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    Aktuelles zur VG WORT

    Aktuelles zur VG WORT

    Berlin, Januar 2017: In diesen Tagen erreichen Euch vermutlich Briefe von Verlagen, die bitten, der VG Wort gegenüber eine Verzichtserklärung abzugeben. Es geht dabei um den Anteil an den Erlösen, den die VG Wort seit ihrem Bestehen pauschal an Verlage ausgeschüttet hat. Inzwischen gibt es dazu allerdings ein Urteil – wir haben darüber informiert – des Bundesgerichtshofes (BGH), das diese Praxis für unzulässig erklärt hat.

    Die VG Wort fordert deshalb für die Jahre 2012-2015/16 die Ausschüttungen an Verlage zurück oder hat sie bereits einbehalten. Die Gelder sollen nun an die Urheberinnen und Urheber fließen. Es geht konkret um diese nachträgliche Ausschüttung. Wer darauf verzichtet, erlaubt es der VG Wort, von Rückzahlungsforderungen gegen die Verlage abzusehen oder nachträglich die einbehaltenen Ausschüttungen an Verlage vorzunehmen. Die nachträgliche Ausschüttung an Euch entfällt dann.
    Möglich ist ein Verzicht jeweils nur für alle Werke, die in einem Verlag erschienen sind. Welche Verlage begünstigt werden sollen, ist frei wählbar. Der ganze Prozess ist anonym.

    Spontan sagen vermutlich viele »nein, warum denn auch«. Der Sachverhalt ist aber, wie ihr von den rechtlichen Auseinandersetzungen um die VG Wort und einen grundsätzlichen Anspruch zur Beteiligung der Verlage wisst, etwas vielschichtiger.

    Weiterhin ist Verlag nicht gleich Verlag. Zu unterscheiden sind grob: Belletristik-, Wissenschafts-, Zeitungs- und Zeitschriftenverlage. Es gibt jeweils kleine, mittlere und große, darunter gute und schlechte Vertragspartner. Ihr allein wisst am besten, wie Ihr Euer Gegenüber einzuschätzen habt. Wenn z.B. eine gemeinsame Vergütungsregel (wie die Vergütungsregel Belletristik) existiert, die auch eingehalten wird, ist die Lage im Grundsatz positiv. Es spricht für ein ausgewogenes Verhältnis der Verhandlungspartner auf Augenhöhe. Bei Aushandlung der Vergütungsregel gingen alle Beteiligten übrigens von einer Beteiligung der Verlage in der VG Wort aus, wie das auch im Normvertrag vorgesehen ist. Vorstand und Honorarkommission der Bundessparte Übersetzer im VS haben deshalb darauf aufbauend eine Empfehlung abgegeben, die wir für gut und praktikabel halten:

    • »Vorstand und Honorarkommission des VdÜ empfehlen, denjenigen Verlagen den VG-Verlagsanteil zukommen zu lassen, die sich den Gemeinsamen Vergütungsregeln (GVR) von 2014 angeschlossen haben oder ihre Verträge daran ausrichten, ohne die GVR zu unterzeichnen. In allen Fällen liegt es allein in Eurem Ermessen, auf die Anteile zu verzichten oder aber nicht, z.B. je nachdem, wie fair die Verträge des jeweiligen Verlages ausfallen.«

    Das ist kurz und knackig. Aber da der Sachverhalt diffiziler ist, möchten einige sich das vielleicht gern im Detail überlegen. Hier können wir auf die von uns mitgetragene »Initiative fairer Buchmarkt« verweisen.

    Bei der Einschätzung, ob man der Aufforderung der Verlage nachkommen und zu ihren Gunsten auf den VG-Verlagsanteil verzichtet, gibt unser Mitglied Nina George auf der Homepage »Fairer Buchmarkt.de« eine ausführliche Pro- und Kontrabewertung, die bei der eigenen Positionsfindung sehr hilfreich ist.

    Fazit: Wenn Ihr Euch von Verlagen fair behandelt fühlt, lasst ihnen den Anteil aus Einnahmen aus z.B. Kopie- und Bibliothekstantiemen. Wenn Ihr Euch unfair behandelt fühlt und/oder Ihr Euch zum Verzicht gedrängt fühlt, lasst ihnen den Anteil nicht; das ist Euer gutes Recht.

    Mit kollegialen Grüßen

    gez. Eva Leipprand
    Bundesvorsitzende VS

    Verzichtserklärung: Pro & Contra

     

     

    Die Information

    der VS-Vorsitzenden vom Januar 2017 kann als pdf-Datei hier geladen werden.