Verbrannt. Vergessen?

    Broschüre

    Publikation

    Verbrannt. Vergessen?

    Buchumschlag zur Publikation des VS - Fachgruppe Literatur der ver.di W. Wohlers Umschlag der Broschüre  – Umschlag der Broschüre

     

     

    Die Ergebnisse des Projekts »Verbrannt. Vergessen?« wurden in einer Broschüre zusammengefasst, die im Mai 2007 erschien.

     

     

     

     

      

    • Vorwort

      von Imre Török

      Anliegen und Verpflichtung des Verbands deutscher Schriftsteller (VS in ver.di) ist es, die herausragende Bedeutung schöpferischer Worte, den Wert literarischer Kreativität für eine humane, ethisch gefestigte demokratische Gemeinschaft ins öffentliche Bewusstsein zu rufen.

      Der »Wert der Worte«, so das Motto des VS-Kongresses 2007, bestimmt die kulturpolitische Arbeit des VS seit seiner Gründung vor bald vier Jahrzehnten. In der praktischen Arbeit spiegeln die Literaturprojekte des Schriftstellerverbands am deutlichsten das Engagement für die Wertschätzung und für die Freiheit des Worts wieder. Es sind Projekte, die deutliche Akzente für die Völkerverständigung setzen. Ich erinnere an das Polen-Projekt, das in den neunziger Jahren des vergangenen Jahrhunderts auf Initiative des Bundesvorsitzenden Erich Loest erfolgreich für Versöhnung und Verständigung mit unserem Nachbarland geworben hat.

      Mit dem jüngsten, umfangreichen Projekt hat sich der VS einem der dunkelsten Kapitel der deutschen Geschichte zugewandt. Ein totaler Werteverlust in weiten Teilen der Bevölkerung, die schier grenzenlose Manipulierbarkeit des Worts und die hasserfüllte Hetze führten in jene unfassbar barbarische Katastrophe im 20. Jahrhundert, vor der kritische Schriftstellerinnen und Schriftsteller zuvor gewarnt hatten.

      Wenn der VS die Bücherverbrennungen 1933 und ihre Folgen in dieser Intensität thematisiert, so wollen wir an mutige Kolleginnen und Kollegen in einer finsteren Zeit erinnern und ihre zum Teil vergessenen Werke wieder lebendig werden lassen. Gleichzeitig aber auch zu gegenwärtiger Vorsicht mahnen. Auch heute darf niemand die Augen vor der immensen Gefahr verschließen, welche aus dumpfem Hass gegen Weltanschauungen und Aufklärung, aus dummdreister Fremdenfeindlichkeit und Rassenwahn erwächst. Folgerichtig schließt das Projekt »Verbrannt. Vergessen?« auch die Gegenwart mit ein. Es wird an das Pogrom 1993 im anatolischen Sivas erinnert, bei dem unter dem Jubel einer aufgehetzten Menschenmenge mehr als dreißig Autoren und Intellektuelle in einem Hotel verbrannten, ebenso an den Brand der Bibliothek in Sarajewo während des Balkan-Kriegs oder an die Verbrennung von Anne Franks Tagebuch in Sachsen-Anhalt 2006. Um es mit den Worten von Bertolt Brecht zu formulieren: Der Schoß ist fruchtbar noch aus dem das kroch.

      Ich danke allen Mitwirkenden bei der bundesweiten Recherche und bei den zahlreichen Veranstaltungen, womit wir der Opfer von politischer Verfolgung, Berufsverbot und Bücherverbrennung gedenken. Der Unterstützung des Beauftragten der Bundesregierung für Kultur und Medien ist es zu danken, dass der VS mit dem Projekt »Verbrannt. Vergessen?« in die Öffentlichkeit treten kann.

      Imre Török
      VS-Bundesvorsitzender

    • Zum Projekt

      von Anna Dünnebier

      Am 10. Mai 2007 finden an vielen Orten Gedenkveranstaltungen statt. Texte werden vorgetragen, die 1933 von den Nazis öffentlich verbrannt wurden, meist Texte bekannter Autoren und Autorinnen, die auch später wieder aufgelegt und gelesen wurden. Und die anderen? Was wurde aus ihnen, wo sind ihre Werke, haben wir uns im Verband deutscher Schriftsteller gefragt. Viele Kolleginnen und Kollegen von damals sind durch Bücherverbrennung, Verbot, Verfolgung, Exilierung, Ermordung aus dem allgemeinen literarischen Gedächtnis verschwunden. Was wäre aus ihnen geworden, wenn sie ungefährdet weiter hätten leben, weiter schreiben können? Wir möchten ihre Namen und literarischen Arbeiten wieder ins Gedächtnis rufen.

      Dazu haben 35 Autorinnen und Autoren des Verbandes seit vergangenem Jahr eine umfangreiche Recherche durchgeführt. Sie beziehen sich auf ihre nähere Umgebung, d.h. sie haben nach Autoren der jeweiligen Stadt, des Landkreises oder auch des Bundeslandes gesucht. Sie arbeiteten mit Stadtarchiven und Bibliotheken zusammen, in denen oft noch die Listen der Bücher vorliegen, die 1933 auszusortieren oder zu vernichten waren. Sie forschten im Einwohnermeldeamt, befragen Zeitzeugen, blätterten in alten Zeitungen und Magazinen. Sie durchforsteten die Literatur, kooperierten mit Geschichtswerkstätten, germanistischen und historischen Seminaren der Universitäten. In einigen Fällen konnten sie Nachkommen oder Freunde ausfindig machen und befragen. Eine verblüffend große Anzahl von vergessenen oder kaum noch bekannten Namen ist zusammengekommen.

      In dieser Broschüre dokumentieren wir die Ergebnisse dieser Recherche. In diesem Rahmen kann es nur eine kurze Zusammenfassung sein. Ausführlich werden Lebensläufe und Textauszüge der verfolgten Autorinnen und Autoren am 10. Mai 2007 präsentiert, in Form von Lesungen, Veranstaltungen, szenischen Darbietungen, »Spurensuche« in insgesamt 35 Städten.

      Anna Dünnebier
      Stellvertretende Vorsitzende des VS

    Das Inhaltsverzeichnis der Broschüre kann hier als pdf-Datei geladen und angezeigt werden.