Literatur unter Strom


    50 Jahre Verband deutscher Schriftstellerinnen und Schriftsteller


    Der VS wird 50 – und bleibt kein bisschen leise. Vom 14. bis 17. Februar 2019 findet der 22. Bundes- und Jubiläumskongress des VS in Aschaffenburg statt. Im Mittelpunkt der über 30 Lesungen, hochkarätig besetzten Debatten, des Poetry-Slam-Battle sowie der Delegiertenkonferenz stehen die Themen Politik und Digitalisierung: »Literatur unter Strom«.


    Zu Gast sind u.a. die Schriftsteller und Schriftstellerinnen Kerstin Hensel, Uwe Timm, Friedrich Ani und Nina George, der Poetry-Slam-Meister Jaromir Konecny und die muslimische Slam Poetin Kübra Böler, Deutschlands erfolgreichste Selfpublisherin Monika Pfundmeier, die ARD-Literaturkritikerin und Literaturlobbyistin Karla Paul sowie zahlreiche Gäste aus Politik und der Buchbranche.

    GRUSSWORTE zum Kongress 2019 in Aschaffenburg

    Monika Grütters

    VS Fachgruppe Literatur der ver.di
    Foto/Grafik: Elke Jung-Wolff

    Staatsministerin für Kultur und Medien

    »Literatur unter Strom« – so lautet das diesjährige Motto Ihres Bundeskongresses im fünfzigsten Jahr des Bestehens des Verbands deutscher Schriftstellerinnen und Schriftsteller (VS). Und es ist wahr: Literatur kann wie ehedem mit oder gegen den Strom schwimmen – doch heute scheint es, sie müsse auch immer unter Strom stehen. Bereits zu Ihrem vierzigsten Jubiläum haben Sie dies auf Ihrem Bundeskongress »Samtene und digitale Revolution« vorausschauend thematisiert und problematisiert. Kunst und Kultur brauchen Raum, brauchen Freiheit zur Entfaltung – einen Nährboden, auf dem schöpferische Leistungen auch im digitalen Zeitalter gedeihen können. Die Digitalisierung bietet Chancen, gerade jungen Menschen zeitgemäße Angebote und Zugänge zur Literatur zu eröffnen.

    Zugleich nimmt die Bundesregierung die Herausforderung an, vor die uns die im Netz weit verbreitete Gratismentalität stellt. Im Koalitionsvertrag haben sich die Vertragspartner auf ein starkes Urheberrecht zum Schutz des geistigen Eigentums verständigt. Ich sehe mich hier immer als Anwältin der Künstlerinnen, Künstler und Kreativen.

    Dabei brauchen wir wie schon bisher den engen Austausch mit dem VS. Mit Gelassenheit und Hartnäckigkeit, mit Durchsetzungsvermögen und diplomatischem Geschick tritt der VS seit nunmehr einem halben Jahrhundert für die Interessen der Schriftstellerinnen und Schriftsteller, Übersetzerinnen und Übersetzer ein. Fast 4.000 sind es mittlerweile – der schönste Beweis dafür, dass der programmatische Satz Heinrich Bölls, der vor 50 Jahren das »Ende der Bescheidenheit« anmahnte, Früchte trägt.

    Effektiv an den kulturpolitischen Schnittstellen stärken Sie die sozialen und vertraglichen Arbeitsbedingungen Ihrer Mitglieder. Ihr Wirken zeigt, dass intellektuelle Individualität, Einsatz für das Gemeinwohl und hohe Professionalität auf das Beste miteinander vereint werden können. Und das soll auch so bleiben.

    Ich gratuliere dem Verband deutscher Schriftstellerinnen und Schriftsteller herzlich zu seinem runden Jubiläum und wünsche allen Besucherinnen und Besuchern des Kongresses in Aschaffenburg anregende Debatten. Diese sind umso wichtiger gerade vor dem Hintergrund wachsenden Populismus', in denen allzu einfache Antworten geradezu Konjunktur haben.

    Ich wünsche Ihrem Kongress anregende Diskussionen – auf dass die Literatur auch
    »unter Strom« ihre Haltung bewahrt.

    Bayerischer Staatsministers für Wissenschaft und Kunst

    »Literatur unter Strom« – unter diesem schillernden Motto feiert der Verband deutscher Schriftstellerinnen und Schriftsteller (VS) in diesem Jahr sein 50-jähriges Bestehen in Aschaffenburg. Als Kunstminister gratuliere ich herzlich zu diesem Jubiläum und freue mich besonders darüber, dass die Literatur so prominent in Bayern zu Gast ist. Im Namen der Bayerischen Staatsregierung begrüße ich alle Teilnehmerinnen und Teilnehmer an der Veranstaltung, die wir aus Mitteln des Kulturfonds Bayern gerne unterstützen.

    Bayern ist gemäß seiner Verfassung ein Kulturstaat. Und ich möchte ergänzen: Bayern ist ein Literaturland. Zahlreiche Autorinnen und Autoren, wichtige Verlage und literarische Institutionen sind hier zu Hause. Außerdem hat der Freistaat seit einigen Jahren ein breit angelegtes Förderprogramm für alle Akteure des literarischen Lebens etabliert.

    Die programmatische Arbeit des VS als Dachverband der Literatur in Deutschland ist Informations- wie Inspirationsquelle für die Öffentlichkeit und ebenso richtungsweisend für Förderentscheidungen. So macht der VS auf aktuelle Entwicklungen aufmerksam, lenkt den Blick auf Änderungsbedarf und regt eine fundierte Auseinandersetzung mit sozialen Problemlagen an. Als Interessensvertretung im Kulturbereich setzt der Verband immer wieder bedeutende Akzente, ob es um die finanzielle Situation von Schriftstellerinnen und Schriftstellern, Übersetzerinnen und Übersetzern geht, um die Repräsentation von Frauen im Literaturbetrieb oder um gesellschaftspolitische Fragestellungen.

    »Zu sagen was ist, bleibt die revolutionärste Tat« – dieser Herausforderung fühlen Sie sich als Literaten und Mitglieder des VS verpflichtet, finden die geeignete Sprache dafür und schaffen damit die Voraussetzungen für notwendige Veränderungen. So befassen Sie sich bei der Jubiläumsveranstaltung etwa mit den Fakten, die die Digitalisierung laufend schafft – ein Prozess, der uns alle umtreibt und unser ganzes Leben erfasst. Ich bin sehr gespannt auf Ihre Impulse zu neuen Lesegewohnheiten, Schreibformaten oder zu Autorschaft und Urheberrecht – Themen, denen wir uns gemeinsam stellen müssen. Ihnen allen wünsche ich einen erfolgreichen Kongress, viele fruchtbare Diskussionen und einen anregenden gedanklichen Austausch.

    Bernd Sibler

    VS Fachgruppe Literatur der ver.di
    Foto/Grafik: StMWK

    Klaus Herzog

    VS Fachgruppe Literatur der ver.di
    Foto/Grafik: Björn Friedrich

    Oberbürgermeister von Aschaffenburg

    Unter dem Motto »Das neue Europa – Literatur im Spannungsfeld zwischen Ost und West« veranstaltete der Verband deutscher Schriftstellerinnen und Schriftsteller (VS) 2005 seinen letzten Bundeskongress in Ingolstadt. 14 Jahre später trifft sich der Verband zu seinem Jubiläumskongress und zum 50-jährigen Bestehen erneut in Bayern, diesmal in Aschaffenburg und mit der Themenstellung »Literatur unter Strom. Chancen und Risiken der Digitalisierung«.

    Die digitale Evolution hat unser Leben seit dem Ende des letzten Jahrhunderts in allen Bereichen radikal verändert. Unendliche Möglichkeiten eröffnen sich dadurch im Wirtschafts- und Arbeitsleben, im privaten, sozialen und öffentlichen Leben. Zwischenmenschliche Interaktionsformen sind davon genauso betroffen wie die Mediennutzung, das Bildungswesen und wissenschaftliches Forschen, die Kunst oder die Politik. Die Schattenseite der digitalen Möglichkeiten spiegelt sich wiederum in den Stichworten Fake News, Shitstorm, Bedrohung der informationellen Selbstbestimmung, massenhafter Datenabgriff oder Aushöhlung des Urheberrechts. Es wird eine dauerhafte Herausforderung bleiben, die Digitalisierung kritisch zu begleiten, die nutzvolle Anwendung zu ermöglichen und zu fördern, andererseits Missbrauch zu vermeiden und Regeln für eine integre Gesellschaft zu entwickeln. Der 22. Bundeskongress des VS wird dazu zukunftsweisende Positionen formulieren.

    Wir freuen uns sehr darüber, dass sich der VS dafür entschieden hat, den Jubiläumskongress in Aschaffenburg durchzuführen und begrüßen alle Teilnehmerinnen und Teilnehmer sehr herzlich. Unsere Stadt wird sich für drei Tage in eine Literaturstadt verwandeln und mit einer Vielzahl von Lesungen, Poetry Slams und Diskussionen im Zeichen zeitgenössischer Literatur und ihren Herausforderungen in der digitalen und in der politischen Welt stehen. Mitglieder des VS werden in Aschaffenburger Schulen Lesungen und Workshops bieten. In der Literaturnacht am Samstag und dem Festakt am Freitag erleben Bürgerinnen und Bürger Aschaffenburgs und unsere Gäste hochkarätige Schriftstellerinnen und Schriftsteller an besonderen Leseorten unserer Stadt.

    Dem VS und seinen Delegierten wünschen wir lebendige Diskussionen mit guten, zukunftsweisenden Entscheidungen und allen Gästen angenehme, erlebnis- und ertragreiche Tage in Aschaffenburg.

    Stellvertretender Vorsitzender der ver.di

    Vereinte Dienstleistungsgewerkschaft ver.di
    Bundesfachbereichsleiter Medien, Kunst und Industrie

    Der Gründungskongress des VS 1969 – Mutig und entschlossen organisierten sich die »Einzelgängerinnen/Einzelgänger«, die vermeintlich nicht in der Lage waren gemeinsam Interessen durchzusetzen. Individualität wurde von vielen als Gegensatz zu Kollektivität und Solidarität gesehen. Auch in der veröffentlichten Meinung konnten sich viele damals nicht vorstellen, dass Individualität mehr ist als Egoismus, mehr ist als privates Kosten-Nutzen-Denken.

    Seit 50 Jahren stehen der VS und die Bundessparte der Übersetzerinnen und Übersetzer für diesen Zusammenschluss der Kreativen – die eben nicht ‚allein‘ sind. Dazu meinen herzlichen Glückwunsch! Wahrlich ein besonderer Geburtstag!

    Die großen gesellschaftlichen Herausforderungen können auch zukünftig nur mit klarer Haltung, Kreativität und Solidarität bewältigt werden. Egoismus, Rücksichtslosigkeit, Ausgrenzung und Feindlichkeit sind keine Basis für eine demokratische Gesellschaft. Deshalb ist der VS immer engagiert »aufgestanden« und hat kritisch Stellung bezogen. Literatur und andere Kunstformen legen dabei besonders den Finger in die Wunde. »Worte gegen Rechts« nenne ich dabei nur stellvertretend.

    Mit dem Programm zum Jubiläumskongress »Literatur unter Strom« greift der VS wieder aktuelle, drängende gesellschaftliche und berufspolitische Fragen auf. Wie funktionieren die Berufe Schriftstellerin/Schriftsteller und Übersetzerin/Übersetzer bei fortschreitender Digitalisierung und Internationalisierung des Buchmarktes? Wie positionieren wir uns gemeinsam gegen das Wiedererstarken längst überwunden geglaubter nationalistischer, menschen- und kulturfeindlicher Positionen? Und welche Rolle spielen dabei jeweils die digitalen Giganten als Netzwerke, Verstärker und Datenkraken?

    Ich bin mir sicher, gemeinsam werden wir bei den Kongressveranstaltungen kritische und interessante Diskussionen führen. Zeit auch für Gespräche am Rande von Veranstaltungen, Zeit für den Austausch kreativer Ansätze und Ideen für konstruktive Lösungen.

    Ich bedanke mich ganz herzlich bei unserer Gastgeberin, der Stadt Aschaffenburg, deren Oberbürgermeister Klaus Herzog, den Mitarbeiterinnen/Mitarbeitern ihres Kulturbüros, dem VS-Bundesvorstand, den Landesvorsitzenden und allen Weiteren, die den 22. Bundes- und Jubiläumskongress möglich machen.

    Frank Werneke

    Frank Werneke
    Foto/Grafik: Stefanie Herbst

    Elfriede Jelinek

    VS Fachgruppe Literatur der ver.di
    Foto/Grafik: Klaus Titzer | pa

    Schriftstellerin und Literaturnobelpreisträgerin

    Die neuen Populisten können derzeit alles sagen, auch wenn es nicht alle glauben mögen. Sie lieben es zu polarisieren und Menschen gegeneinander aufzuhetzen und falsche Gemeinschaften unter immer denselben Floskeln zu schaffen, eine Vereinigung unter einem vagen Gefühl. Das kann alles mit wenigen Sätzen umrissen werden. Selbst wenn man von liberaler Seite her versucht, ihnen ihre Legitimität streitig zu machen (was z.B. bei einem US-Präsidenten nicht geht, er ist ja gewählt), müssen die Gegner dieses Populismus, wenn auch widerwillig, das Gesagte als die derzeit vorherrschende Meinung anerkennen.

    Die Polarisierung, welche viele der Herrschenden, auch in Europa, jetzt erreichen, kann nur bestehen, indem die einen, vielleicht genauso widerwillig, aber doch, die anderen als Gegner eben anerkennen müssen. Nur so entstehen zwei ordentliche Fronten. Solange mit Worten gekämpft wird, ist alles in Ordnung. Die einfachsten Worte scheinen derzeit zu gewinnen, doch sie sind vielleicht nicht das letzte Wort. Aber da kommen wir als Schriftsteller und Schriftstellerinnen ins Spiel.

    Ich glaube, da können, müssen wir uns als Vereinigung einklinken, nicht weil wir immer recht hätten, sondern weil wir uns gegen das Andere setzen, gegen das Populistische, das allzu leicht vor johlenden Anhängern Herausgeschleuderte, Herausgebellte, und uns dort auf unserem Ausguck behaupten, damit diejenigen, die der Illusion erliegen, es gebe immer einfache Lösungen, nicht die Überhand gewinnen. Damit hätten wir schon viel erreicht.

    In diesem Sinn: herzlichen Glückwunsch zum 50. Geburtstag, VS, immerhin bist du jünger als ich, und du kannst alles sagen! Ich versuche das auch, bin aber schon etwas müde.

    Elfriede Jelinek,

    1946 geboren, hat E.J. für ihr literarisches Werk zahlreiche Auszeichnungen erhalten, darunter den Georg-Büchner-Preis und den Franz-Kafka-Literaturpreis. 2004 wurde ihr der Nobelpreis für Literatur verliehen. Seit 1975 ist sie Mitglied im VS. Ihr Theaterstück »Winterreise« (2011) zählt mit bisher über 20 Inszenierungen zu den meistgespielten deutschsprachigen Stücken der letzten Jahre.

    Der Kongress und die Veranstaltungen »Literatur unter Strom« werden dankenswerter Weise gefördert durch:

    VS Fachgruppe Literatur der ver.di
    Foto/Grafik:

    ver.di Kampagnen