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    kunst+kultur

    kunst+kultur

    Die regelmäßig erscheinende kulturpolitische Zeitschrift kunst+kultur der ver.di wird auch allen VS-Mitgliedern zugestellt; das Abonnement ist im Mitgliedsbeitrag enthalten.

    In der Zeitschrift werden neben übergreifenden kulturpolitischen Themen auch spezielle des VS und der anderen Kunstfachgruppen (Bildende Kunst, Musik, Darstellende Kunst) der ver.di behandelt.

    • Geburt einer Zeitschrift – Wie kunst+kultur entstand

      Logo der Zeitschrift kunst+kultur Kunst+Kultur

      Ein Rückblick

      Von Josef Singldinger

      Als sich im Jahre 1989 Künstlerinnen und Künstler endlich in ihrer neuen Gewerkschaft zusammenfanden, in der aus der IG Druck und Papier hervorgegangenen, nunmehr aus neun Fachgruppen bestehenden IG Medien, war unter ihnen die Euphorie groß: Das sei ein wichtiger Schritt hin zu einer erweiterten Professionalisierung, die nicht nur auf dem individuellen Geschick, sich durchzusetzen, basiere, hieß es etwa in Hamburg.

      Der Schreiber dieser Zeilen arbeitete bis Mitte 1989 als Kulturredakteur bei der Wochenzeitung "Hamburger Rundschau", bevor er Redakteur der "Feder" wurde, der bei der IG Medien erscheinenden Zeitschrift. 1968 liegt lange zurück, aber Spuren des Geistes dieser Zeit hatten Bestand. Ein Stück dieser Grunderfahrung mag alle bewegt haben, die mit dem Schritt in die IG Medien etwas Neues, etwas Anderes zu formen gedachten.

      1990 ging die "Feder" in das neu geschaffene Periodikum "Publizistik und Kunst" über. In der erstgenannten kamen die Belange der im "Verband deutscher Schriftsteller" (VS) und die der in der "Deutschen Journalisten Union" (dju) organisierten Mitglieder zur Sprache. In der neuen Zeitschrift, deren Umfang kaum erweitert worden war, mussten, statt wie früher bei der "Feder" zwei, nunmehr die Spezifica von sechs Fachgruppen berücksichtigt werden: die des VS, der dju, die der in Rundfunk- und Fernsehanstalten Beschäftigten (RFFU), die der Musiker, der Bildenden Künstler und Theaterleute. Dabei sollte auch die übergreifende Kulturpolitik nicht zu kurz kommen.

      Vielleicht waren mit diesem ersten Modell die nun wachsenden Probleme vorprogrammiert. Bei einem Umfang von 40 bis 48 Seiten je Heft konnten die zahlreichen Eingaben der Fachgruppen einerseits und die über den besonderen gewerkschaftlichen Aspekt hinausweisenden Beiträge andererseits nur partiell berücksichtigt werden. So entstand schon bald die Idee, man möge "Publizistik und Kunst" teilen in eine Zeitschrift für die im Bereich der Kunst Arbeitenden und in eine für den Bereich Journalismus.

      Die IG Medien ist seit 1989 die erste Gewerkschaft, in der alle Disziplinen der Kunst unter einem Dach sind. Natürlich wuchsen die organisatorischen Herausforderungen und gleichermaßen die inhaltlichen für alle. Man konnte schon bald die Augen nicht mehr davor verschließen, dass alle Fachgruppen einer anderen Pflege als bisher bedurften, insbesondere die, die neu in diese Gemeinschaft kamen: die Künstlerinnen und Künstler. Zu ihnen musste die IG Medien – und die Künstler zur IG Medien – einen Weg finden.

      Nach zwei Jahren Erfahrung mit den neuen Mitgliedern begannen die Diskussionen darüber, was und wie das je Eigene im Prozess nach innen vertieft und wie weit die Fenster nach außen zu öffnen wären. Die Ergebnisse wurden im Zeitschriften-Beirat erörtert, der aus etwa zehn Mitgliedern der Fachgruppen bestand. Es reifte die Erkenntnis, dass vier Zeitschriften den Interessen aller Mitglieder am ehesten gerecht würden: eine für Kulturpolitik und die vier Künstlerfachgruppen, eine für die Journalisten und Rundfunkleute, eine für die im Druck-, Papier- und Buchbindereibereich Beschäftigten und eine für die gewerkschaftlich Verantwortlichen.

      Wolkenkratzer oder Feuerleiter – Wie sollte die Zeitschrift heißen?

      Das war die Geburtsstunde der Zeitschrift für Kulturpolitik – verbunden mit langen Debatten: Wie sollte sie heißen? Wolkenkratzer? (Der Name war schon vergeben.) Oder Feuerleiter? Man einigte sich bald auf den lapidar klingenden Titel "Kunst & Kultur", weil die im Namen verborgene Absicht den gesellschaftspolitischen Intentionen der Gewerkschaft und ihrer Klientel am nächsten kam.

      Christina Weiss, Staatsministerin für Kultur, schrieb in ihrem 1999 erschienenen Buch "Stadt ist Bühne": "Der Auftrag an die Kulturpolitik, an die Politik überhaupt ist deutlich genug formuliert: Wir brauchen kompetente Verantwortungsträger, die dafür zu sorgen bereit sind, dass die Kontinuität der gesellschaftlichen Wahrnehmung und Stützung der Entwicklungen in Kunst und Wissenschaft nicht abreißt." Kürzer formuliert kann man wohl nicht fordern, auf was es im politischen, also auch kulturpolitischen Bereich ankommt. Die Maximen gelten in nuce auch für ein Zeitschriftenprojekt, das die, die Kunst machen, sowie die, die deren Produkte betrachten, ernst genommen werden, so ernst, dass aus der angebotenen Diskussion selber vielleicht eine Art Kulturpolitik entstehen kann: Vom Sozialen zum Individuellen, vom Individuellen zum Sozialen – ohne Präferenzen.

      Als verantwortlicher Redakteur von 1994 bis 2000 lagen mir mehrere Vorstellungen, mehrere Konzepte am Herzen, die ineinander übergehen sollten. Sie sind natürlich alle getragen von den konkreten Ereignissen, die den Inhalt nicht unwesentlich bestimmten. An erster Stelle ist hier die noch Mitte 1989 nicht vorstellbare deutsch-deutsche Vereinigung zu nennen. Was damals zum Beispiel vom VS geleistet wurde, leider im übrigen die einzige, sich über Jahre hinziehende Auseinandersetzung über die veränderte Situation und Befindlichkeit, war vorbildlich für die Kulturpolitik des ganzen Landes. Die Diskussion ist in K&K nachzulesen.

      Als weitere Maxime galt, die Belange der einzelnen künstlerischen Fachgruppen in jedes Heft so aufzunehmen, dass sie sinnvoll in einen über die gewerkschaftliche Arbeit hinausgehenden Kontext integriert sind. Die Gewerkschaften können immer nur ihre am Arbeitsprozess orientierten Entscheidungen treffen – allerdings auf der Grundlage allgemeiner politischer Rahmenbedingungen. Kulturpolitik als Instrument nach außen, Kunstpolitik als Instrument nach innen. Die Verbindungen mussten in jedem Heft von "Kunst & Kultur" hergestellt werden.

      Das gefiel nicht allen. Manche wollten ausschließlich sich selbst im Heft wiederfinden. Streitereien waren nicht zu vermeiden. Letztlich aber halfen die Auseinandersetzungen weiter. Kontinuitäten sollten hergestellt werden, außen wie innen: Je eine Kunst abwechselnd, also Literatur, Musik, Darstellende oder Bildende Kunst im Zentrum eines Heftes. Kommentare, Essays, Glossen, Service. Im Laufe der Zeit haben viele Autoren, Experten auf verschiedenen kulturellen Gebieten, über ihre künstlerischen und wissenschaftlichen Erfahrungen geschrieben. Exemplarisch sollten Kunstereignisse besprochen und hinter dem konkreten Anlass die kunst-, kultur- und gesellschaftspolitische Essenz entdeckt werden. Über diese Bezugspunkte konnte die gewerkschaftliche Arbeit begleitet und unterstützt werden.

      Es gab viele Höhepunkte in der Zeit, in der ich für "Kunst & Kultur" tätig war. Nur einige möchte ich nennen: Den sechsteiligen Essay zu Bertolt Brechts 100. Geburtstag von Friedrich Dieckmann, 1998 in den Heften 1 bis 6 publiziert; die vier Gespräche, über die Jahre verteilt, mit dem vor zwei Jahren verstorbenen großen Literaturprofessor Hans Mayer und die sieben Sonderdrucke anlässlich der Ruhrfestspiele Recklinghausen sowie den achtseitigen Beitrag der IG Medien für die Kunstbiennale in Venedig 1995.

      Und noch eine mitteilbare Freude: Über die schöne Entwicklung und Erweiterung der Konzepte, die "Kunst & Kultur" nach meinem Ausscheiden im April 2000 erfahren hat.

     

     

      

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