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    Er nimmt das Leben beim Wickel

    Er nimmt das Leben beim Wickel

    Schriftsteller Jurij Koch zum 80. Geburtstag

    VS Fachgruppe Literatur Berlin/Brandenburg Serbske Nowiny / Matthias Bulang Jurij Koch

    Jurij Koch feierte im September seinen achtzigsten Geburtstag und alle kamen, um zu gratulieren: Freunde und Kollegen, der Domowina-Verlag, Rundfunk und Presse, Schriftstellerverband und Nachbarn.

    Die Sonne schien freundlich, die Gäste waren frohgestimmt. Wer Kochs Garten betrat, konnte gewiss sein, nicht abseits auf einem Stühlchen an einem Brötchen knabbern zu müssen – hier plauderte jeder angeregt mit jedem und die Sorben, von ausgesuchter Höflichkeit, verfielen sofort ins Deutsche, wenn sie bemerkten, dass jemand ihres Idioms nicht mächtig war.

    Was macht die Arbeit des Schriftstellers Koch besonders: Er weiß wunderbar Geschichten und somit Geschichte zu erzählen. Seine Sprache ist klar und knapp. Kein Firlefanz, keine Haken und Ösen, nichts wer weiß wie weit Dahergeholtes. Er schreibt für Kinder wie für Erwachsene.

    Er erfindet nicht, er tut, was den vornehmen Beruf des Schriftstellers ausmacht: Er nimmt das Leben beim Wickel und macht sich seinen Reim darauf. Dass die Sprache von besonderer Eleganz ist und hier und da regelrecht funkelt, mag daran liegen, dass Jurij Koch in zwei Muttersprachen zu schreiben begnadet ist.

    Jurij Koch bewies Mut vor Königsthronen: Wieviel verlieren wir, wenn wir soviel gewinnen? Die Frage nach Gewinn und Verlust stellte er auf dem Schriftstellerkongress 1987 sehr zum Ärger des Präsidiums und der Jasager und nur verteidigt von Hermann Kant. Koch sagte in seiner Rede, dass er jeden neuen Tagebau als Landes- und Weltbeschädigung betrachte.

    Wer mehr über den Schriftsteller Koch wissen möchte, dem seien die beiden autobiographischen Bände »Das Feuer im Spiegel« und »Das Windrad auf dem Dach« empfohlen.

    Übrigens, auch in diesen Zeiten ist das Häuschen der Kochs am Stadtrand nicht mit einer Fahne geschmückt.

    THOMAS BRUHN

    Aus: SPRACHROHR 4/2016