Interviews und Statements

    Regine Möbius

    Regine Möbius

    VS Fachgruppe Literatur der ver.di DKR Regine Möbius

    Wie hat die Digitalisierung
    mein persönliches Leben als Autorin aber auch als Leserin verändert?

    Lesen ist in jedem Fall eine langsame Gangart, eine gründliche, eine sehr persönliche. Und plötzlich die Geschwindigkeit als unbestrittener Vorteil des elektronischen Publizierens, einfach die Tatsache, dass man eine ganze Bibliothek auf Reisen mitnehmen kann – das ist jetzt alles möglich. Alles ist auf dem E-Book eben drauf. Dieses neue Leseverhalten vielleicht, ein Hin- und Herspringen, eine Möglichkeit eben der jederzeitigen Verfügbarkeit, ist mir oft angepriesen und vorgeführt worden.

    Aber noch immer unterscheide ich die Arbeitssituation, die ich mir als Autorin, als Kulturpolitikerin, als vernetzter Mensch nicht mehr ohne die digitalen Möglichkeiten vorstellen könnte und den privaten Genuss am schöngebundenen, interessant illustrierten Buch, mit dem ich immer beim Lesen ein persönliches Verhältnis eingehe, dem Verlag innerlich danke ob der Ausstattung des Buches, beim Lesen das Papier spüre (gelegentlich bekritzele) und ein Zwiegespräch führe, das mir mit einem elektronischen Medium wohl schwer möglich wäre.

    Die Demokratisierung aber auch Demagogisierung, die das Internet mit sich bringt, finde ich bereichernd und bedrückend. Die Möglichkeit für jeden, zu veröffentlichen, zu sehen, was sich durchsetzt, ist spannend. Heutzutage ist es für Schriftstellerinnen und Schriftsteller einfacher, veröffentlicht zu werden – allerdings auch schwieriger, in der Menge der Neuerscheinungen wahrgenommen zu werden. Viel Gutes bleibt unbemerkt, viel Leichtes bzw. Seichtes wird nach oben gespült. Der Großteil der Leserinnen/Leser konzentriert sich vermutlich unabhängig von digitalen Angeboten auf ein paar Bestseller, weil kaum einer sich die Mühe macht und es auch gar nicht kann, durch die Menge von Büchern im virtuellen und realen Raum durchzublicken.

    Veranstaltungshinweis


    Gesprächsrunde

    mit Bundesvorsitzenden des VS

    Freitag, 15. Februar 2019
    ab 17:00 Uhr
    Stadttheater
    63739 Aschaffenburg, Schlossgasse 8

    https://vs.verdi.de/50jahrevs/kongress/festakt 


    Während des VS-Kongresses moderiert Regine Möbius die Lesungen mit Caritas Führer und Kurt Mondaugen

    Sonnabend, 16. Februar 2019
    19:00 Uhr und 20:30 Uhr
    Hofbibliothek
    63739 Aschaffenburg, Schlossplatz 4

    https://vs.verdi.de/50jahrevs/kongress/lesungen