Interviews und Statements

    Fred Breinersdorfer

    Fred Breinersdorfer

    VS Fachgruppe Literatur der ver.di Kiên Hoàng Lê Fred Breinersdorfer

    Wir Digi-Loser

    Ja, es ist richtig, die Digitalisierung hat nicht nur Vorteil und Segen für uns Kreative gebracht, wenn man Mal davon absieht, dass wir die Rollos in unseren Luxusvillen per Handy bedienen können, wir uns dort ständig von einem Lautsprecher zuquatschen lassen können und unsere üppigen Wertpapierdepots online verwalten und unsere Werke, wenn sie kein Verwerter vermarktbar findet, im Internet prostituieren können.

    Aber da ist noch die Piraterie, nicht nur die große durch illegale Streaming Plattformen in Tadschikistan und sonst wo, nein auch die alltägliche, die so verdammt selbstverständlich geworden ist, dass man sie fast nicht mehr wahrnimmt. Ich rede von YouTube, dem Piratenmonster, auf dem sich auch gerne unsere Volksvertreter featuren, die Regierungsparteien mit eigenen Kanälen, beispielsweise die SPD mit »SPDVision« (ja, sie nennen es »Vision«), 12.631 Abos, oder die CDU mit »cdutv« mit knapp 1.500 Videos im Angebot. Dagegen ist erstmal nichts zu sagen, würden die Herrschaften sich wirklich intensiv darum kümmern, dass YouTube den geistigen Diebstahl unterbindet oder sich von der Plattform entfernen.

    Denn die Piraterie auf derselben Plattform trifft mich, meine Arbeit, meine Werke. Nehmen wir nur als ein Beispiel meinen ZDF-Fernsehfilm »Der Hammermörder« aus dem Jahr 1990. Er ist auf YouTube gleich mehrfach illegal hochgeladen, Mal in mehreren »Teilen«, Mal ungekürzt. Seit einem Jahr beispielsweise von einem Anonymus namens »stefan night«, der einen eigenen Kanal betreibt und damit Geld macht, jedenfalls muss bei 68.937 Aufrufen was hängenbleiben. Bei mir nicht, so viel steht fest. Ich habe mit der legalen digitalen Nutzung meiner gesamten Werke, darunter über 70 abendfüllende Filme, im vergangenen Jahr 873,77 Euro verdient. Wieviel »stefan night« überwiesen bekommen hat und die anderen Diebe? Keine Ahnung. Ich kann den Banditen auch nicht das Handwerk legen, weil ich die Rechte nicht habe. Sie liegen im Falle »Hammermörder« beim ZDF, wo man angesichts der Flut der Piraterie aller Filme und Beiträge schlicht machtlos ist, einen Urheberwiderspruch durchzusetzen.

    Nun hoffen wir auf die geplante EU-Richtlinie und Urheberrechtsfilter – in der Gewissheit, dass den Banditen wieder etwas einfällt um uns zu bestehlen.

     

      

    Veranstaltungshinweis

    Gesprächsrunde
    mit Bundesvorsitzenden des VS

    Freitag, 15. Februar 2019
    ab 17:00 Uhr
    Stadttheater
    63739 Aschaffenburg, Schlossgasse 8

    https://vs.verdi.de/50jahrevs/kongress/festakt