Festakt

    Regine Möbius

    Regine Möbius

    VS Fachgruppe Literatur der ver.di DKR Regine Möbius

    Regine Möbius, Jahrgang 1943, absolvierte ein Abendstudium »Chemische Verfahrenstechnik« an der Ingenieurschule Köthen und ein Hochschulfernstudium am Institut für Literatur »Johannes R. Becher« Leipzig.

    • Von 1990
      bis zur Abwicklung 1992 arbeitete sie als Honorardozentin an der Fachschule für Soziokultur Meißen und in der Erzieherausbildung.
    • Von 1990 bis 1997
      war sie tätig als Korrespondentin am Börsenblatt für den deutschen Buchhandel.
    • Seit 1987
      leitet sie kontinuierlich literarischen Workshops im deutschsprachigen Raum für Kinder, Jugendliche und Erwachsene.
    • 1993 bis 1997
      war sie Bezirksvorsitzende (Leipzig) des Verbandes deutscher Schriftsteller (VS)
    • 1994
      gründete sie den Landesverband Sachsen des Verbandes deutscher Schriftsteller (VS), dem sie bis 2007 vorstand.
    • Seit 1996
      Gründungs- und Vorstandsmitglied des Kulturwerks deutscher Schriftsteller in Sachsen e.V.
    • Seit 1997
      ist sie stellvertretende Bundesvorsitzende des Verbands deutscher Schriftstellerinnen und Schriftsteller VS.
    • Seit 2007
      engagiert sie sich als Bundesbeauftragte für Kunst und Kultur der ver.di.
    • 2011
      wählte sie der Deutsche Kulturrat zur Vizepräsidentin.
    • Bis 2017
      organisierte sie sieben Mal als Festivalleiterin den »Leipziger Literarischen Herbst«.
    • Seit 2014
      ist sie Mitglied des Arbeitskreises gesellschaftliche Gruppen der Stiftung »Haus der Geschichte der Bundesrepublik Deutschland«, zu dessen Vorsitzende sie 2018 gewählt wurde.

    Veröffentlichungen (Auswahl)

    Zu ihren Veröffentlichungen als Autorin und Publizistin gehören neben regelmäßiger umfänglicher Essayistik, Prosa, Publizistik und Lyrik in Anthologien und Zeitschriften, u.a.

    VS Fachgruppe Literatur der ver.di Plöttner Das Halbvolle Glas


    Autoren in den neuen Bundesländern
    . Schriftstellerporträts. Leipzig: Thom Verlag 1995.

    (Hg.): Auf dem endlosen Weg zum Hause des Nachbarn. Göttingen: Steidl 2000.

    Panzer gegen die Freiheit. Zeitzeugen des 17. Juni berichten, Leipzig: Evangelische Verlagsanstalt 2003

    Wortmacht und Machtwort der politische Loest, Plöttner Verlag, Leipzig 2009

    (Hg.) Die Wende begann am Balaton, Plöttner Verlag, Leipzig 2010

    (Hg.) Das halbvolle Glas. Erich Loest Lesebuch, Plöttner Verlag, Leipzig, London 2012

    meerzugewandt, Gedichte, Plöttner Verlag, Leipzig, London 2013

     

    Wie hat die Digitalisierung
    mein persönliches Leben als Autorin aber auch als Leserin verändert?

    Lesen ist in jedem Fall eine langsame Gangart, eine gründliche, eine sehr persönliche. Und plötzlich die Geschwindigkeit als unbestrittener Vorteil des elektronischen Publizierens, einfach die Tatsache, dass man eine ganze Bibliothek auf Reisen mitnehmen kann – das ist jetzt alles möglich. Alles ist auf dem E-Book eben drauf. Dieses neue Leseverhalten vielleicht, ein Hin- und Herspringen, eine Möglichkeit eben der jederzeitigen Verfügbarkeit, ist mir oft angepriesen und vorgeführt worden.

    Aber noch immer unterscheide ich die Arbeitssituation, die ich mir als Autorin, als Kulturpolitikerin, als vernetzter Mensch nicht mehr ohne die digitalen Möglichkeiten vorstellen könnte und den privaten Genuss am schöngebundenen, interessant illustrierten Buch, mit dem ich immer beim Lesen ein persönliches Verhältnis eingehe, dem Verlag innerlich danke ob der Ausstattung des Buches, beim Lesen das Papier spüre (gelegentlich bekritzele) und ein Zwiegespräch führe, das mir mit einem elektronischen Medium wohl schwer möglich wäre.

    Die Demokratisierung aber auch Demagogisierung, die das Internet mit sich bringt, finde ich bereichernd und bedrückend. Die Möglichkeit für jeden, zu veröffentlichen, zu sehen, was sich durchsetzt, ist spannend. Heutzutage ist es für Schriftstellerinnen und Schriftsteller einfacher, veröffentlicht zu werden – allerdings auch schwieriger, in der Menge der Neuerscheinungen wahrgenommen zu werden. Viel Gutes bleibt unbemerkt, viel Leichtes bzw. Seichtes wird nach oben gespült. Der Großteil der Leserinnen/Leser konzentriert sich vermutlich unabhängig von digitalen Angeboten auf ein paar Bestseller, weil kaum einer sich die Mühe macht und es auch gar nicht kann, durch die Menge von Büchern im virtuellen und realen Raum durchzublicken.