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    2013: Literatur und Politik

    2013: Literatur und Politik

    »Wir müssen die Wahrheit
    über die barbarischen Zustände sagen.« (B. Brecht)

    Welt-Wirtschafts-Krisen und ihre
    Auswirkungen auf Gesellschaft, Politik und Kultur

         Tagung
         31. Mai – 2. Juni 2013
         im ver.di Bildungs- und Begegnungszentrum
         Clara Sahlberg, Berlin

    Kunst, Literatur und Zeitgeschichte stehen in einem wechselseitigen Spannungsverhältnis zueinander. Einerseits  reflektieren und interpretieren Künstler/-innen und Autoren/-innen in ihren Werken die Epoche und ihren Zeitgeist. Andererseits beeinflussen die gesellschaftlichen Wandlungsprozesse Kunst und Literatur. Umso mehr gilt dies für Zeiten großer Krisen, wirtschaftlich wie politisch.

    Ein herausragendes Beispiel ist die Weltwirtschaftskrise ab 1929, die mit dem Schwarzen Freitag in den USA ihren Ausgang nahm und 1933 mit dem Faschismus in Deutschland ihren Höhepunkt fand. Sie polarisierte die Gesellschaft und damit auch die Künste. Verzweiflung, Hoffnungslosigkeit, politische Radikalisierung – die bisher größte Krise des Kapitalismus und ihre faschistische Konsequenz wurden in Literatur, Theater, Kabarett, Film, Musik etc. genauso scharf thematisiert wie auf der Straße. Dementsprechend entstanden in der Krise zahlreiche Werke über das von ihr verursachte Elend, aber auch über die Notwendigkeit von Veränderungen und über die Hoffnung auf eine bessere Zukunft.

    Auch wenn diese Krise in ihrer Schärfe bisher unübertroffen ist, beginnen sich doch heute vergleichbare Züge zu entwickeln. Insbesondere in Südeuropa werden nationalistische, rechtspopulistische und neofaschistische Schein-Lösungen laut. Die Auswirkungen der Krise und Strategien zu ihrer Überwindung (von links wie von rechts) sind ebenfalls wieder Gegenstand der Betrachtung der Literatur sowie der bildenden und darstellenden Künste.

    Auch die literarische und künstlerische Verarbeitung von Krisen außerhalb Europas ist von Interesse. Roosevelts »New Deal« als massenfreundliche Lösung ist ebenso lehrreich wie die Politik des Neoliberalismus (z. B. Milton Friedmann und die »Chicago Boys«) in Chile oder Argentinien.

    Literatur und Künste in Zeiten der Krise können nicht umhin, Stellung zu beziehen. Und so wollen wir über den Zusammenhang von Krise, Gesellschaft, Politik und Kultur diskutieren und über Werke (samt ihrer politischen Implikationen) sprechen, welche Krisen reflektieren. Der Bogen wird reichen von Tucholsky, Fallada, Broch oder Hiller bis zu Schöfer, Steinbeck, Neruda oder Markaris. Daneben soll auch die Bildende Kunst behandelt werden. Wir wollen damit einen kulturellen und politischen Beitrag leisten zur kritischen Auseinandersetzung mit Krisenerscheinungen und den Konsequenzen für eine demokratische Kultur und Gesellschaft.

    • Vorträge | Referate

      • Zur Aktualität der Wirtschafts- und Finanzkrise
        und ihrer bedrohlichen Auswirkungen auf Gesellschaft, Politik und Kultur

        Frank Bsirske, Vorsitzender der Vereinten Dienstleistungsgewerkschaft ver.di

      • Die langen Wellen der Krisen – Kapitalismus: ein Fortsetzungsroman ohne Happy End

        Prof. em. Dr. Elmar Altvater, Berlin

      • »Kleiner Mann – was nun?« Hans Falladas Roman von 1932

        Prof. Dr. Jost Hermand, Universitäten Madison / Wisconsin und Berlin

      • Wirtschaftskrise und Sozialpolitik:
        Armut als Nährboden für Rechtsextremismus und -populismus?

        Prof. Dr. Christoph Butterwegge, Universität Köln

    • Workshops

      Workshop 1

      • Die Weltwirtschaftskrise von 1929
        und ihre Verarbeitung in der zeitgenössischen französischen Literatur

        Dr. Heiner Wittmann, Lehrbeauftragter Universität Stuttgart

      • »… und einstens war prosperity …« –
        Finanzkrise und Spekulation im Spiegel der Literatur bei Hermann Broch

        Dr. Johann Dvořák, Universitätsdozent, Wien

      Workshop 2

      • »Seitdem ist das Vaterland nicht mehr dasselbe« –
        Pablo Neruda, Chile und die neoliberale Konterrevolution

        Claudia Wörmann-Adam, Vorsitzende des ver.di Bundesfachbereichsvorstands Besondere Dienstleistungen, Köln

      • »Die Gespenster der Krise und die Krise der Gespenster«.
        Die argentinische Krise in den Romanen César Airas

        B. Loy (angefragt)

      Workshop 3

      • »Der unbeirrbare Stumpfsinn, mit dem diese Kapitalisten ihre törichte Geldpolitik fortsetzen« (1931) – Kurt Tucholskys Ursachenanalyse

        Olaf Walther, Publizist, Hamburg

      • Kurt Hillers Schrift »Selbstkritik links!
        (Über die Ursachen des nationalsozialistischen Erfolges)« (1932)

        Dr. Harald Lützenkirchen, 2. Vors. der Kurt Hiller Gesellschaft e.V. und Nachlassverwalter Kurt Hillers, Neuss

      Workshop 4

      • »Er sagt, nächstens verkaufen sie einem auch noch die Luft.« – Ein US-amerikanisches Epos über die Krise auf dem Lande: John Steinbecks »Früchte des Zorns« (1939)

        Dr. Wolfgang Beutin, Privatdozent Universität Bremen

      • »Planlosigkeit, die heute die Weltkrise heraufbeschwört« – Ernst Toller (1893–1939)
        und seine Analyse während seiner Vortragsreise in den USA 1936/37

        Heidi Beutin, freie Wissenschaftspublizistin, Stormarn

      Workshop 5

      • Arbeitskämpfe in der Krise – Die Kinder des Sisyfos, die Gewerkschaften und das Kapital

        Erasmus Schöfer, Schriftsteller, Köln

      • »Faule Kredite in finsteren Zeiten«.
        Die griechische Wirtschaftskrise in den Romanen von Petros Markaris

        Heinrich Bleicher-Nagelsmann, ver.di-Bereichsleiter Kunst und Kultur, Berlin

      Workshop 6

      • Krisenkunst – Die deutsche »Neue Sachlichkeit«
        der zwanziger und frühen dreißiger Jahre in Bild und Begriff

        Dr. habil Gerhard Wagner, Wissenschaftspublizist und -lektor, Berlin

      • John Heartfield – Fotomonteur und Kommunist

        Ronnie Golz, Dozent und Künstler, Berlin

    • Literarisch-musikalisches Abendprogramm

      • »Von der belebenden Wirkung des Geldes«

        Eine literarisch-musikalische Revue

        Anna Haentjens, Gesang/ Rezitation | Sven Selle, Klavier

      • »Songs für Kommeno«

        Musik, Bilder, Gespräch

        Günter Baby Sommer

    Anmeldung

    Mit Postkarte, per Fax oder E-Mail an:
    Bildungs- und Begegnungszentrum Clara Sahlberg
    Koblanckstraße 10, 14109 Berlin
    Tel.: +49.30.806713-0, Fax -560 | e-Mail: bst.berlin@verdi.de
    Die Anmeldung zur Tagung kann online hier erfolgen: [LINK]

    Tagungsgebühr 

    Für ver.di-Mitglieder:
         75,00 Euro (mit Übernachtung) inkl. MwSt
         58,00 Euro (ohne Übernachtung) inkl. MwSt
    Sozialrabatt von 25 % auf Anfrage
    Teilnehmende, die nicht Mitglied der ver.di sind, zahlen einen Zuschlag von 100,00 Euro.   
    ver.di übernimmt die Reisekosten ihrer Mitglieder gemäß der gültigen Reisekostenregelung.

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    Weitere Informationen im Faltblatt, das hier als pdf-Datei geladen werden kann: