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    Bremen: Vertreter von VS und GEW solidarisch

    Bremen: Vertreter von VS und GEW solidarisch

    Kritik an der Aufforderung an Autorinnen und Autoren, ohne Honorar an bremischen Schulen Workshops anzubieten

    Ende Januar 2016 hat das Bremer Literaturkontor, eine Institution zur Literaturförderung, an seine Mitglieder eine Rundmail verschickt und darin mitgeteilt, es suche »für Literaturworkshops in Bremer Schulen Autorinnen und Autoren, die sich vorstellen können, die Grundlagen des kreativen Schreibens ehrenamtlich an Schülerinnen/Schülern weiter zu geben«. Der Ausschreibungstext im Anhang der Rundmail enthielt weitere Details. Es heißt dort: »Dabei ist ein regelmäßiger Turnus (einmal wöchentlich/ 14-tägig) in den jeweiligen Schulen geplant. Die Workshops erstrecken sich über ein Schulhalbjahr. Projektstart ist zu Beginn des Schuljahres 2016/17 geplant.«

    Als in den Landesfachgruppenvorstand Literatur – VS Niedersachsen-Bremen – gewähltes Mitglied aus dem Bezirk Bremen-Nordniedersachsen hat Rudolph Bauer schriftlich dagegen protestiert. Das Ansinnen des Literaturkontors, dass Autorinnen und Autoren ohne Honorar über die Dauer eines halben Jahres alle 14 Tage Workshops veranstalten, sei entschieden abzulehnen. Als Interessenvertretung innerhalb der Gewerkschaft ver.di verfolge der VS in besonderer Weise das Ziel, auf den Abschluss von Tarif- bzw. Honorarverträgen für die berufstätigen Autorinnen und Autoren in seinem Organisationsbereich hinzuwirken. Aus Sicht des VS könne es daher nicht angehen, dass bremische Schriftstellerinnen/Schriftsteller als Ersatz-Lehrerinnen/-Lehrer instrumentalisiert werden und ihre Leistungen zum Nulltarif abrufbar sind. Dies widerspricht auch der Kollegialität mit den Lehrerinnen und Lehrern, die in der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft organisiert sind.

    Vom Bremer Literaturkontor e. V. werde erwartet, die Literaturworkshops als gemeinsames Projekt mit Bremer Schulen nur dann durchzuführen, wenn eine Honorierung der Kolleginnen und Kollegen sichergestellt ist. Die Mitglieder des VS wurden aufgefordert, sich für das Projekt nicht zur Verfügung zu stellen, solange es dem Literaturkontor nicht möglich ist, ein Honorar bereit zu stellen, das den Konditionen von Schullesungen entspricht.

    Diese gewerkschaftliche Position wird in beispielhaft solidarischer Weise auch von Christian Gloede, dem Landesvorstandssprecher der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft, geteilt. In einer Mail an die »Kolleginnen/Kollegen des Bremer Literaturkontors« erklärte er:
    »Mit einiger Überraschung haben wir zur Kenntnis genommen, dass ihr eure Mitglieder aufruft, sich ehrenamtlich den Bremer Schulen zur 'Unterrichtstätigkeit' im Rahmen von Schreib-/Literaturworkshops zur Verfügung zu stellen. Dieses von der inhaltlichen Seite betrachtet sicher spannende Projekt übersieht aber dabei, dass viele der angesprochenen Autorinnen/Autoren nicht in dem Luxus leben, ihre Arbeitstätigkeit umsonst 'der guten Sache' zur Verfügung stellen zu können. Unterrichtstätigkeit ist eine, die eine hohe Qualifikation voraussetzt, die auch entsprechend entlohnt wird / werden sollte! Als Bildungsgewerkschaft kämpfen wir seit Jahren um angemessene Arbeits- und Lohnbedingungen für an Schulen Beschäftigte, wir bekämpfen die auch in diesen Bereichen ständig zunehmende Prekarisierung, von denen viele Autorinnen/Autoren sicher auch ihr eigenes Lied singen können ... Wir kämpfen um angemessene Lernbedingungen und damit insgesamt um eine den Bedarfen entsprechende (finanzielle) Ausstattung des Bildungssystems. Der Aufruf des Bremer Literaturkontors läuft dem zuwider, zumal er Möglichkeiten schafft (auch wenn er es nicht wollte), Unterrichtsausfall durch zu wenig Lehrkräfte auch dadurch zu kaschieren, 'Alternativprojekte' laufen zu lassen.
    Wir stehen hier solidarisch an der Seite des Verbandes deutscher Schriftstellerinnen und Schriftsteller (VS), die sich im Rahmen ihres gewerkschaftlichen Engagements für tarifliche Regelungen ihrer Bezahlung einsetzen.
    Als GEW fordern wir das Literaturkontor auf, die Projektidee und ihre Umsetzung mit entsprechenden Entlohnungsforderungen zu verknüpfen. Wir sprechen uns nicht gegen eine projektbezogene Tätigkeit Bremer Autorinnen/Autorenm an Schulen aus, sondern gegen deren Instrumentalisierung zur Kaschierung von Unterrichtsausfall. Insofern erwarten wir auch eine Solidarität mit denen, die unbedingt auf die Realisierung guter Bildungs- und Lernbedingungen angewiesen sind.«

    Aus Nordrhein-Westfalen wird von bezahlten Projekten der Landesregierung berichtet. In verschiedenen NRW-Schulen wurde von Literaturschaffenden einmal wöchentlich eine Doppelstunde Schreibwerkstatt angeboten. Diese Tätigkeit wurde für die Dauer eines gesamten Schuljahres mit 2.000 Euro entgolten. (Nicht viel, aber immerhin.) Ein Beispiel aus Wuppertal besagt, dass dort eine Stiftung die Lesungen an Schulen unterstützt, so dass die Schulen selbst nur einen kleinen Eigenanteil zu erbringen haben. Zudem gibt es in Wuppertal das Projekt »Schulhausroman«, bei dem Autoren wöchentlich in Klassen gehen und für die Dauer eines halben oder ganzen Schuljahres zusammen mit den Schülern einen Roman schreiben. Dieses Projekt wird vom Wuppertaler Literaturhaus finanziert.

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    zur Information des VS Niedersachsen/Bremen