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    Immer mit Humanismus beschäftigt

    Immer mit Humanismus beschäftigt

    Marianne Schmidt
    wirkte lebenslang für die Literatur – Ringen mit Ignoranz und Kommerz

    VS Fachgruppe Literatur Brandenburg Thomas Singer Marianne Schmidt

    Am 18. September 2017 starb im Alter von 88 Jahren Prof. Dr. Marianne Schmidt. Der Landesverband Brandenburg des VS verliert in ihr eine Kollegin, die lebenslang für die Literatur gewirkt hat.

    Geboren 1929 .in Berlin als Marianne Lange, studierte sie an der Humboldt-Universität Pädagogik, Germanistik und Theaterwissenschaft, heiratete 1951 den Schriftsteller Konrad Schmidt, erzog mit ihm in Kleinmachnow die beiden gemeinsamen Söhne und promovierte 1966 in Greifswald.

    Das Thema ihrer Dissertation, »Probleme des Humanismus und der Perspektive im Schaffen Wolfgang Borcherts«, könnte in abgewandelter Form auch einem Text über ihr Wirken als Überschrift dienen. Als Mitarbeiterin der Literaturzeitschrift »neue deutsche literatur«, als Mitglied des Aktivs Literaturkritik im Schriftstellerverband der DDR, als Professorin am Leipziger Literaturinstitut, als Gemeindevertreterin in Kleinmachnow, als Leiterin einer Schreibwerkstatt, als Herausgeberin – immer war sie mit Problemen des Humanismus beschäftigt, mit denen nämlich, die ihm in dieser Welt bereitet werden. Immer ging es für sie um die Perspektive, die er hat – erst im Ringen mit parteipolitischen Vorgaben, dann in dem mit Ignoranz und Kommerz.

    So gehörte sie zu den Gründern des Joliot-Curie-Clubs, der sich in Kleinmachnow etablierte. So setzte sie sich im Aktiv Literaturkritik für eine bessere Bezahlung der Kritiker ein und plädierte für die Untersuchung von Strukturen anstatt einer Zensur von Inhalten. So gab sie 2016 gemeinsam mit anderen Literaturwissenschaftlern das Buch »Petzow – Villa der Worte. Das Schriftstellerheim in Erinnerungen und Gedichten« heraus, ein Buch, das viele Autoren begrüßten, gehört das Schriftstellerheim in Petzow doch, auch wenn es nun keines mehr ist und der jetzige Besitzer des Hauses mit dessen Vergangenheit nichts zu tun haben will, nicht nur zu Brandenburgs kulturgeschichtlichen Schauplätzen, sondern auch in manche Biografie.

    Marianne Schmidt war aktiv bis zuletzt. Sie hielt Lesungen und Vorträge – zu Wolfgang Borchert, zu Erwin Strittmatter, zu Anna Seghers, zu Irma Harder oder auch, wie noch vor wenigen Monaten im ver.di Bildungs- und Begegnungszentrum, einen Workshop zum Thema Bitterfelder Weg.

    Wir werden sie vermissen. Alles: ihre Meinungsäußerungen, ihr Wirken, ihre fragile Erscheinung, ihre überraschend junge, kein bisschen gealterte Stimme. Und wir werden uns dessen erinnern. Dankbar und gern.

    Ingeborg Arlt

    aus: SPRACHROHR 4/2017