Das Netz erleichtert mir, ohne institutionelle Umwege (Verlag, Buchhandel, Presse, Veranstalter etc.) oder zusätzlich zu diesen als Autorin anwesend zu sein – über meine Website, im Kontakt mit Lesern, Buchbloggerinnen etc. In ganz anderem Maßstab stehen natürlich die Web-Aktionen der Großen des Literaturbetriebs, mit der Marketingkraft großer Verlagshäuser befeuert. Aber in den Buchhandlungen und Zeitungen ist der Platz begrenzt, im Netz nicht. Ich kann auf kleiner Flamme als Autorin koexistieren, ohne selbst dauernd anwesend zu sein. Für eine Autorin, die ja viel Zeit in der Stille benötigt und andererseits nicht für die Schublade schreibt, eine ziemlich angenehme Kombination. Auf dieser Ebene ist von einer »Abschaffung des Individuums« nichts zu spüren, eher im Gegenteil. Was an der Oberfläche konkret erfahrbar ist und was im Untergrund stattfindet, klafft auseinander.

      Nutzerin vs. Bürgerin

      Als Ende 2013 über 500 Schriftstellerinnen und Schriftsteller aus aller Welt mit der Initiative »Die Demokratie verteidigen im digitalen Zeitalter« Unterschriften gegen die Überwachung sammelten, befand ich mich inzwischen auch in meinem lokalen Umfeld in einer Gemeinschaft von Autoren. Wir versammelten die regionalen Theater, Verlage, Museen, Kleinkunstbühnen und Künstlerinnen/Künstler hinter einem Aufruf an die Bürger aus Stadt und Region, die internationale Petition zu unterzeichnen. Wir stellten uns vor, dass der weltweiten Aktion viele solcher kleinen Initiativen vor Ort folgen sollten, um eine breite Bewegung gegen Massenüberwachung in Gang zu setzen, sozusagen vom oberen und unteren Ende der Literatur- und Kulturlandschaft gleichzeitig.

      Wir schrammten hart an die Weihnachtszeit. In der lokalen Zeitung erschien ein Einspalter, vielleicht konnten wir einige zum Unterzeichnen bewegen. Ansonsten folgte – nichts. Wirklich nicht? Und: Was hatten wir erwartet? Dass es so einfach gehen würde? So schnell?

      Das tut es nicht einmal in meinem eigenen Bewusstsein und Verhalten. Ich hatte mich lange gegen Facebook entschieden, hatte mich ein halbes Jahr zuvor jedoch angemeldet, und überließ mich in den Jahren danach – mit der ebenso diffusen wie bequemen Selbstberuhigung »Das muss man eh politisch lösen«, wofür ich aber nichts tat – Schritt für Schritt den Verlockungen allerlei weiterer Datenkraken – Clouds, Online-Diensten etc. pp. Den Zwiespalt zwischen Bürgerin und Nutzerin kenne ich gut, er verläuft mitten durch mich hindurch. Ich schlingere und arbeite mit Verdrängung. 

      Nur dass die Verdrängung brüchig ist. Und dass die Frage vielfältig wiederkehrt. Nicht nur: Was machen andere mit meinen Daten? Sondern auch: Was mache ich mit den Daten anderer?

      2017 experimentiere ich mit einer Online-Kursplattform, weil ich inzwischen selbst Schreibwerkstätten anbiete und Suchende mit ähnlichen literarischen Ambitionen ansprechen möchte, die aus familiären, beruflichen oder finanziellen Gründen nicht für Schreibkurse herumreisen können – abermals: zielgerichtet und niederschwellig. Ich richte die Software ein und bemerke, dass sie mir ungefragt Informationen darüber liefern würde, wer wann wie oft und wie lange welche Werkstattthemen bearbeitet. Will ich das nicht, muss ich nach einer weniger prominenten und womöglich weniger ausgereiften Lösung suchen. Ein Beispiel von vielen. Schritt für Schritt ist die Datensammelei selbstverständlich geworden. Schritt für Schritt gewöhnt sich die Nutzerin in mir daran, das Problem als rein rechtliche Frage zu behandeln, was in Deutschland erlaubt ist und was nicht. Aber was tue ich da eigentlich? Will ich alles, was ich darf?

      Ich schlingere. Ich stecke selbst in den Kinderschuhen, was meinen Umgang mit Daten und Privatheit im digitalen Zeitalter betrifft.

      Politisches Handeln

      Ende 2016 ging die Aktion »Charta der Digitalen Grundrechte der EU« an die Öffentlichkeit. Die Initiatoren, darunter abermals Juli Zeh, sind für kritische Rückmeldungen ausdrücklich offen und erhalten diese in großer Zahl. Es wiederholt sich, was ich von der Aktion 2013 kenne. Damals war gerade aus der Netzgemeinde viel Abfälliges zu lesen, z. B. dies: »Ah, morgen rollt die literarische Kavallerie an, wir sind gerettet!« Darunter weitere Kommentare in gleichem Tenor. Bis Sascha Lobo sich zu Wort meldete: »Dieser Thread hier in seiner außerordentlich kleingeistigen Häme zeigt ungefähr 95 Prozent aller Gründe, warum die deutschsprachige ‚Netzgemeinde‘ so exzeptionell wirkungslos ist. [...] Das allerwichtigste ist ja natürlich Abgrenzung – nicht gegen die Überwachung, sondern gegen Leute, die nicht auf die vorgeschriebene Art gegen Überwachung sind. [...] Grauenvoll, egozentrisch, unklug.«

      Ich stimme zu. Was aber ist klug?

      Was mir wichtig scheint:


      1. ein gemeinsamer, so breit wie nur irgend möglich aufgestellter Widerstand gegen staatliche und wirtschaftliche Ausspähung. Ein Widerstand, der seine Energien hauptsächlich gegen sich selbst richtet, hat schon verloren.

      2. Parallel dazu – aber nicht stattdessen! – das Streiten um Lösungen und um die Frage: Wie wollen wir die digitale Zukunft gestalten?

      Auf der Ebene des alltäglichen Lebens wartet diese Frage nicht, sie stellt sich längst, jeden Tag. Höchste Zeit, den Kinderschuhen zu entwachsen.

       

       

       


    Eine Veranstaltung der AG Kunst+Kultur der ver.di, initiiert vom Verband deutscher Schriftstellerinnen und Schriftsteller (VS), in Kooperation mit dem Kulturamt der Stadt Aschaffenburg, dem Martinusforum e.V. und der Petra-Kelly-Stiftung

    mit Unterstützung der Staatsministerin für Kultur und Medien.

    VS Fachgruppe Literatur der ver.di Unterstützer