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    Wir trauern um Imre Kertész

    Wir trauern um Imre Kertész

    01.04.2016

    Imre Kertész –
    eine große moralische Instanz ist tot

    »Wir alle verlieren mit Imre Kertész einen Schriftsteller, der den Opfern des Holocaust eine Stimme gegeben hat, deren Tiefe und Deutlichkeit über seinen Tod hinaus mahnend nachklingen wird«, so die ver.di-Bundesbeauftragte für Kunst und Kultur Regine Möbius. »Kertész war oft in Leipzig; 1997 erhielt er den Leipziger Buchpreis zur Europäischen Verständigung. Tief bewegt war ich von der Kühnheit und Schärfe seiner Dankesrede.«

    Dass Literatur und Kunst überhaupt noch überdauere, verstehe sich nicht ganz von selbst hatte er damals gesagt und fuhr fort: »Schreiben kann nur bedeuten, von der Hypothese des gesunden Verstandes auszugehen – ein Umstand, der in unserer mit dem Wahnsinn der Ideologen, mit der Pest des Totalitarismus und der Ohnmacht der demokratischen Kräfte geschlagenen Epoche klar darauf hinweist, dass das Dasein der Literatur und der Kunst mit jedem Tag schwieriger wird, ja, dass ihre Situation dabei ist, gewissermaßen zu einer unnatürlichen zu werden.«

    Imre Kertész wurde am 9. November 1929 als einziges Kind jüdischer Eltern in Budapest geboren, 1944 als 14-Jähriger nach Auschwitz deportiert und von dort ins KZ Buchenwald. 1960 begann er die Arbeit an seinem großen »Roman eines Schicksallosen«. »Auch wenn ich von etwas ganz anderem spreche, spreche ich von Auschwitz«, schrieb er.

    »Den 2002 mit dem Literaturnobelpreis Ausgezeichneten empfinde ich als eine fortwirkende moralische Instanz, die immer den Mut zum Widerspruch hatte und Bereitschaft zeigte, extremistischen Tendenzen entgegenzutreten«, erklärte die Bundesvorsitzende des VS, Eva Leipprand.

    Es ist ein Zeichen der Versöhnung und hohen Wertschätzung, dass das persönliche Archiv Imre Kertészs mit einem umfänglichen Gesamtwerk sich in der Berliner Akademie der Künste befindet.

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    Die VS-Medieninformation vom 1. April 2016 kann als pdf-Datei hier geladen werden.

    Pressekontakt

    Heinrich Bleicher-Nagelsmann
    TEL: +49.30.6956-2327 | e-Mail: vs@verdi.de