Pressemitteilungen

    Nachruf auf Arnfrid Astel

    Nachruf auf Arnfrid Astel

    14.03.2018

    Der VS trauert um den Dichter Hans Arnfrid Astel.
    Er starb am 12. März 2018 in Trier im Alter von 84 Jahren.

    VS Fachgruppe Literatur der ver.di privat Arnfrid Astel

    Astel ist 1933 in München geboren, in Weimar und Windsbach aufgewachsen, hat in Freiburg und Heidelberg Biologie und Literatur studiert und als Lektor und Hauslehrer gearbeitet. Über 30 Jahre lang (1967–1998) leitete er die Literaturabteilung am Saarländischen Rundfunk.

    Von Arnfrid Astel sind bisher über 3.000 Epigramme publiziert, kurze Texte auf und für Gegenstände. Bekannt machte ihn eher das literarisch-politische Engagement seiner Merk- und Wandsprüche, der Strafzettel für den Rechtsstaat, die er vor allem in den 70er Jahren ausstellte, als die Beschäftigung mit biologischen Mythen, welche jedoch sein gesamtes Werk antreibt und befeuert.

    Astel hat von 1959 bis 1971 die Lyrischen Hefte herausgegeben und als Literaturredakteur beim SR über tausend Gespräche mit Autoren geführt. 1979–1993 hat er an der Universität des Saarlandes in seinem Seminar Selber schreiben und reden – Einhornjagd und Grillenfang eine große Anzahl Studenten zum Schreiben verleitet – aber auch angeleitet – in dieser sogenannten Saarbrücker Schule.

    Als Herausgeber und Redakteur hat er sich für interkulturelle und internationale Verständigung eingesetzt, indem er unbequemen Autoren (Dissidenten, Oppositionellen, Regimekritikern) Öffentlichkeit ermöglicht hat – so erschienen in den Lyrischen Heften schon 1966 Gedichte des späteren Nobelpreisträgers Iossif Brodskij, als dieser noch, wegen Parasitentums zu Zwangsarbeit verurteilt, im russischen Arbeitslager steckte.

    Gegen seine fristlose Entlassung aus offensichtlich politischen Gründen setzte er sich vor dem Bundesarbeitsgericht erfolgreich zur Wehr.

    Literarisch an seiner Vermittlungsarbeit waren die lebendigen, artifiziell entwickelten Gespräche, etwa in den Funksendungen Literatur im Gespräch. Astels Forderung nach freier Rede umfasste nicht nur Vorbehalte gegen das Schriftliche überhaupt, er verlangte, wir Autorenkollegen sollten uns bei allen unseren politischen Äußerungen anmerken lassen, dass wir Schriftsteller sind: Wir sollten literarisch sprechen, gegenständlich-lapidar, und nicht taktieren wie Politiker, sondern die Wahrheit sagen. Diese Prinzipien hat er uns nach Kräften vorgelebt.

    Von Dezember 1988 bis Februar 1991 Mitglied des VS-Bundesvorstands, initiierte er im Oktober '90 ein gesamtdeutsches Dichtertreffen in Weimar. Er wollte den VS reliterarisieren, ihn in der Gewerkschaft wieder kenntlich machen durch literarisches Reden in der Öffentlichkeit. Schriftsteller sollen durch ihre Literatur überzeugen.

    Wir werden Arnfrid Astel in Erinnerung behalten, seinen Witz, seine freie essayistische Rede und seine Epigramme, die kurzen Texte auf Gegenstände und angreifbare Zustände im Kopf und außerhalb.

    Klaus Behringer                                    Eva Leipprand
    Vorsitzender                                         Vorsitzende des VS
    VS Saarland

    Pressekontakt

      Für Rückfragen und Informationen wenden Sie sich bitte an:
    Valentin Döring • +49.30.6956-2327 • info@schriftstellerverband.org

    VS-Pressemeldung

    VS Fachgruppe Literatur der ver.di
    Foto/Grafik: ver.di


    Die Presseinformation des VS vom 14. März 2018

    kann als pdf-Datei hier geladen werden.