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    Europa: Harmonisierung des Urheberrechts

    Europa: Harmonisierung des Urheberrechts

    Umsetzung der Richtlinie 2001/29/EG des Europäischen Parlaments und des Rates vom 22. Mai 2001 zur Harmoni-sierung bestimmter Aspekte des Urheberrechts und der verwandten Schutzrechte in der Informationsgesellschaft

    An die Mitglieder
    Deutscher Parteien
    im Europäischen Parlament

    Sehr geehrte Damen und Herren,

    in den kommenden Tagen wird die Umsetzung der Richtlinie 2001/29/EG von Ihnen erneut beraten und dann im Parlament zur Abstimmung gestellt.

    Die bisherigen Diskussionen und Beratungen, an denen wir uns als Verband deutscher Schriftsteller (VS in ver.di) auch beteiligt haben, sehen wir mit großer Sorge.

    Insbesondere im »Reda-Report« und den damit verbundenen Positionierungen sehen wir eine Entwicklung eingeleitet, die dem kontinentaleuropäischen Urheberrecht, einem verbrieften Recht für Autorinnen und Autoren, erheblichen Schaden zufügen würde.

    Die Sprachwahl und begriffliche Ungenauigkeiten durchziehen den gesamten Report. Man kann im Entwurf und vielen Diskussionsbeiträgen nicht unterscheiden, wo vom Copyright (im angloamerikanischen Sinne) und wo vom Urheberrecht (im kontinentaleuropäischen Sinne) gesprochen wird.

    Bekanntlich handelt es sich um zwei diametral entgegen gesetzte Urheberrechtstheorien – eben das am Markt orientierte angloamerikanische Copyright System und das in Kontinentaleuropa vorherrschende Urheberrechtssystem, das sich viel besser mit »author’s right« übersetzen lässt.

    Das »author’s right« oder »droit d’auteur« stellt den Urheber in den Mittelpunkt und garantiert, dass seine Rechte unveräußerlich sind. Die Aushöhlung dieser Rechte durch das amerikanische System, das von großen Konzernen wie Google und Amazon maßgeblich betrieben wird, ist eine gravierende Gefahr für die Kulturschaffenden und damit auch für die Kultur und die kulturelle Vielfalt, die sie produzieren.

    Die notwendigen Reformen zur Anpassung des Urheberrechts an Erfordernisse der »digitalen Welt« dürfen nicht dazu führen, dass der Wert der kreativen Leistung Schaden erleidet. Urheberrecht muss ein Autorenrecht, muss Schutz der geistigen und materiellen Interessen der Kreativen bleiben.

    Kurz gesagt, wir brauchen ein verbessertes europäisches Urheberrecht

    • Zur Erhaltung und Stärkung der Rechtsposition der Worturheber.
    • Zum Schutz der Meinungsfreiheit und der Demokratie.
    • Gegen Internet-Piraterie, die die Rechte der Urheber missachtet.
    • Gegen Internetmonopolisten, die die Urheberrechte aushöhlen und vielfältige kulturellen Strukturen zerstören.

    Wir bitten sehr eindringlich, dass in den Diskussionen und Abstimmungen auf EU-Ebene dem Schutz der Kreativität und der geistigen Leistungen gebührend Rechnung getragen wird.

    gez. Eva Leipprand
    Vorsitzende

    gez. Imre Török
    Stellv. Vorsitzender

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    Der Brief des VS-Vorstandes vom 2. Juni 2015 kann als pdf-Datei hier geladen werden.