Interviews und Statements

    Nike Leonhard

    Nike Leonhard

    VS Fachgruppe Literatur der ver.di Florian Ottenburg Nike Leonhard


    Wie hat die Digitalisierung mein persönliches Leben
    als Autorin, aber auch als Leserin verändert?

    Als jemand, der bereits als Teenager von der elektrischen Schreibmaschine auf den Computer umgestiegen und mit den technischen Möglichkeiten mitgewachsen ist, tue ich mich schwer, von einer Veränderung in meinem persönlichen Leben als Autorin zu sprechen. Merklich ist diese Veränderung aber für mich als Leserin: Der Begriff »Buch« war für mich lange Zeit geradezu ein Synonym für »Print«. Ich habe von Haptik und Geruch gedruckter Bücher geschwärmt, und war mir sicher, dass sich E-Books allenfalls im Segment der Sachbücher und Periodika durchsetzen würden – bis ich einem Reader geschenkt bekam und die ersten Bücher darauf gelesen habe. Seither möchte ich ihn nie mehr missen.

    Digitalisierung bedeutet für mich in erster Linie Erleichterung: Als Leserin komme ich leichter an Bücher, da man von jedem Ort der Welt per Onleihe oder im Online-Shop neuen Lesestoff besorgen kann. Ich kann ganze Bibliotheken mit mir tragen, ohne dass mich das Gewicht belastet, bei jedem Licht lesen und sogar die Schrift individuell anpassen. Als Autorin schätze ich Computer als Arbeitsmittel und die Cloud als Speichermedium. Als Publizistin freue ich mich über die Vielfalt einfacher Veröffentlichungswege.

    Was mich ärgert und mir Sorgen bereitet, ist die andauernde Wahrnehmungsdiskrepanz in der Diskussion, was den Wert eines Buches ausmacht. Es besteht zwar Einigkeit dahingehend, dass Lesen eine wichtige Kulturtechnik ist, die gefördert werden muss. Aber wenn wir über Bücher sprechen, dann in der Regel über Print. E-Books gelten vielen immer noch als etwas grundverschiedenes. Das schlägt sich nicht nur im Mehrwertsteuersatz nieder, sondern zieht sich über rechtliche Fragen (Urheberrecht, E-Lending), bis hin zur Gestaltung der Online-Shops des Buchhandels. E-Books werden in erster Linie über das Preisargument vertrieben. Diese, gerade unter Selfpublishern verbreitete Discountermentalität zementiert nicht nur das schlechte Image von E-Books als minderwertige Alternative zum Print, sondern führt auch dazu, dass kaum ein Selfpublisher von seinen E-Books leben kann.

     

     

     

     

     

     

     

     

     

      

    Veranstaltungshinweis

    LESUNG

    Sonnabend, 16. Februar 2019
    19:00 Uhr und 20:30 Uhr
    Stadtbibliothek
    63739 Aschaffenburg, Schlossplatz 2

    https://vs.verdi.de/50jahrevs/kongress/lesunge