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    Der VS gratuliert seinem Mitglied Peter Salomon

    Der VS gratuliert seinem Mitglied Peter Salomon

    Übergabe des Bodensee-Literaturpreis 2016 | VS Fachgruppe Literatur der ver.di G. Loges Bodensee-Literaturpreis  – Peter Salomon, OB Sabine Becker

    Der 1947 in Berlin geborene und seit 1972 in Konstanz lebende Lyriker, Prosaist und Essayist Peter Salomon erhielt am Sonntag, 9. Oktober 2016, in Überlingen den Bodensee-Literaturpreis für sein Gesamtwerk.

    Überreicht wurde er von Oberbürgermeisterin Sabine Becker. Er ist einer von rund 1.000 Literaturpreisen, die jährlich für Aufmerksamkeit sorgen. Der renommierte Preis, so Becker, werde zwar kommunal vergeben, fände aber bundesweit Beachtung. In ihrer Begrüßung betonte Becker, die literarische Sprache öffne Räume: »Sprache ist vor allem eins: Nahrung zum Überleben und Begreifen, und Peter Salomon fordert uns auf, in der Sprache zu sein.«

    Die Laudatio hielt der Literaturwissenschaftler Mario Andreotti: »Unser Preisträger ist literarisch auf der Höhe der Zeit.« Mit 19 Einzeltiteln und zahlreichen Veröffentlichungen habe er »die Leser reicher gemacht.« Salomons Lyrik, die im Besonderen ausgezeichnet werde, sei vom Expressionismus und der neuen Subjektivität geprägt. Andreotti kennt den Literaturbetrieb bestens und weiß: »Wer sich der Lyrik verschrieben hat, betreibt nicht nur ein einsames, sondern auch ein schwieriges Geschäft.« Mit seiner intertextuellen Sprache sei Salomon jedoch ebenso als Prosaist wie Essayist ein »wahrer poeta doctus«.

    Peter Salomon bedankte sich bei der Jury, die ihn »den anderen Aspiranten vorgezogen habe«; erst sei ihm dabei unwohl gewesen: »Nun ist es schön, dass ich hier bin.« Als Zugezogener sehe er seit 1972 den Bodenseeraum und die Menschen in einer Art »Bestandsaufnahme von außen«. Kritisch beurteile er heute besonders den »Unterschichtenkapitalismus, der Stil und Kultur kaputt macht«.

    Mit einer luziden Rede zum Deutschsein in der Welt – sowohl in der Krieg- und Nachkriegszeit als auch heute – reflektierte er, ob der Ruf »Deutschland müsste als reichstes Land mehr Verantwortung tragen« nicht in die falsche Richtung laufen könnte. Er erinnerte an die unangenehmen Reaktionen im Ausland, die er als deutscher Jugendlicher erlebt hat. Als er als Achtzehnjähriger mit Freunden das Endspiel von Wembley in England sehen wollte, überlegten die Jungs, wie sie sich nach einem Sieg der Deutschen in Sicherheit bringen könnten. Nach dem »glücklich« verlorenen Fußballspiel wurden sie von den englischen Jugendlichen wohlbehalten an den Klippen vorbeigeführt und von den Mädchen mit Küsschen getröstet. Salomons zu bedenkendes Resümee: »Es war so angenehm, nicht der Gewinner zu sein.«

    An diesem Tag konnte der studierte Jurist, der seit seiner Jugend Schriftsteller sein wollte und geworden ist, mit der Jury sowie zahlreichen Freunden und Kollegen darauf anstoßen, dass seine Literatur gelobt, gelesen und hervorgehoben wurde.

    Gabriele Loges