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    Wir lesen und schreiben, »weil wir mehr als ein Leben leben wollen«

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    03.07.2019

    Bernhard Schlink zum 75. Geburtstag

    VS Fachgruppe Literatur der ver.di Ps45md Bernhard Schlink  – at Bowdoin College 2018

    In mehreren Interviews hat der international renommierte und in so viele Sprachen übersetzte Bestsellerautor Bernhard Schlink seine Motivation zum Schreiben geschildert. Schreiben trägt zu seinem persönlichen Glück bei, denn er erleidet keine Qual oder Schreibblockaden wie andere Autorinnen und Autoren.

    Geboren wurde Schlink am 6. Juli 1944 bei Bielefeld, doch sein ganzes Leben ist von Reisen in unzählige Universitätsstädte Deutschlands und außerhalb geprägt: Heidelberg (Gymnasium und Jura-Studium), Freie Universität Berlin, Technische Universität Darmstadt, Universitäten Bielefeld, Stanford, Freiburg, wo er 1981 habilitierte; Professuren in Bonn, Frankfurt am Main, wieder Berlin. Von 1987 bis 2006 war er Richter am Verfassungsgerichtshof für das Land Nordrhein-Westfalen in Münster. 1987 wurde er von der Universität Aix-en-Provence eingeladen. Hier sollte der Schriftsteller Bernhard Schlink geboren werden: mit Walter Popp schrieb er gemeinsam den Kriminalroman: »Selbs Justiz«.

    Nach zwei weiteren Kriminalromanen erschien 1995 sein großer Erfolg »Der Vorleser«, der den Hans-Fallada-Preis 1998, den italienischen Literaturpreis Grinzane Cavour 1997, den Sonderkulturpreis der japanischen Tageszeitung Mainichi Shimbun und den Prix Laure Bataillon (den best dotierten französischen Preis für übersetzte Literatur) erhielt. Die amerikanische Ausgabe erreichte Platz 1 der Bestsellerliste der New York Times. 20 Jahre danach fand eine Lesung daraus, am 16. Juni 2016 in Barcelona statt. Dieser und weitere Romane des Autors wurden verfilmt, sowie eine Erzählung aus seiner Sammlung »Liebesfluten« im Jahre 2000 und »Das Wochenende« im Jahr 2013. »Die Frau an der Treppe« (2014) und »Olga« (2018) gehören ebenfalls zu seinen in Deutschland meistverkauften Romanen.

    Bernhard Schlinks gesamte Publikationsliste aufzuführen, würde den Rahmen dieser Würdigung sprengen. Neben seinen juristischen Fachbüchern schrieb er Erzählungen: »Sommerlügen« (2010); Essays: »Gedanken über das Schreiben. Heidelberger Poetikvorlesungen« (2011), und einige Kriminalromane, eine Gattung, die seine Neugier besonders reizt, genauso wie historische Stoffe, die er mit seiner profunden Kenntnis der deutschen Geschichte in seinen Werken menschlich veranschaulicht, wie zum Beispiel im »Vorleser« in dem die Psychologie einer Analphabetin unübertrefflich dargestellt wird. Er sagte in einem Interview zum Spiegel im Januar 2002: »Es gibt eine Theorie zum Analphabetismus, die besagt, dass die eigene Lebensgeschichte von Analphabeten viel schwieriger erinnert und begriffen wird als von Menschen, die lesen und schreiben können. Wer das Vergangene nicht im Umgang mit Texten präsent halten kann, wird zu einer geschichtslosen Existenz.«

    Auch politisch engagierte sich Bernhard Schlink u. a. als langjähriges Mitglied des VS, des PEN und seit 1972 der SPD. Im Jahr 2015 erhielt er das Bundesverdienstkreuz 1. Klasse.

    Wir ziehen als Fazit, dass Bernhard Schlink, der gegenwärtig in New York und Berlin wohnt, sich tatsächlich die Sehnsucht nach mehr als einem Leben erfüllen konnte: als Juraprofessor und Verfassungsrichter und als Schriftsteller literarischer Texte, der internationale Beachtung erfährt.

    Der Bundesvorstand des Verbands deutscher Schriftstellerinnen und Schriftsteller gratuliert ihm sehr herzlich zu seinem Jubiläum. Wir hoffen alle auf viele weitere Werke aus seiner Feder, damit wir durch das Lesen auch mehr als nur ein Leben in uns durchleben und begreifen können.

     

    Pressekontakt

      Für Rückfragen und Informationen wenden Sie sich bitte an:
    Valentin Döring • +49.30.6956-2327 • info@schriftstellerverband.org

    Die VS-Pressemeldung ...

    VS Fachgruppe Literatur der ver.di
    Foto/Grafik: VS

    ... vom 3. Juli 2019
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