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    Digitalisierung gerecht gestalten

    Digitalisierung gerecht gestalten

    25.07.2017

    Der VS fordert von den Parteien
    Mut zur Regulierung der Internetplattformen

    Die Verlagerung der Wertschöpfung (transfer of value), die sich zwischen Kreativen und digitalen Plattformen vollzogen hat, muss korrigiert werden. Diese Forderung bekräftigte der Bundesvorstand des Verbands deutscher Schriftstellerinnen und Schriftsteller (VS) auf seiner Sitzung in Tübingen am 23. Juli 2017. Derzeit befindet sich eine Urheberrechtsrichtlinie der Europäischen Kommission in der Diskussion und Abstimmung. Autorinnen und Autoren müssen für die Nutzung oder Vermittlung ihrer Werke durch die Plattformbetreiber und andere Anbieter angemessen vergütet werden. Die Politik darf sich gegenüber der Machtkonzentration der Digitalkonzerne nicht länger wie das Kaninchen vor der Schlange verhalten, so der VS. Durch ihr entschiedenes Vorgehen gegenüber Google hat EU-Kommissarin Margrethe Vestager vor kurzem deutlich gemacht, wie man das Primat der Politik wiederherstellen kann, und dafür große Zustimmung erhalten.

    Mit der Selfpublisher-Szene hat sich neben der traditionellen Verlagslandschaft ein umfangreicher neuer Bereich entwickelt. Infolge der Veränderungen durch die Digitalisierung stellen sich neue Fragen: Was macht heute eine Schriftstellerin, einen Schriftsteller aus? Und wie geht man mit der Gefährdung des Preisgefüges durch Niedrigpreise im Digitalmarkt um?

    Große Sorgen bereitet dem Schriftstellerverband die Entwicklung von Monopolstrukturen im Bereich des digitalen Publizierens, die vor allem auf Strategien von Amazon zurückzuführen sind. So beträgt der Marktanteil von Amazon bei e-Books bereits 50-60 Prozent; bei den Selfpublisherinnen und Selfpublishern sind es an die
    90 Prozent. Die Amazon Kindle Flatrate Kindle Unlimited stellt Bücher von Selfpublishern nur ein, wenn sie exklusiv über Amazon bezogen werden können. Auch bei den Kundenrezensionen hat Amazon mittlerweile so etwas wie eine Monopolstellung allein aufgrund der Vielzahl der Besprechungen, von den Empfehlungslisten ganz zu schweigen.

    Dies alles, so die VS-Vorsitzende Eva Leipprand, bedeutet einen außerordentlich großen Einfluss eines privaten Unternehmens auf unsere kulturellen Narrative. Im Interesse des Gemeinwohls sind geeignete Regulierungsmechanismen der Politik notwendig. Diese richten sich nicht gegen die Freiheit im Netz, sondern schützen den freien Fluss der Meinungen in unserer Gesellschaft.

    De Diskussion um das literarische Schreiben in Zeiten der Digitalisierung wird auch die Debatten auf dem Schriftstellerkongress bestimmen, der für das Jahr 2019 geplant ist. 2019 wird der Verband nicht nur sein
    50. Jubiläum feiern, sondern sich auch den drängenden Fragen der Zukunft stellen.

    Pressekontakt

    Heinrich Bleicher-Nagelsmann
    TEL: +49.30.6956-2327 | e-Mail: vs@verdi.de

    Medieninformationen

    Die Medieninformation des VS vom 25. Juli 2017 kann als pdf-Datei hier geladen werden: