Veranstaltungen

    »Wenn das der Führer sähe … und der sieht alles!«

    15.12.2014, 19:00Literaturhaus, 04103 Leipzig, Gerichtsweg 28

    »Wenn das der Führer sähe … und der sieht alles!«

    Termin teilen per:
    iCal

    Vortrag gegen das Vergessen

    In der Reihe »Literatur sucht Politik«
    Die Berliner Autorin Jacqueline Roussety
    im Gespräch mit Regine Möbius


       15. Dezember 2014, 19:00 Uhr
       Literaturcafé im Literaturhaus Leipzig
       04103 Leipzig | Gerichtsweg 28

    Veranstaltung gegen das Vergessen, VS Sachsen D 19 Studio Jacqueline Roussety

    Jacqueline Roussety stellt in ihrem wissenschaftlich-literarischen Vortrag und Lesung den Lebenslaufe des Marinesoldaten Walter Gröger vor, der in den letzten Kriegstagen durch ein Urteil des späteren Ministerpräsidenten Baden-Württembergs, Dr. Hans-Karl Filbinger, hingerichtet wurde.

    Für den einen zieht es eine politische Affäre und den Rücktritt vom Staatsamt nach sich, für den anderen bedeutet es den Tod – unterschiedlicher können Lebenswege nicht verlaufen.

    Jacqueline Roussety hat über die Filbinger-Gröger-Doppelgeschichte in der Form eines Essays in dem wissenschaftlichen Werk »Mit Reinem Gewissen. Wehrmachtrichter in der Bundesrepublik und ihre Opfer« (Aufbau-Verlag) publiziert.

    Sie will deutlich machen, wie die Auswirkungen seiner Verurteilung, seiner Hinrichtung auf die Familie bis heute anhalten. Die unterschiedlichsten Reaktionen Scham, Wut, Anklage und Schweigen führten zu einem tiefen Riss in der Familie. Es handelt sich damit auch um eine deutsch-deutsche Nachkriegsgeschichte und mit dem Umgang der deutschen Schuld am Beispiel einer deutsch-deutschen Familiengeschichte.

    Denn die Themen »Wehrmachtjustiz« und »Deserteure« sind lange noch nicht aufgearbeitet und bedürfen einer breiteren Öffentlichkeit. Dabei richtet sich Roussetys Blick vor allem auf die durch die Nazis ideologisierte Jugend, die von Anfang an auf den Krieg vorbereitet wurde.

    Die Sätze Filbingers, mit denen er im Nachhinein versuchte, seine Taten zu rechtfertigen, erschüttern noch heute: »Ich habe kein schlechtes Gewissen. Im Gegenteil. Ich habe ein gutes Gewissen.«
    Oder auch: »Was damals Recht war, kann heute nicht Unrecht sein.«