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    Ein Ende für Werbestände von Pseudoverlagen

    Ein Ende für Werbestände von Pseudoverlagen

    Offener Brief
    zum zweiten Messetag der Leipziger Buchmesse 2011

    Ein Ende für Werbestände von Pseudoverlagen
    – »Verlag sucht Autor« – auf der Leipziger Buchmesse!

    Logo des Aktionsbündnisses Fairlag fairlag

    Wer die diesjährige Leipziger Buchmesse besucht, stellt erneut fest, dass sog. Pseudo- und Selbstzahlerverlage mit Werbeständen (»Verlag sucht Autor«, »Manuskripte gesucht«) wie selbstverständlich neben echten Verlagen zu finden sind. Unerfahrene Autorinnen und Autoren auf Verlagssuche können rasch in die Fänge unseriöser Anbieter geraten, die vom Autor schon mal mehrere Tausend Euro für ihre »Leistungen« kassieren.

    »Es muss im Interesse der Buchmesse sein, Besucher vor solchen Unternehmen zu schützen, die sich Verlag nennen, es aber im Sinne der Definition nicht sind«, fordern die Initiatorenverbände des Ak Fairlag. Verlag kommt von »vorlegen«. Wer sich Verlag oder Verleger nennt, veröffentlicht und vermarktet ein Manuskript auf eigenes Risiko und ohne offene oder versteckte wirtschaftliche Beteiligung des Autors. Zuschuss und Pseudoverlage pervertieren den Literaturbetrieb, indem das wirtschaftliche Risiko auf den Autor abgewälzt wird.

    Selbst das Landgericht Stuttgart hat festgehalten: »Denn nicht nur in Fachkreisen gilt es als unseriös, einen Zuschussverlag zu betreiben, in welchem die Autoren selbst die Erstellung ihrer eigenen Bücher bezahlen müssen.« (Az. 17 O 338/06)

    Bereits in den vergangenen Jahren hat Fairlag, das Aktionsbündnis für faire Verlage, in dem sich über 58 Literatureinrichtungen Deutschlands, Österreichs und der Schweiz zusammengeschlossen haben, darauf aufmerksam gemacht, dass durch die Werbearbeit von sog. Pseudo- und Selbstzahlerverlagen auf der Buchmesse die heimliche Aufweichung rechtlicher Standards und eine Gefährdung der Literaturbranche ausgeht.

    Die Leipziger Buchmesse ist eine Lesemesse, bei der die kommerziellen Bauernfänger-Absichten von Pseudoverlagen keine Plattform bekommen sollten, um unerfahrene Autorinnen und Autoren in Messehallen zu ködern, in denen sich auch seriöse Verlage präsentieren. Dadurch wird vielen Messebesuchern die Geschäftspraxis dieser Unternehmen mit der seriösen Verlagsarbeit unzähliger anderer Verlage gleichgesetzt. Eine solche Gleichsetzung, die zulasten der Autoren und der gesamten Literaturbranche geht, können die Initiatorenverbände des Ak Fairlag nicht weiter hinnehmen und fordern die Messeverwaltung auf:

    Keine Präsenz der Pseudoverlage auf Messen
    Wir fordern, dass Pseudoverlage auf Messen, insbesondere auf der Leipziger und Frankfurter Buchmesse, keine Plattform mehr erhalten, um ahnungslose Autoren anzuwerben.

    Die konsequente Ablehnung der Praktiken von Pseudoverlagen würde den seriösen Anstrich für deren Tätigkeiten verhindern. Klarere Grenzen gegenüber der »Bauernfängerei« von Pseudoverlagen würden auch dafür sorgen, dass talentierte unerfahrene Autoren nicht Opfer unseriöser Geschäftspraktiken würden und sich auf dem Holzweg des Literaturbetriebes bewegen würden, sondern ihnen die richtigen Wege der Betreuung durch seriöse Verlage offen stehen.

    Berlin, Wien, Zürich, den 18. März 2011
    gez. durch

    Verband deutscher Schriftsteller (VS)
    Imre Török, Bundesvorsitzender
    Heinrich Bleicher-Nagelsmann, Geschäftsführer

    IG Autorinnen Autoren
    Renate Welsh, Präsidentin
    Gerhard Ruiss, Geschäftsführer

    AdS Autorinnen und Autoren der Schweiz
    Reto Finger, Präsident
    Nicole Pfister Fetz, Geschäftsführerin

    Bundesverband junger Autoren und Autorinnen (BVjA)
    Tobias Kiwitt, Vorstandssprecher
    Thomas Stichtenoth, Geschäftsführer

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    Der Offene Brief des Aktionsbündnisses fairlag vom 18. März 2011 kann als pdf-Datei hier geladen werden