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    Dezember 2017: Böll-Monat

    Dezember 2017: Böll-Monat

    VS Fachgruppe Literatur der ver.di wikimedia | Bundesarchiv Heinrich Böll

    Im Jahre 1968 wurde auf der Jahresversammlung der Bundesvereinigung der Schriftsteller Dieter Lattmann zum neuen Präsidenten gewählt, er bereitete den Zusammenschluss der zehn regionalen Schriftstellerverbände, des Verbands deutscher Übersetzer und des Verbands deutscher Kritiker zu einem Gesamtverband vor.

    Das Ergebnis dieses Zusammenschlusses ist der heutige VS, der am 8. Juni 1969 in Köln zunächst als »Verband deutscher Schriftsteller e. V.« gegründet wurde. Die Abkürzung VS wurde als Unterscheidung zur damaligen Studentenorganisation VDS gewählt. Mitglieder des Gründungsvorstands waren Dieter Lattmann (Vorsitzender), Thaddäus Troll (Stellvertreter) sowie Ingeborg Drewitz, Helmut M. Braem, Eberhard Horst, Justitiar Professor Dr. Wilhelm Nordemann und Geschäftsführer Wilhelm Damwert.

    Ich schlage vor, dass wir die Bescheidenheit und den Idealismus einmal für eine Weile an unsere Sozialpartner delegieren: an Verleger, Chefredakteure und Intendanten.

    Heinrich Böll, 1969

    Heinrich Böll nannte das Ziel: »Ich schlage vor, dass wir die Bescheidenheit und den Idealismus einmal für eine Weile an unsere Sozialpartner delegieren: an Verleger, Chefredakteure und Intendanten«, sagte Böll 1969 in Köln.

    Was frühere Standesorganisationen nicht geschafft hatten, sollte die »Einigkeit der Einzelgänger« (Heinrich Böll) verwirklichen. Schon 1970 machte Martin Walser namens des VS erste Vorschläge für die Gründung einer »IG Kultur«. Als ersten Schritt zu diesem Ziel fasste der VS 1973 den Beschluss, sich der IG Druck und Papier anzuschließen. Erst 1989 wurde die IG Medien als Mitgliedergewerkschaft vollendet: durch Zusammenschluss der Gewerkschaft Kunst und ihrer Verbände mit der IG Druck und Papier. Im März 2001 erfolgte der Zusammenschluss von IG Medien und weiteren vier Gewerkschaften (DAG, DPG, HBV und ÖTV) zu ver.di, der Vereinten Dienstleistungsgewerkschaft.

    Mehr zu Geschichte des VS: [hier].
    Weite Veranstaltungen in der beigefügten pdf-Datei

    VS Fachgruppe Literatur der ver.di 3sat Heinrich Böll, Ansichten eines Anarchisten

     

    Der Sender 3sat ehrt den Literaturnobelpreisträger und Friedensaktivisten mit einem Porträt, einer Literaturverfilmung und einer Dokumentation auf den Spuren des Schriftstellers in Irland.
    Die Dokumentation vom 2.Dezember 201717 ist noch in der Mediathek des Senders »nachsehbar« [hier]

     


    Kommentare

    Zu den Heinrich-Böll-Aktivitäten des VS erreichten uns einige Kommentare von Kolleginnen und Kollegen:

    • Uwe Friesel, Salzwedel

      Sollte das Bild von Böll tatsächlich verblassen, sind wir selbst anteilig Schuld daran. Es gibt im VS nicht – und auch nicht in ver.di – so etwas wie Erinnerungskultur.

      Wir lassen uns von den verschiedensten Medien aufdrängen, was gerade »in« zu sein hat und was »out«.

      Wenn Böll viele Gedanken von Ulrike Meinhof zum Zustand unserer Nachkriegsdemokratie und zur Atom-Problematik teilte, den Terrorismus der RAF jedoch verabscheute und verurteilte, wenn er publik machte, wieviel an öffentlicher Brunnenvergiftung, etwa von BILD, statt dessen in die Hirne der Bundesbürger geträufelt wurde, so kann man dies nicht bloß unter »Nobelpreis-Träger« ad acta legen, sondern muss es am Leben halten: denn es ist brandaktuell!

      Ich erinnere mich an seine Gespräche mit Loni Mahlein, dem damaligen Chef der IG Druck, bei denen ich dabei war. Böll hat gerade bei der Gründung des VS sehr viel für uns getan. Haben wir auch genug für ihn getan?

      Es freut mich deshalb, wenn endlich etwas geschieht, auch von VS-Seite.

      Grüße!
      Uwe

    • Ulrich Straeter, Essen

      Weder das Bild noch Heinrich Böll verblasst – nachdem wir ihn in der Schule in den fünfziger Jahren kennengelernt hatten, war ich überrascht, dass er in den Achtzigern immer noch in den Schulen präsent war – und in der Friedensbewegung immer.

      Persönlich habe ich mich literarisch mit Heinrich Böll beschäftigt, indem ich ihm drei fiktive Briefe über den Zustand Irlands geschrieben habe, nachzulesen in meinem Irlandbuch »In Irland«, in welchem auch weitere »Erfahrungen« über das Land zu machen sind, natürlich auch humorvolle.

      Mit kollegialen Grüßen
      Ulrich Straeter

    • Angelika Hensgen, Köln

      Das verblassende Böll Bild grämt mich auch ... gerade beschäftige ich mich intensiv mit seinen Schriften und Reden. Ja, er ist brandaktuell und man hätte ihm zu seiner Zeit besser zuhören und weniger anfeinden sollen.

      oki, lange Rede kurzer Sinn:
      sein hundertjähriger Geburtstag ist für mich ein Geburtstag im Sinne Hannah Arendts: ein Neuanfang!

      Herzliche Grüße
      Angelika Hensgen