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    Gruß aus Berlin

    Gruß aus Berlin

    Gedanken zum Terroranschlag am 19. Dezember 2016 auf den Weihnachtsmarkt an der Gedächtniskirche

    Der schreckliche Anschlag auf den Weihnachtsmarkt hier an der Berliner Gedächtniskirche zeigt, wie verletzlich unsere freiheitliche Gesellschaft ist. Er ist ein Anschlag auf unsere Werte, auf friedliche Menschen, die vermutlich ihren Feierabend auf dem Weihnachtsmarkt verbringen wollten und auf Menschen, die dort arbeiteten.

    Es mag vielleicht zynisch klingen, aber der oder die Attentäter hätten kaum ein ungünstigeres Ziel für ihr perfides Vorhaben aussuchen können, als die Gedächtniskirche; jene Ruine, die an Krieg, Gewalt und Zerstörung mahnt und deren Gemeinde seit Jahrzehnten weltweit mit Friedensorganisationen verknüpft ist. Ein entsprechend energischer Appell von Vertretern der drei großen Religionsgemeinschaften: Christentum, Judentum und Islam, ging dann auch heute von der Berliner Gedächtniskirche aus. Ein Appell, zusammenzustehen und nicht Radikalen in die Hände zu spielen, die auf eine komplexe Welt mit einfachen Parolen reagieren. Ein Appell zur Versöhnung und gegenseitigem Verstehen. Vor allem aber auch ein Appell zum Frieden, besonders in Aleppo, stellvertretend für die vielen Konfliktherde dieser Welt.

    In der Antike wurde in der dunklen Jahreszeit Dionysos als Kind wiedergeboren. Der Gott der Lebensfreude und des Rausches kam jedes Jahr neu, als Kind, im Zustand der Unschuld zurück ans Licht der Welt. Diese Erzählung setzte sich im Christentum fort mit dem gefährdeten Kind in der Krippe, von dem dennoch eine so große Kraft ausging, dass Könige es verehrten und andere auf den Tod fürchteten und es mit seiner Familie in die Flucht trieben.

    Auch heute gibt es Menschen, die andere, die ihnen nichts getan haben, angreifen. Was treibt sie an? Wovor haben sie Angst?

    Ich wünsche mir, dass von den schrecklichen Ereignissen in Berlin eine Botschaft des Friedens ausgeht; dass diejenigen, die Hass und Gewalt säen wollen, begreifen, dass sie auf diese Weise niemals eine lebenswerte Welt schaffen. Aber auch, dass wir uns darauf besinnen, was uns wirklich wichtig ist. Das, was gestern, am 19. Dezember 2016 geschehen ist, kann letztendlich jeden treffen.

    In diesem Sinne grüßt herzlich aus Berlin mit den besten Wünschen für schöne Fest- und Weihnachtstage und alles Gute zum Neuen Jahr,

    gez. Astrid Vehstedt
    Vorsitzende VS Berlin