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    Wir brauchen eine neue Zukunftserzählung

    Wir brauchen eine neue Zukunftserzählung

    27.02.2018

    Der Verband deutscher Schriftstellerinnen und Schriftsteller beobachtet mit Besorgnis den Rechtsruck und den Rückfall in nationalistisches Denken in unserem Land, aber auch in Europa und weltweit. Demokratische Werte scheinen plötzlich nicht mehr selbstverständlich, der Zusammenhalt in der Gesellschaft bröckelt. Der Blick zurück ist aber gefährlich und kann keines der anstehenden Probleme lösen, so die VS Vorsitzende Eva Leipprand. Über Jahre hin hat die Politik auf Bundesebene versäumt, sich mit den Auswirkungen von Globalisierung und Digitalisierung auf Kultur und Gesellschaft auseinanderzusetzen. Der VS appelliert an die neue Bundesregierung, endlich eine sinnstiftende
    Zukunftserzählung zu entwickeln.

    Bei ihrer Jahrestagung in der Bundesakademie für kulturelle Bildung in Wolfenbüttel diskutierten die Bundes- und Landesvorsitzenden des VS am 23. Februar 2018 Grundlinien einer Charta zur Wahrung demokratischer Rechte, die für die Mitgliedschaft im VS bindend werden soll. Diese Charta soll beim Jubiläumskongress zum 50-jährigen Bestehen des VS im Februar 2019 verabschiedet werden.

    Ebenso wurde auf der Sitzung in Wolfenbüttel beschlossen, dass sich der Verband der Initiative »#VerlageGegenRechts« anschließt und an entsprechenden öffentlichen Diskussionen auf der Leipziger Buchmesse teilnimmt. Seit seiner Gründung tritt der VS ein für freie Meinungsäußerung und eine humanistische, demokratische, offene Gesellschaft, die jedwede Form von Unterdrückung und Diskriminierung ablehnt. Er setzt sich ein für Frieden weltweit und ächtet Nationalismus als Keimzelle künftiger Kriege.

    Von der neuen Bundesregierung erwartet der VS neben einer harten inhaltlichen Auseinandersetzung mit der AfD auch wirksame Maßnahmen gegen die rechten Tendenzen im Land. Die rasanten Veränderungen infolge von Globalisierung und Digitalisierung haben vielerorts dazu geführt, dass Menschen sich verunsichert und machtlos fühlen. Der Blick zurück in die »gute alte Zeit« scheint Geborgenheit zu garantieren. Einfache Antworten aus der Mottenkiste des Nationalismus und Rassismus haben Hochkonjunktur. Abgrenzung, Ausgrenzung und Abwertung anderer können aber keine Lösung sein für Probleme, die ganz klar übernationaler Natur sind, so die Vorsitzende. Dies muss immer wieder deutlich gemacht werden. Gerade weil die Globalisierung vielerorts zu Raubbau, Umweltzerstörung und großer Ungerechtigkeit geführt hat. verlangt eine gute und zukunftsfeste Politik nach einer übernationalen Sichtweise. Die Themen Umwelt, Gerechtigkeit und Migration bedingen sich gegenseitig.

    Der VS ruft die Bundesregierung auf, die Gestaltungsmacht der Politik auf allen Ebenen gegenüber der wachsenden Ökonomisierung unserer Lebenswelt geltend zu machen. Die Humanisierung der neuen Technologien ist dringend notwendig, ebenso wie digitale Grundrechte für jede und jeden. Die Demokratie als Staatsform muss wieder an Glanz gewinnen und Visionen für die Zukunft entwickeln, zum Beispiel im Rahmen der Europäischen Union. Internationale Digitalkonzerne haben sich an die Regeln zu halten, nach denen unsere Gemeinschaft funktioniert: Steuern zahlen, Datenschutz und Urheberrecht achten, gerechte Arbeitsbedingungen schaffen. Die Wirtschaft muss wieder dem Menschen dienen und nicht umgekehrt. Nur so kann das Vertrauen entstehen, das unsere Gesellschaft zusammenhält.

    Pressekontakt

      Für Rückfragen und Informationen wenden Sie sich bitte an:
    Valentin Döring • +49.30.6956-2327 • info@schriftstellerverband.org

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