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    »Einmischung als Pflicht«

    »Einmischung als Pflicht«

    20.12.2017

    Heinrich Böll zum 100. Geburtstag – Der VS erinnert
    an den großen Schriftsteller und Gründungsvater des VS

    Am 21. Dezember wäre Heinrich Böll 100 Jahre alt geworden. Grund und Anlass für uns, ihm zu danken und festzustellen, wie sehr er uns fehlt.

    Eva Leipprand, VS-Vorsitzende, erinnert an Heinrich Böll, den Sprachkünstler, dessen literarischer Blick immer auch ein politischer war: »Als Schriftsteller hat Böll seine Rolle als öffentliche Person und führender Intellektueller bewusst angenommen. Er ergriff Partei für die Außenseiter der Gesellschaft, gegen den restaurativen Zeitgeist, und sah es als seine Pflicht an, sich einzumischen, leidenschaftlich, kritisch, satirisch. Davon können wir auch heute noch lernen. Sein Satz ‚Die Wirklichkeit wird uns nie geschenkt, sie erfordert unsere aktive, nicht unsere passive Aufmerksamkeit‘ ist gerade in Zeiten des Postfaktischen und der Fake News kostbar und zukunftweisend. Heinrich Böll fehlt uns.«

    Die Entwicklung der deutschen Literatur nach dem Krieg ist ohne Heinrich Böll nicht denkbar. Seine Erzählungen und Romane gaben den verstörten Zeitgenossen und ihren Nöten eine Stimme, vielleicht auch Orientierung; aber auch späteren Generationen können sie Türen öffnen in die Mentalitätsgeschichte der frühen Bundesrepublik und tieferes Verständnis für die Gegenwart schaffen. Böll war prominentes Mitglied der Friedensbewegung und setzte sich unbeirrt gegen die atomare Aufrüstung ein. In den siebziger Jahren geriet der Nobelpreisträger selbst in Terrorismusverdacht und in das Räderwerk der öffentlichen Hetze; mit dem Roman »Die verlorene Ehre der Katharina Blum« fand er auch für diese abgründigen Jahre eine literarische Form, die die Zeit überdauert.

    Heinrich Böll hat seine Prominenz aber auch für die Rechte und die soziale Absicherung der Autorinnen und Autoren eingesetzt. Mit den beiden großen Reden zum »Ende der Bescheidenheit« und zur »Einigkeit der Einzelgänger« legte er 1969 die Grundlage für den dringend notwendigen Zusammenschluss im Verband deutscher Schriftsteller und den Anschluss an die Gewerkschaft. Normverträge, Künstlersozialkasse und Bibliothekstantieme haben wir auch seinen Impulsen zu verdanken.

    Viele Jahre schien Heinrich Böll als Schriftsteller in den Hintergrund gerückt zu sein. Heute füllen seine Werke wieder die Tische der Buchhändler. Böll zu ehren heißt auch, Böll zu lesen. Er hat viel zum Verständnis unserer Gegenwart beizutragen – oder um es mit Siegfried Lenz auszudrücken: »Heinrich Böll, der Schriftsteller, der in seinem Werk lediglich seine Zeit darstellen wollte und damit für alle Zeiten schrieb, wird nicht in Vergessenheit geraten.«

    Pressekontakt

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    Rudolf Zink • VS Geschäftsstelle • Telefon: +49 30 6956-2331 • rudolf.zink@verdi.de

    Presseinformation

    Weitere Informationen ...

    ... zu den Aktivitäten des VS anlässlich des
    100. Geburtstages von Heinrich Böll auf dieser Internetseite.

    Die Medieninformation des VS vom 20. Dezember 2017 kann als pdf-Datei hier geladen werden.