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    Ashraf Fayadh freilassen!

    Ashraf Fayadh freilassen!

    An
    Seine Exzellenz
    Dr. Walid bin Mohammed bin Saleh Al-Samaani
    Justizminister des Königreichs Saudi-Arabien
    Riad

    Betrifft: Der palästinensische Dichter Ashraf Fayadh

    Exzellenz,

    wir, der Verband deutscher Schriftstellerinnen und Schriftsteller VS, unterstützen mit anderen Schriftstellerorganisationen, die sich gemeinsam für den Wert der kreativen Freiheit einsetzen, die Freiheit des Wortes und der Autorinnen und Autoren.

    Wir schreiben Ihnen, um unsere ernste Besorgnis darüber auszudrücken, dass Ashraf Fayadh zum Tode wegen Apostasie verurteilt worden ist. Ashraf Fayadh, ein Dichter, Künstler, Kurator und Mitglied der britisch-saudischen Künstlerorganisation »Edge of Arabia«, wurde zum ersten Mal im August 2013 festgenommen – im Zusammenhang mit seinem Gedichtband Instructions Within, gegen den eine Beschwerde des »Saudi Komitees für die Förderung der Tugend« vorlag. Er wurde gegen Kaution freigelassen, im Januar 2014 jedoch erneut festgenommen. Laut Prozessakten hat das Gericht von Abha im Mai 2014 bewiesen, dass Fayadh Apostasie (ridda) begangen, diese aber bereut habe. Der Vorwurf der Apostasie wurde fallengelassen, dennoch wurde er zu vier Jahren Gefängnis und 800 Peitschenhieben verurteilt, zur Strafe für mehrere Fälle von angeblicher Gotteslästerung.

    Bei der Wiederaufnahme des Verfahrens zu Ashraf Fayadh im November 2015 revidierte der Richter die frühere Entscheidung und erklärte nun, dass Fayadhs Reue nicht umfassend genug gewesen sei, um die Todesstrafe zu vermeiden. Unserer Ansicht nach hätte man die Anklagen gegen ihn gänzlich fallen lassen müssen. Wir sind entsetzt, dass Fayadh stattdessen zum Tode wegen Apostasie verurteilt wurde, für nichts anderes, als die Ausübung seiner Rechte auf freie Meinungsäußerung und Freiheit des Glaubens.

    Als Mitglied des UN-Menschenrechtsrats (HRC), des führenden staatenübergreifenden Organs, das sich für den Schutz und die Förderung der Menschenrechte einsetzt, und als neu gewählter Vorsitzender der Beratungsgruppe des Menschenrechtsrates, behauptet Saudi-Arabien, die höchsten Standards der Menschenrechte zu wahren und zu respektieren. Die beschriebene Entscheidung des Gerichts ist jedoch eine klare Verletzung der international anerkannten Rechte auf Gedankenfreiheit und auf freie Meinungsäußerung. Im Artikel 18 der Allgemeinen Erklärung der Menschenrechte (AEMR) heißt es: »Jeder Mensch hat Anspruch auf Gedanken-, Gewissens- und Religionsfreiheit; dieses Recht umfasst die Freiheit, seine Religion oder seine Überzeugung zu wechseln.« Darüber hinaus heißt es in Artikel 19 der Allgemeinen Erklärung der Menschenrechte: »Jeder Mensch hat das Recht auf freie Meinungsäußerung; dieses Recht umfasst die Freiheit, Meinungen unangefochten anzuhängen und Informationen und Ideen mit allen Verständigungsmitteln ohne Rücksicht auf Grenzen zu suchen, zu empfangen und zu verbreiten.« Saudi-Arabien verhält sich in absolutem Widerspruch zu den Rechten, die es als Mitglied der UN-Menschenrechtsrats zu schützen versprach.

    Weit verbreitet sind auch die Sorgen und Bedenken darüber, dass das Strafverfahren offensichtlich nicht ordnungsgemäß verlief: Fayadh wurde ein Rechtsbeistand verweigert, angeblich deswegen, weil sein Ausweis nach der Festnahme im Januar 2014 konfisziert worden sei. Nach unserem Verständnis steht es Fayadh nun zu, innerhalb von 30 Tage Einspruch gegen die jüngste Entscheidung zu erheben – und wir bitten die Behörden dringend darum, ihm Zugang zu einem Rechtsanwalt seiner Wahl zu ermöglichen.

    Wir appellieren an die saudischen Behörden, Ashraf Fayadh unverzüglich und bedingungslos freizulassen, ebenso alle weiteren Menschen, die in Saudi-Arabien gegen ihr Recht auf freie Meinungsäußerung festgehalten werden.

    gez. Eva Leipprand       gez. Heinrich Bleicher-Nagelsmann
    Vorsitzende                 Bundesgeschäftsführer

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    Der Brief vom 4. Dezember 2015 kann als pdf-Datei hier geladen werden.

    Ashraf Fayadh freilassen!

    Auch der VS unterstützt die weltweite Petition der Schriftstellerverbände und von Amnesty für die Freilassung von Ashraf Fayadh, der zum Tode wegen Apostasie verurteilt worden ist.

    Die VS-Vorsitzende Eva Leipprand hat dazu einen Brief an den Justizminister gerichtet.

    Weiter Informationen zu Ashraf Fayadh finden sich auf der Internetseite des P.E.N..