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    Noch ein Geburtstag ohne Uhr

    Noch ein Geburtstag ohne Uhr

    17.10.2019

    Seit 30 Jahren trägt er keine. Unser VS-Kollege Karlheinz Geißler, Zeitforscher und emeritierter Professor für Wirtschaftspädagogik, lässt sich nicht von der manipulierten Zeit steuern und lebt nicht nach der Uhr, sondern nach seinem eigenen Zeitsystem, seinem Rhythmus.

    Karlheinz Geißler wurde am 20. Oktober 1944 in Deuerling geboren. Nach seiner Promotion in Wirtschaftswissenschaften war er kurze Zeit als Lehrer an berufsbildenden Schulen tätig, danach folgten Forschungs- und Lehrtätigkeiten an Universitäten, im Karlsruher Institut für Technologie und an der Universität Augsburg und München. In München lehrte er von 1975 bis zu seiner Emeritierung 2006 an der Universität der Bundeswehr.

    VS Fachgruppe Literatur der ver.di Bayern screenshot timesandmore

    Prägend für sein Leben und Werk war auch das Studium der Philosophie und Pädagogik, denn er ist mehr als ein Zeitforscher, wie er meistens genannt wird, er ist ein Zeitphilosoph. Die Zeit ist sein Thema in Büchern, Interviews und in seinen Aktivitäten. Er ist u.a. Mitinitiator und Leiter des Projekts »Ökologie der Zeit« der Evangelischen Akademie Tutzing, Mitgründer der Deutschen Gesellschaft für Zeitpolitik und Gründer und Teilhaber von timesandmore – Institut für Zeitberatung.

    Die Titel seiner Veröffentlichungen vermitteln ein klares Bild seiner Philosophie der Gelassenheit und Freiheit gegenüber moderner Hektik und kapitalistischen Gedanken der Zeit als Geldquelle. Angefangen mit »Es muss in diesem Leben mehr als Eile geben« (2001) bis zu den jüngsten Erscheinungen: »Enthetzt Euch! Weniger Tempo – mehr Zeit« (2012), »Alles hat seine Zeit, nur ich hab keine« (2014), »Time is Honey: Vom klugen Umgang mit der Zeit« (2015, zusammen mit Jonas Geißler) und »Die Uhr kann gehen: das Ende der Gehorsamkeitskultur« (2019).

    In einem Interview von Gabriele Ingenthron am 10. Juli 2018 sagt Karl Heinz Geißler: »Ohne Uhr kein Kapitalismus. Bevor der Kapitalismus Fahrt aufgenommen hat, bis zum Ende des Mittelalters, war die Zeit das, was die Natur an Signalen angeboten hat, also das Werden und Vergehen in der Natur. Daran hat sich der Mensch orientiert, er war Teil der Natur. Erst als man die abstrakte Zeit erfunden hat, die Natur aus der Zeit gelöst hat, konnte man sie mit Neuem füllen – mit Geld. Seitdem kann man Zeit mit Geld verrechnen. Wir haben es übertrieben mit den Uhren. Auch wenn wir nichts koordinieren, schauen wir andauernd auf die Uhr. Das ist völlig überflüssig.«

    Der Bundesvorstand des Verbands deutscher Schriftstellerinnen und Schriftsteller gratuliert Karl Heinz Geißler sehr herzlich zu seinem Geburtstag, mit dem Wunsch nach viel Gesundheit, und dass er seinen Lebensgenuss und den »Ausweg aus der Beschleunigung« weiterhin finden möge.

    Pressekontakt

      Für Rückfragen und Informationen wenden Sie sich bitte an:
    Valentin Döring • +49.30.6956-2327 • info@schriftstellerverband.org

    Die VS-Pressemeldung ...

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    Foto/Grafik: VS

    ... vom 17. Oktober 2019
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