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    2016: Literatur und Politik

    03.06.2016, 14:00 – 05.06.2016, 13:0014109 Berlin, Koblanckstraße 10, ver.di-Bildungsstätte

    2016: Literatur und Politik

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    Tagung – 3. bis 5. Juni 2016 in Berlin | VS Fachgruppe Literatur der ver.di Ena Lindenbaur Literatur und Politik 2016

     

    »Werft eure Hoffnung über neue Grenzen.«
    (Walter Mehring)

     

    Ursachen und Folgen von Flucht, Exil und Migration
    in Vergangenheit und Gegenwart

     

    Tagung
    3. bis 5. Juni 2016 in Berlin

     

    Zum Thema

    »Hauptsache, wir leben und viel mehr ist es auch nicht als leben nach Verlassen der heiligen Heimat.« Elfriede Jelinek attackiert in dem Theaterstück »Die Schutzbefohlenen« die Asylpolitik wohlhabender Länder und die Menschenrechte verachtende Politik der EU.

    Menschen fliehen vor Kriegen, Diktaturen und Terrorismus, vor Armut, Hunger und Perspektivlosigkeit, vor politischer Verfolgung. Sie verlassen ihre vertraute Kultur und Sprache, lassen Freunde, Verwandte und Mitstreiter zurück und nehmen große Risiken auf sich.

    Lang ist die Geschichte von Flucht und Asyl. Politisch Verfolgte zur Zeit der Nazidiktatur schufen Weltliteratur für die Humanisierung der Lebensverhältnisse und kritisierten Krieg, Hunger und Armut als wesentlicher Ursache von Flucht und Migration. Mit den »Gastarbeitern« kamen seit den 1950er Jahren hunderttausende von Migranteninnen/Migranten in die Bundesrepublik und trugen maßgeblich zum »Wirtschaftswunder« bei. Ab Ende der 1970er Jahre bestimmten Begriffe wie »Wirtschaftsflüchtlinge« und »Asylmissbrauch« eine Diskussion, die nach 1989 in Brandanschlägen eskalierte und 1992/93 im sogenannten Asylkompromiss mündete.

    Bis heute schaffen die entwickelten ökonomischen Zentren Kriege und soziales Elend in allen Winkeln der Welt. Wenn jedoch Menschen aus den betroffenen Regionen fliehen und Asyl suchen, schotten sich gerade jene Länder ab und nehmen tausende Tote durch Ertrinken im Mittelmeer in Kauf.
    Jene, die das »rettende Ufer« erreichen, sind konfrontiert mit Diskriminierung, oft unwürdigen Wohnverhältnissen, Aggressionen und rassistischer Ablehnung bis hin zu tätlichen Angriffen.

    »Exil«, schreibt Rafik Schami, »ist eine gemeingefährliche Bestie. Sie tarnt ihre Mordlust mit Sanftheit und Melancholie, und plötzlich springt sie einen Ahnungslosen an und bricht ihm das Genick.« In seiner Bundestagsrede zur Feierstunde »65 Jahre Grundgesetz« kritisiert Navid Kermani dessen Verstümmelung und die Aushöhlung des Asylrechts: »Ausgerechnet das Grundgesetz, in dem Deutschland seine Offenheit auf ewig festgeschrieben zu haben schien, sperrt heute diejenigen aus, die auf unsere Offenheit am dringendsten angewiesen sind: die politisch Verfolgten. (…) Dem Recht auf Asyl wurde sein Inhalt, dem Artikel 16 seine Würde genommen.«

    Vor diesem Hintergrund setzen sich Kulturschaffende mit Flucht, Exil und Migration auseinander.

    • Was treibt Menschen in die Flucht?
    • Was bedeutet Exil persönlich und gesellschaftlich?
    • Welche Interessen stecken hinter einer menschenfeindlichen Flüchtlingspolitik?

    Diese und andere Fragen wollen wir diskutieren und Mut machen, sich für Frieden, Gerechtigkeit, Solidarität, Menschlichkeit und Toleranz einzusetzen.

    Tagungsablauf am Freitag, 3. Juni 2016

    Bis 12.30 Uhr Anreise, anschließend Mittagessen

    14.00 Uhr Begrüßung
    Michael Walter,
    ver.di Bildungs- und Begegnungszentrum

    14.15 Uhr Vortrag
    Flucht und Migration – die Sicht der Gewerkschaften
    Frank Bsirske,
    Vorsitzender der Vereinten Dienstleistungsgewerkschaft

    16.15 Uhr Vortrag
    Hoffnungsvoll Gescheiterte. Deutsche Künstler im Exil
    Prof. Dr. Jost Hermand,
    Universitäten Madison / Wisconsin und Berlin

    19.15 – 20.45 Uhr Lesung
    Aus dem Roman »Ohrfeige«
    Abbas Khider (angefragt)

    Anschließend gemütliches Beisammensein

    Tagungsablauf am Sonnabend, 4. Juni 2016

    9.00 – 10.30 Uhr Referat und Diskussion
    Völker wandern nicht, sondern Menschen
    Geschichte der Einwanderung
    Dr. Wolfgang Uellenberg,
    ehem. Bereichsleiter »Politik und Planung«, ver.di-Bundesvorstand, Berlin

    11.00 – 12.30 Uhr Workshops

    • Workshop 1:
      Joachim Seyppel –
      Grenzgänger zwischen den Welten
      Heidi Beutin,
      freie Wissenschaftspublizistin, Stormarn
    • Workshop 2:
      »Ich war Fremder, wo ich auch hinkam.« –
      Peter Weiss über Exil und Widerstand
      Heinrich Bleicher-Nagelsmann,
      ver.di-Bereichsleiter Kunst und Kultur, Berlin
    • Workshop 3:
      Immigration und Literatur
      Ein Beitrag zur Integrationsforschung in Frankreich
      Dr. Heiner Wittmann,
      Lehrbeauftragter der Universität Stuttgart

    14.30 – 18.00 Uhr Workshops

    • Workshop 4:
      Grenzüberschreitungen und Identitäten in der Prosa der polnischen Migrantinnen in Deutschland nach 1989
      Prof. Dr. Grażyna Barbara Szewczyk,
      Katowice
      Ein Emigrationsbericht aus Kosmopolen: Über moderne Identitätssuche, nationale Verwurzelung und europäisches Leben in Zwischenwelten
      Artur Becker,
      Schriftsteller, Verden
    • Workshop 5:
      »Der Exilant ist eine Person, die in Wirklichkeit nirgendwo lebt.« Der chilenische Dichter Antonio Skarmeta und seine Erfahrungen mit Migration, Flucht und Exil
      Claudia Wörmann-Adam,
      Vorsitzende des ver.di Bundesfachbereichsvorstands Besondere Dienstleistungen, Köln
      Vom Magischen Realismus bis zur tragischen Realität
      Juan Gelman, Gabriel Garcia Márquez und Arturo Alape – Reflexionen über drei Autoren aus Lateinamerika im Exil
      Erik Arellana Bautista,
      Menschenrechtsaktivist und Autor, Hamburg
    • Workshop 6:
      Bertolt Brechts »Flüchtlingsgespräche«
      Dr. phil. habil. Wolfgang Beutin,
      Universität Bremen
      »Die Schutzbefohlenen«
      Aischylos & Elfriede Jelinek und das Drama des Asyls
      Dr. Johann Dvořák,
      Universitätsdozent, Wien
    • Workshop 7:
      »Bitte nicht mehr vom selben, es lebe die postmoderne Integrationspolitik«
      Dr. Lale Akgün,
      Politikerin und Schriftstellerin, Köln

    19.30 – 21.30 Uhr
    »Heimat im Gepäck«
    Eine literarisch-musikalische Reflexion
    Anna Haentjens,
    Gesang/ Rezitation
    Ulrich Stolpmann,
    Klavier

    Tagungsablauf am Sonntag, 5. Juni 2016

    Referate und Diskussionen

    9.00 – 10.30 Uhr
    »Von der Willkommenskultur zur Notstandsstimmung« – Die Berichterstattung deutscher Medien zu Flucht und Migration 2015
    Dr. Margarete Jäger,
    Duisburger Institut für Sprach- und Sozialforschung

    11.00 – 12.30 Uhr
    Versagen der Europäischen Union in der Flüchtlingskrise – Droht die europäische Integration zu scheitern?
    Prof. Dr. Klaus Busch,
    Universität Osnabrück

    12.30 Uhr
    Ausblick und Abschied
    Michael Walter,
    ver.di Bildungs- und Begegnungszentrum

    anschließend Mittagessen und Abreise

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    Termin:
    3. Juni 2016 (14.00 Uhr)
    bis 5. Juni 2016 (13.00 Uhr)

    Ort:
    ver.di Bildungs- und Begegnungszentrum Clara Sahlberg,
    14109 Berlin, Koblanckstraße 10,
    Tel.: 030/806713-0, Fax: -560 | e-Mail: biz.berlin@verdi.de

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    Weitere Informationen,
    u.a. zu Kosten und Anmeldung sowie das Anmeldeformular können dem Faltblatt zur Tagung entnommen werden, das als pdf-Datei hier eingestellt ist.

     

    Eine Veranstaltung

    • der Gewerkschaft ver.di – Bildungs- und Begegnungszentrum Clara Sahlberg, GewerkschaftsPolitische Bildung gemeinnützige GmbH, Bundesfachbereich Medien, Kunst und Industrie, Landesbezirke Nord und Berlin-Brandenburg,
    • des Verbands deutscher Schriftsteller und Schriftstellerinnen (VS), Bundesvorstand und
    • von CLARA e.V.,

    in Kooperation mit dem Germanistischen Institut an der Schlesischen Universität Katowice, dem PEN und dem Talheimer Verlag

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    Weitere Informationen,
    u.a. zu Kosten und Anmeldung sowie das Anmeldeformular können dem Faltblatt zur Tagung entnommen werden, das als pdf-Datei hier eingestellt ist.