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    Dem eigenen Anspruch auf der Spur

    Dem eigenen Anspruch auf der Spur

    Auftakt für neue Begegnungen – Schriftstellertreffen des VS in Blossin

    Vom 11. bis 13. März 2016 lud der VS Brandenburg zum Schriftstellertreffen nach Blossin in Brandenburg ein. Organisator Thomas Bruhn hätte wohl kaum einen geeigneteren Ort finden können. Das Jugendbildungszentrum liegt malerisch am Wolziger See. Es hat einen eigenen Yachthafen für Segel- und Ruderboote, für deren Benutzung es leider zu kalt war. Wir waren in Bungalows untergebracht, die einfach, aber dennoch zum Wohlfühlen ausgestattet sind. Sie liegen mitten im Wald mit Blick auf den See. Nach dem gemeinsamen Essen wurde das Treffen in der Bar eröffnet. Angesichts der kalten Temperaturen wurde zunächst über Eiergrog diskutiert und die Vorsitzende des VS Berlin versprach, beim nächsten Treffen das Rezept mitzubringen.

    Schriftstellertreffen 2016 in Blossin | VS Fachgruppe Literatur der ver.di Brandenburg C. Winter Eine Masse an Informationen  – fürs aufmerksame Auditorium

    Erfahrungen mit Agenturen

    Am Samstagmorgen begann die Arbeit. Die Schriftstellerin Vera Kissel sprach über ihre 20-jährige Erfahrung mit Agenturen und »Sind drei Agenturen genug?«. Sie differenzierte zwischen Agenturen für Belletristik und Dramatik, Die Theaterverlage sind selbst bereits Agenturen; ohne sie haben Dramatiker so gut wie keine Chance, von einem Theater wahrgenommen zu werden. Bevor man nach einer Agentur sucht, sollte man sich fragen, was der eigene Anspruch ist. Ist Schreiben mein Beruf? Welches Profil habe ich? Eine faire Agentur arbeitet auf Erfolgsbasis.

    Urheberrecht und digitale Medien

    Der nächste Gast war Nina George, die einen spannenden Vortrag über das trockene Thema Urheberrecht hielt. Zunächst ging es um »illegale Downloads«. Hier handele es sich um den viertgrößten Schwarzmarkt direkt nach Waffen, Prostitution und Menschenhandel. Es dürfte wohl kaum ein e-book geben, das nicht schon »gehackt« wurde. Piraterie ist ein ernstzunehmendes Thema. Ebenso sind Plagiate auf dem Vormarsch, insbesondere in den USA mit »amazon« und »google«. Schätzungsweise
    23 Prozent der Deutschen beteiligen sich an illegalen Downloads. Man kann Anti-Tracker-Dienste kaufen um diese zu verschleiern. An der Piraterie verdienen viele, außer den Urhebern. Die »Library Genesis« in Russland soll zwei Milliarden illegale Titel haben.
    20 Prozent der Piraterie-Server befinden sich in den USA, fünf in Russland, die meisten aber vor unserer Haustür, in Amsterdam, registriert z.B. in Togo.

    Die Masse an Informationen konnte man bei langen Spaziergängen am See vertiefen. Am Nachmittag kamen Teilnehmerinnen und Teilnehmer selbst zu Wort in einer Lesung von Gedichten oder Kurzgeschichten.

    Entwicklung des Hörspiels

    Der dritte Gast dieses Treffens war Barbe Plensat, die über ihre Tätigkeit als Hörspielregisseurin berichtete. Dabei lag ihr Fokus auf der geschichtlich-ästhetischen Entwicklung des Hörspiels, das 1924 unter dem Titel »Zauberei auf dem Sender« erstmals in Erscheinung trat. Seine Anfänge waren von großer Experimentierfreude gekennzeichnet, mit einem bildlosen Medium etwas Bildhaftes zu erzeugen.

    Nach dem 2. Weltkrieg entwickelte sich das Hörspiel in Ost und West unterschiedlich. In den späten 1960er Jahren begann sich das Hörspiel im Westen wieder auf seinen experimentellen Charakter. In der DDR wurde die realistische und dramatische Erzählstruktur beibehalten mit dem »Arbeiter« als dramatischer Held, »zeitnah, parteilich und volksnah«. Heute hat das Hörspiel eine breit gefächerte Ausdruckspalette, es ist »akustische Kunst«, was mit Hörbeispielen bestätigt wurde.

    Das Schriftstellertreffen endete mit dem dringenden Wunsch nach Fortsetzung 2017.

    Astrid Vehstedt

    aus: SPRACHROHR 3/2016