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    Der Sturz in die Barbarei 1933

    Der Sturz in die Barbarei 1933

    15.05.2013

    Verband deutscher Schriftsteller unterstützt Erinnerung an »Mössinger Generalstreik« mit Lesung »Worte gegen Rechts«

    Mit einer Lesung »Worte gegen Rechts« und politischer Rede greift der Vorsitzende des Verbandes deutscher Schriftsteller (VS), Imre Török, am 15. Mai 2013 im baden-württembergischen Mössingen in die Erinnerungskontroverse um das Jahr 1933 ein.

    Neben der allgemeinen Gedenkarbeit zu den Themen Nationalsozialismus und Shoah nimmt die Veranstaltung die unerbittliche Kontroverse um die Legitimität des bisher noch zu wenig bekannten Arbeiterwiderstandes am 31. Januar 1933 gegen den NS-Staat zum Anlass, um deutlich jene Handwerker, Arbeiter, Bauern und Tagelöhner zu würdigen, die am Tag nach der Machtübergabe an Hitler den »Mössinger Generalstreik« ausriefen. Er war einer der frühesten Widerstandsformen, getragen von einfachen aber beherzten Menschen.

    Während heute eine wachsende Öffentlichkeit den rebellisch-mutigen Schwaben von damals ihre Referenz erweist, erhebt sich eine herabwürdigende rechtspopulistische Argumentation einer Minderheit, die die Generalstreikenden in die Nähe von Stalins Gulag und DDR-Stacheldraht zu schieben versucht. Seit neuestem wird den damaligen Mössinger Widerständlern, die sich aus örtlichen Kommunisten, Sozialdemokraten, Pietisten und unabhängigen Antifaschisten zusammensetzten,  sogar unterstellt, sie hätten mit Todeslisten die Ermordung politischer Gegner geplant. Doch dafür gibt es keine Belege.

    Die Mössinger Widerständler mussten ihren Mut 1933 mit Prozessen, Haft und KZ-Aufenthalten bezahlen. Nach 1945 wurden die von der Nazi-Justiz Verurteilten von bundesdeutschen Gerichten vollständig rehabilitiert. Das Gericht bescheinigte ihnen, mit dem Streik verhältnismäßig gehandelt zu haben. Ihr tun sein ein »Verdienst« für die Gesellschaft gewesen.

    Die Lesung »Worte gegen Rechts – Der Sturz in die Barbarei 1933« lässt deutschsprachige jüdische Intellektuelle in ihrem Wirken gegen den Nationalsozialismus lebendig werden.

    In Erinnerung an die bedrohliche Lebenslage jüdischer Autorinnen und Autoren im Jahr 1933 erhebt der Verband deutscher Schriftsteller seine Stimme. Es sprechen

    • Imre Török,
      Vorsitzender des Verbandes deutscher Schriftsteller (VS) und
    • Heinrich Bleicher-Nagelsmann,
      Bundesgeschäftsführer des VS,

    »Worte gegen rechts« unter dem Motto »Der Sturz in die Barbarei 1933«.

    Diese Veranstaltung will den Blick darauf lenken, dass das Erinnern an die Machtübergabe an Hitler im Jahr 1933 nicht losgelöst werden kann vom Gedenken an die Opfer der Shoah und des Antisemitismus. Der »Mössinger Generalstreik« als damaliger demokratischer Widerstand sollte im Zusammenhang mit den demokratiefeindlichen Taten des Nationalsozialismus und des Holocaust gesehen werden.

    Der Abend gehört zur Reihe »Lesungen zur Verteidigung der Würde des Menschen« anlässlich »80 Jahre Mössinger Generalstreik«. Er ist Teil des Begleitprogramms des Theaters Lindenhof Melchingen und ist eine gemeinsame Veranstaltung von Löwenstein-Forschungsverein e.V., Büchereiverein Mössingen, Talheimer Verlag und Theater Lindenhof Melchingen.
    Die Veranstaltung wird unterstützt vom Verband deutscher Schriftsteller (VS) und von der Landeszentrale für politische Bildung Baden-Württemberg.

    WANN und WO | Publikation zum Thema

    • Mittwoch, 15. Mai 2013

      19:00 Uhr bis 21:30 Uhr

      Tonnenhalle am Löwensteinplatz, 72116 Mössingen.

    • »Der Sturz in die Barbarei 1933«

      Der Verband deutscher Schriftsteller veröffentlichte im Talheimer Verlag den Band »Der Sturz in die Barbarei 1933 – Antworten deutschsprachiger jüdischer Künstlerinnen und Künstler«, der anhand vieler Biografien zeigt, wie sie sich zu Hitler verhielten.

      Dieser Band erinnert an ausgewählte jüdische Künstler/Künstlerinnen, Philosophen/Philosophinnen und Intellektuelle, die ein erstaunlich umfangreiches Schrifttum hervorgebracht haben. Wie standen sie zu den Vorgängen im Reich, zum Nationalsozialismus und seinen Gräueln? »Wie war es möglich, daß der Faschismus in Deutschland gesiegt hat? Gerade in Deutschland, dem Land der großen, mächtigen Arbeiterbewegung?« (Lisa Fittko). »Das Unvorstellbare geschieht, weil die Leute es sich nicht vorstellen können« (Karl Kraus).
      Welche gedanklichen und praktischen Reaktionen – von Ausreise, Flucht und Exil über Resignation, Verzweiflung und Selbstmord oder Wechsel politischer und religiöser Positionen bis hin zum Widerstand und Kampf – wählten sie?
      An Hand von Literatur und Dichtungen, Analysen und Erklärungen, Flugblättern und Protesten beschäftigen sich die Autorinnen/Autoren mit Ernst Bloch, Lion Feuchtwanger, Lisa Fittko, Valeska Gert, Kurt Hiller, Karl Kraus, Else Lasker-Schüler, Max Raphael, Adrienne Thomas, Ernst Toller, Franz Werfel, Arnold Zweig und anderen, deren Worte auch heute noch Wirkung entfalten oder entfalten können.

      Heidi Beutin, Wolfgang Beutin, Heinrich Bleicher-Nagelsmann, Herbert Schmidt, Claudia Wörmann-Adam (Hg.): Der Sturz in die Barbarei 1933 – Antworten deutschsprachiger jüdischer Künstlerinnen und Künstler. Talheimer Verlag, Juni 2011, 272 Seiten, ISBN 978-3-83976-142-5. Mit Beiträgen von Heidi Beutin, Wolfgang Beutin, Heinrich Bleicher-Nagelsmann, Dina Bösch, Christian Bunners, Johan Dvorák, Jost Hermand, Thomas Kraft, Harald Lützenkirchen, Regine Möbius, Susanne Schmidt-Knaebel, Herbert Schmidt, Imre Török, Gerhard Wagner, Olaf Walther, Claudia Wörmann-Adam.

    WORTE gegen RECHTS – Verband deutscher Schriftsteller liest gegen Nazis: »Wir wollen, dass jeder in unserer Gesellschaft frei von Angst vor rechtem Einfluss leben kann und dass es keine Toleranz für Neonazis gibt. Deshalb engagieren auch wir als Autorinnen und Autoren uns mit unserem Wort gegen Hass und Gewalt und leisten mit unseren öffentlichen Auftritten einen Beitrag dazu, dass Neonazis keine Chance haben. WORTE gegen RECHTS ist ein Projekt des VS mit Lesungen, Plakataktionen und anderen Veranstaltungen.

    Pressekontakt

    Heinrich Bleicher-Nagelsmann
    TEL: +49.30.6956-2327 | e-Mail: vs@verdi.de