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    Erneut ein Justizskandal voller Ungereimtheiten?

    Erneut ein Justizskandal voller Ungereimtheiten?

    Zu den Hintergründen des türkischen Haftbefehls gegen den Kölner Schriftsteller Doğan Akhanlı

    VS Fachgruppe Literatur der ver.di Manfred Wegener Doğan Akhanlı

    Der deutsche Schriftsteller Doğan Akhanlı kehrte bereits im Jahr 2010 lange Zeit von einer Reise in die Türkei nicht zurück: Monatelang saß er in Untersuchungshaft. Bereits damals vermuteten Menschenrechtler einen politischen Hintergrund.
    Der Schriftsteller Günter Wallraff betonte den Zusammenhang zwischen dem Vorgehen der türkischen Justizbehörden und dem Engagement von Doğan Akhanlı in der Frage des Genozids an den Armeniern 1915.

    Wiederholt sich nun die damals (2011) vergebliche Verfolgung der türkischen Regierung des Menschenrechtsaktivisten Doğan Akhanlı?

    Der Schriftsteller und ehemalige Vorsitzende des Verband deutscher Schriftstellerinnen und Schriftsteller VS, Imre Török, schrieb 2011 für Amnesty International über die Verhaftung seines Freundes.

    Das Essay ruft das PEN-Zentrum Deutschland heute erneut in Sorge und Solidarität für sein PEN-Mitglied Doğan Akhanlı ins Gedächtnis, denn der Kölner Schriftsteller und Menschenrechtsaktivist wurde am 19.8.2017 um
    8:30 Uhr in Granada/Spanien in seinem Hotelzimmer aufgrund eines türkischen Haftbefehls festgenommen.

    Gegen ihn, so hieß es, läge auf Betreiben der Türkei ein Dringlichkeitsvermerk bei Interpol vor. Auszugehen ist von einer gezielten Suche der türkischen Regierung nach Akhanlı (60). Der Schriftsteller schreibt u.a. in »Kiyamet Günü Yargiçlari« (»Die Richter des Jüngsten Gerichts«) über den Völkermord an den Armeniern im Jahr 1915, den die Türkei nicht als solchen bezeichnen will, Akhanlı gilt der Regierung in Ankara als Gegner.

    Das PEN-Zentrum Deutschland kritisiert das Vorgehen der spanischen Behörden und fordert die sofortige Freilassung des Autors: »Wir protestieren gegen die Verhaftung unseres Mitglieds Doğan Akhanlı auf Betreiben der Türkei und appellieren an die spanischen Behörden, sich nicht zum Handlanger Erdoğans zu machen«, so Regula Venske, Präsidentin des PEN-Zentrums Deutschland.

    »Die jetzige Festnahme zeigt den Versuch Erdogans, seine Macht über die Grenzen seines Landes hinaus auszudehnen und weltweit gegen kritische Stimmen vorzugehen«, so Akhanlıs deutscher Rechtsanwalt Ilias Uyar: »Der Haftbefehl ist eindeutig rechtsmissbräuchlich.«

    Die Vorverhandlung ist für Sonntag, 20. August 2017, um 09:00 Uhr im Madrid vorgesehen.

    Weitere Informationen:
    Doğan Akhanlı'ya özgürlük – Freiheit für Dogan Akhanlı

    VS Fachgruppe Literatur der ver.di PEN Spendenaufruf

     

    Spendenaufruf

    des PEN vom 22. August 2017
    zugunsten des von der Auslieferung an die Türkei bedrohten deutschen Schriftstellers Doğan Akhanlı

    Weitere Informationen

    UPDATE 20. August 2017, 15:00 Uhr

    Doğan wurde aus der Haft entlassen mit der Auflage, Spanien nicht zu verlassen. Die türkische Regierung erhält 40 Tage Zeit, ihr Auslieferungsbegehren zu begründen. 

    Ein gutes Ende ist das noch nicht ...

    Eine Stellungnahme des PEN vom 20. August 2017 kann als pdf-Datei hier geladen werden:
    Der Deutsche PEN fordert die Aufhebung aller gegenüber Doğan Akhanlı verhängten richterlichen Auflagen!